Fr., 09.11.2018

Kaunitzer Matthias Tramte hat Trabis in der Garage und ein Mini-Museum im Haus Ein »Ostalgiker« aus Leidenschaft

Mit diesem Trabant 601 fährt Matthias Tramte zu besonderen Anlässen. Aber auch bis nach Slowenien ist er mit dem Wagen schon gefahren. Als Hauptauto fährt der Kaunitzer einen Wartburg. Mit ihm geht’s auch in den Familienurlaub.

Mit diesem Trabant 601 fährt Matthias Tramte zu besonderen Anlässen. Aber auch bis nach Slowenien ist er mit dem Wagen schon gefahren. Als Hauptauto fährt der Kaunitzer einen Wartburg. Mit ihm geht’s auch in den Familienurlaub. Foto: Andreas Berenbrinker

Von Andreas Berenbrinker

Verl-Kaunitz (WB). Heute vor 29 Jahren wurde die Mauer eingerissen, tausende DDR-Bürger machten sich mit ihren Trabis auf den Weg in den Westen. Für den Kaunitzer Matthias Tramte übt die DDR immer noch große Faszination aus. Er sammelt Utensilien aus dieser vergangener Zeit.

Wer bei Matthias Tramte (45) an der Holter Straße in Kaunitz zu Gast ist, fühlt sich zurückversetzt in alte DDR-Zeiten. In den Garagen stehen mehrere Trabanten und auch ein Wartburg samt Wohnwagen, unter dem Dachgeschoss finden sich Souvenirs, Sammlerstücke und Flohmarkt-Mitbringsel aus der DDR, ein Genuss für »Ostalgiker«. Tramte kommt mitnichten aus dem Osten der Republik. Der Sammelleidenschaft des gebürtigen Güterslohers tut dies aber keinen Abbruch. »Es hat sich so entwickelt und es ist einfach spannend«, sagt Tramte, Inhaber der Teppichreinigung Franke in der Kreisstadt.

"

»Ich musste zwar etwas dran machen, aber der Wagen schnurrt wie eine Katze.«

Matthias Tramte

"

Matthias Tramte verfügt über einen großen Fuhrpark an DDR-Autos. Als Hauptauto fährt er einen Wartburg, den er für zehn Euro im Internet gekauft hat. »Ich musste zwar etwas dran machen, aber der Wagen schnurrt wie eine Katze.« Mit dem Wartburg und einem QEK-Wohnwagen aus der DDR fährt Tramte mit seiner Frau und zwei Kindern in den Urlaub oder zu Ostalgie-Treffen. Mit dabei ist auch ein Original-Dachzelt aus DDR-Produktion. Auch mit seinem »Schönwetter«-Wagen, dem Trabant 601, ist der Deutsch-Slowene Matthias Tramte mit seiner Frau in den Urlaub gefahren. Es ging zum Beispiel quer durch Österreich bis nach Slowenien.

Mit dabei hat er bei den Fahrten neben einem Werkzeugkasten auch Lichtmaschine, Anlasser oder Zündkerzen. »Bei Pannen repariere ich meist selbst.« Besonders im Osten Deutschlands seien aber viele Werkstätten gut mit Ersatzteilen ausgestattet. Grundsätzlich ist er überzeugt vom Trabi. »Mit Panzerband und Tüddeldraht, da fahren wir bis nach Leningrad«, greift er eine Autofahrer-Weisheit aus der DDR auf. In seiner Sammlung befinden sich drei zugelassene Fahrzeuge und acht nicht zugelassene, darunter auch ein Trabant Kübel, der einst von Forstwirtschaft und Nationaler Volksarmee genutzt wurde.

Ein kleines Museum befindet sich im Dachgeschoss von Matthias Tramte. Auf Flohmärkten und bei Haushaltsauflösungen hat er einige Originalprodukte zusammengetragen. Darunter einige Militär-, Polizei- oder Feuerwehruniformen, Trabi-Spielzeugautos und unzählige Orden, Abzeichen, Urkunden und auch Banknoten. An der Decke hängen Wimpel aller Art, im Schrank stehen Bücher aus der DDR sowie die Spielankündigungshefte vom Stasi-Fußballverein Dynamo Berlin.

Keine Glorifizierung

Im Fundus befinden sich skurrile Dinge wie eingeschweißte Bettwäsche, eine »Heißluftdusche« (Föhn), ein Verkehrsregulierungsstab der Volkspolizei oder eine Fliese aus »Erichs Lampenladen«. Auch unzählige Biergläser befinden sind dabei, sowie ein Gedenkglas zur Weltmeisterschaft 1974, bei der die DDR gegen die Bundesrepublik mit 1:0 siegte. Besonders stolz ist Tramte auf ein Autogramm von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im Weltall.

Tramte sammelt aus Leidenschaft und ist zum Tauschen bereit. Er legt großen Wert darauf, dass er die DDR nicht verkläre oder gar glorifiziere. »So ganz normal ist das alles bestimmt nicht«, lacht er. »Aber es macht viel Spaß und ist ein interessantes Kapitel deutscher Geschichte«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6175926?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F