Di., 25.09.2018

Gesamtschule erhält das Siegel »Schule ohne Rassismus« Schüler sind stolz auf den Titel

Klare Haltung (hinten, von links): Gesamtschul-Leiterin Tanja Heinemann, Bürgermeister Michael Esken, Sabine Heidjan, Europaabgeordneter Elmar Brok, Nicolai Domscheit (vorne, von links), Neo Heitmeyer, Dana Mertensmeier und Katharina Feldhaus

Klare Haltung (hinten, von links): Gesamtschul-Leiterin Tanja Heinemann, Bürgermeister Michael Esken, Sabine Heidjan, Europaabgeordneter Elmar Brok, Nicolai Domscheit (vorne, von links), Neo Heitmeyer, Dana Mertensmeier und Katharina Feldhaus Foto: Renate Ibeler

Von Renate Ibeler

Verl (WB). Elmar Brok hat als Mitglied des Europäischen Parlaments einen randvollen Terminkalender. Als Pate für das Projekt »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« wollte der gebürtiger Verler – »Ich wurde 100 Meter von dieser Schule entfernt geboren« – bei der offiziellen Titelvergabe aber unbedingt dabei sein.

Die Terminfindung erwies sich allerdings als schwierig. Gestern fand die Feierstunde am frühen Morgen um acht Uhr statt – vor der Reise Broks nach Brüssel. Den Auftakt machten die Instrumentalisten und Sänger der Musik-AGs mit dem Song »Schrei nach Liebe« von den Ärzten. Unübersehbar war der Stolz der zahlreichen Schüler, als das Siegel überreicht wurde.

Schulleiterin Tanja Heinemann konnte nicht nur viele Schüler, sondern auch Ehrengäste im Pädagogischen Zentrum begrüßen, die den klaren Weg unterstützen. In Deutschland herrsche eine Rassismus-Amnesie, zitierte sie die Historikerin Fatima El-Tayeb. Bis jetzt gebe es immer noch kaum Verständigung darüber, was überhaupt »als Rassismus zu bezeichnen« sei, stellte die Schulleiterin heraus. Noch bis in die 1990er-Jahren sei es verpönt gewesen, das »R-Wort überhaupt in den Mund zu nehmen« – gewöhnlich habe man von Ausländer- oder Fremdenfeindlichkeit gesprochen.

»Populisten verbreiten wieder Ideen, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe verschiedene Rechte haben und manche mehr wert seien als andere«, wurde Tanja Heinemann deutlich. »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« sei ein Titel, der im aktuellen Zeitgeschehen eine besondere Bedeutung habe, sagte sie. Während immer mehr Menschen braunen Parolen aufsäßen, stelle sich die Gesamtschule bewusst dagegen.

Projektpate Elmar Brok sagte, der Titel sei mehr als ein Symbol und es komme nun darauf an, diese Einstellung zu leben. Auch Verls Bürgermeister Michael Esken lobte das außergewöhnliche Engagement der Schüler der Gesamtschule. Fast 100 Prozent hätten die Selbstverpflichtung unterschrieben.

Projektkoordinatorin Sabine Heidjan teilte in ihrem Grußwort mit, dass die Gesamtschule Verl die 16. Schule im Kreis Gütersloh sei, die den Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« erhalten habe. Eine Schule bekäme nur den Titel, wenn 70 Prozent aller Menschen an der Schule die Selbstverpflichtung unterschrieben hätten.

Die Feierstunde endete mit einem szenischen Spiel mit dem Titel »Verliebt in Berlin« von Schülern des Faches »Darstellen und Gestalten« und einer Vorstellung des Projektes »Zweitzeugen«, das im November der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Darin wird die Patenschaft für einen Menschen übernommen, der den Holocaust überlebt hat, und dessen Geschichte für die Nachwelt weitererzählt.

Interview mit Schulleiterin Tanja Heinemann

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