Mo., 12.11.2018

Gesamtschule erinnert mit Vernissage an Reichspogromnacht Gegen das Vergessen

Mali Richter, Ida Nienhaus, Luna Schöppner und Sarah Holtmann haben sich mit zwölf weiteren Schülern und zwei Lehrern der Gesamtschule zu »Zweitzeugen« ausbilden lassen und um die Lebensgeschichte der Holocaustüberlebenden Erna de Vries gekümmert.

Mali Richter, Ida Nienhaus, Luna Schöppner und Sarah Holtmann haben sich mit zwölf weiteren Schülern und zwei Lehrern der Gesamtschule zu »Zweitzeugen« ausbilden lassen und um die Lebensgeschichte der Holocaustüberlebenden Erna de Vries gekümmert. Foto: Andreas Berenbrinker

Von Andreas Berenbrinker

Verl (WB). Erna de Vries ist 95 Jahre alt, sie wurde von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager gebracht, sie überlebte den Holocaust. In vier Schülerinnen der Gesamtschule hat sie »Zweitzeugen« gefunden. Eine beeindruckende Ausstellung zum Thema wurde nun eröffnet.

Sarah Holtmann, Ida Nienhaus, Luna Schöppner (alle 16) und Mali Richter (15) gehen in die zehnte Stufe der Gesamtschule. Gemeinsam mit zwölf weiteren Schülern sowie Schulleiterin Tanja Heinemann und Lehrer Nicolai Domscheit haben die Schülerinnen sich vom Verein Heimatsucher ausbilden lassen. Da es immer weniger Menschen gibt, die von der Zeit des Nationalsozialismus berichten können, gibt es nun auch an der Gesamtschule »Zweitzeugen«, die die Geschichten der Menschen weitererzählen.

Mutter im KZ ermordet

Sarah, Ida, Luna und Mali haben sich der Lebensgeschichte von Erna de Vries gewidmet. Geboren wurde die Tochter einer Jüdin 1923 in Kaiserslautern. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November wurde das Haus der Familie zerstört. Gemeinsam mit ihrer Mutter Jeanette Korn wurde sie 1943 ins Konzentrationslager (KZ) Auschwitz-Birkenau gebracht, wo die Mutter kurze Zeit später ermordet wurde.

Erna de Vries (sie nahm nach dem Krieg den Nachnamen ihres Ehemannes Josef an) wurde von der Hinrichtung verschont und als sogenannter jüdischer Mischling ins KZ Ravensbrück gebracht. Von alliierten Soldaten wurde die heute in Lathen lebende Erna de Vries schließlich befreit.

Die Verler Schüler haben sich nicht nur intensiv mit den Überlebenden des Holocausts beschäftigt, sie haben ihnen auch Briefe geschrieben, die nach Beendigung der Ausstellung abgeschickt werden sollen. Den zahlreichen interessierten Besuchern in der Bibliothek trugen sie die Geschichten der Menschen vor.

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. »Verl hält inne.«

Landtagspräsident André Kuper

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Die Wichtigkeit der Vernissage unter dem Titel »Zeichen gegen das Vergessen« wurde mit dem Besuch zahlreicher Ehrengäste deutlich. »Verl hält inne«, sagte Landtagspräsident André Kuper, der die Reichspogromnacht und die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden als Angriff auf die Kultur, Gesellschaft und Zivilisation einstufte. »Es war ein Angriff auf uns alle.« Ein »nie wieder« dürfe nicht nur ein Spruch auf Transparenten sein. Kuper: »Wir müssen gerade heute wachsam und wehrhaft sein, unsere Demokratie braucht Demokraten.«

Die Verler CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Nitsch war als Vertreterin der von ihrem Vater Karl-Heinz Volkert gegründeten Israelstiftung vor Ort. »Mein Vater hat die Pogromnacht mit sechs Jahren miterlebt, und es hat ihn nie losgelassen.« Auch Nitsch appellierte an das Demokratieverständnis der Bürger. »So etwas wie vor 80 Jahren darf nie wieder passieren.«

Der stellvertretende Bürgermeister Josef Dresselhaus erinnerte an die jüdische Familie Hope aus Verl, deren Mitglieder verfolgt und ermordet wurden. Wie alle Redner lobte er das Engagement der Gesamtschule und der Schüler.

Interessierte können die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Bibliothek besuchen.

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