Di., 02.10.2018

Nach 35 Jahren Dornröschenschlaf: 16-jähriger Verler restauriert Isetta Knutschkugel wachgeküsst

Die BMW Isetta 300 lag unter Gestrüpp und Unkraut in einem Garten in Sürenheide. Bäume waren sogar quer durch sie hindurch gewachsen. Sie wurde befreit und wird auf Vordermann gebracht.

Die BMW Isetta 300 lag unter Gestrüpp und Unkraut in einem Garten in Sürenheide. Bäume waren sogar quer durch sie hindurch gewachsen. Sie wurde befreit und wird auf Vordermann gebracht.

Von Andreas Berenbrinker

Verl (WB) Einfach märchenhaft: Nach 35 Jahren im Dornröschenschlaf ist eine BMW Isetta aus einem Garten in Sürenheide geborgen worden. Nun wird sie restauriert. Die Knutschkugel wird endlich wachgeküsst.

Fast 35 Jahre lang verrottete eine Isetta in einem Garten in Sürenheide. Das markante Rollermobil aus dem Hause BMW stand in einer abgelegenen Ecke auf dem großen Grundstück des Elternhauses von Frank Jacobtorweihen (47) am Brummelweg. »Ich hatte die Isetta fast schon vergessen, obwohl ich viele Anekdoten mit ihr auf Lager habe«, erzählt Frank Jacobtorweihen.

Sein vor etwas über einem Jahr verstorbener Vater Bruno hatte die Isetta, Baujahr 1959, als Spielzeug für Frank und seine Geschwister Marcel und Anja angeschafft. »Damit gefahren ist er nie, den Motor hatte mein Vater sogar ausgebaut.« Die drei Jacobtorweihen-Geschwister hatten aber viel Spaß mit ihrer Knutschkugel, wie die Isetta liebevoll genannt wird. Jacobtorweihen: »Damit waren wir die Stars in der Nachbarschaft.«

Isetta Teil eines Films

Auf einer Art Karussell habe man die Isetta damals bewegen können und auch an einen lustigen Videodreh kann sich Frank Jacobtorweihen erinnern. »Wir wollten damals mit unserer Kolpinggruppe einen Musikclip von Depeche Mode nachspielen und die Isetta war Bestandteil des Videos«, lacht der Verler. Nach dem Dreh habe man das Rollermobil einfach zurück in eine Ecke geschoben, und dann sei es vergessen worden.

Oldtimerfreund Carlo Pollmüller hat schon das Krause-Duo-Krankenfahrzeug aus DDR-Bestand restauriert Foto: Berenbrinker

Nun wurde die BMW Isetta 300 quasi befreit. Dazu musste Gestrüpp und Unkraut beseitigt werden. »Sogar einige Bäume waren quer durch die Isetta gewachsen«, sagt Jacobtorweihen. Auf dem ersten Blick scheint von der Isetta nicht mehr viel übrig zu sein. Der Motor fehlt sowieso, Sitze sind ebenfalls entfernt. Statt des Faltdachs thront eine Wellblechabdeckung auf dem Dach. Die blaue Karosserie ist durchgerostet, die Reifen sind platt. Aber eine Entsorgung kam für Frank Jacobtorweihen als Liebhaber alter und seltener Autos nicht in Frage.

Aufhübschen nach der Arbeit

Da kam ihm ein Angebot des Sohnes eines Freundes gelegen. Carlo Pollmüller (16) möchte die Isetta restaurieren und wieder auf Vordermann bringen. Der junge Verler macht eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei Peters Werkstatt in Bornholte und darf die Räume nach Feierabend nutzen. Nach dem Wachküssen der Prinzessin Isetta (»Sie hat schöne weibliche Kurven«, betont Jacobtorweihen) soll sie aufgehübscht werden.

Carlo Pollmüller war sofort Feuer und Flamme für die alte Isetta mit dem auffälligen Schriftzug »Speedway IG Verl«. Der 16-Jährige sagt, Oldtimer hätten ihn immer schon interessiert. »Mein Vater und seine Freunde waren Speedway-Fans und haben sogar eine eigene Interessensgemeinschaft gegründet«, blickt Frank Jacobtorweihen zurück. Eigentlich sei diese in Sürenheide zu Hause gewesen. »Aber der Schriftzug ›Sürenheide‹ passte wohl nicht mehr auf die Isetta.«

Ersatzteilsuche schwierig

Carlo Pollmüller hat nun viel Arbeit vor sich, besonders die Beschaffung von Ersatzteilen wird schwierig. »Ein paar Originalteile bekommt man noch, aber ich werde wohl auch selbst etwas basteln müssen«, sagt Pollmüller, der sich über die Wintermonate mit der Isetta – im Original mit einem 13 PS starken Motorradmotor ausgestattet – beschäftigen möchte und dabei auf die Hilfe seines Freundes Karsten Hanswille, Sohn von Carlo Pollmüllers Chef Peter Hanswille, verlassen kann. Pollmüllers ehrgeiziges Ziel: »Vielleicht ist die Isetta im kommenden Frühling schon lackierfertig.«

Eine Krause Duo restauriert

Die BMW Isetta ist nicht das erste Fahrzeug, das Carlo Pollmüller restauriert. Eine Krause Duo hat er auch schon auf Vordermann gebracht. Hierbei handelt es sich um ein dreirädriges Krankentransportfahrzeug aus der DDR, welches 1989 gebaut wurde.

»Ein Kollege von der Freiwilligen Feuerwehr hatte die Krause Duo in der Scheune stehen«, erzählt Carlo Pollmüller, der das orangefarbene Fahrzeug in liebevoller Detailarbeit wieder hergerichtet hat. »Damit fahre ich auch ab und zu mal«, sagt Pollmüller. Dafür reicht ein Rollerführerschein.

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