Di., 12.02.2019

Diane Glossop berichtet im Heimathaus über ihre Tätigkeit auf dem Schiff »Albrecht Penck« »Der Stachel in Europa sein«

Einsatz vor der Libyschen Küste: Zuletzt hat die »Albrecht Penck« 17 Flüchtlinge aufgenommen.

Einsatz vor der Libyschen Küste: Zuletzt hat die »Albrecht Penck« 17 Flüchtlinge aufgenommen.

Verl (WB/ale). Diane Glossop weiß um die unzähligen Vorurteile, die viele zur Seenotrettung haben. »Die Aktivisten spielen den Schleppern in die Hände«, das ist nur eine der Aussagen, die sie und ihre Mitstreiter häufig hören.

Diane Glossop aus Verl war vor der libyschen Küste im Einsatz. Foto: Kerstin Eigendorf

Ist die Seenotrettung wirklich kriminell? Diese Frage stellt sich für die Verlerin nicht. Im Gegenteil, als ausgebildete Krankenschwester sieht sie es als ihre Pflicht an, die in Seenot geratenen Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten, ihre Verletzungen zu behandeln und die Not zu lindern. »Im Mittelmeer zu ertrinken hat nichts mit Würde zu tun«, sagt die Aktivistin, die gerade erst von ihrem dritten Einsatz auf einem Schiff der Organisation Sea-Eye zurückgekehrt ist.

»Politische Geisel«

Dieses Mal, so ihr persönliches Fazit, habe sie jedoch als »politische Geisel« festgehangen. Dabei sei der als Weihnachtsmission gekennzeichnete Einsatz zunächst normal verlaufen, erzählt sie den rund 30 Zuhörern bei einer Diskussionsrunde im Heimathaus. Bei der routinemäßigen Fahrt im internationalen Gewässer trifft die Besatzung der »Albrecht Penck« auf 17 in Seenot geratene Flüchtlinge aus Libyen. Gezeichnet von einer tagelangen Irrfahrt, wird die kleine Gruppe, sie besteht überwiegend aus jungen Männern, aufgenommen und medizinisch versorgt.

Der Hilferuf, den die Besatzung an die zuständige Stelle in Rom weiterleitet, wird dort mit der Begründung, Libyen sei nun zuständig, abgewiesen. Die »Albrecht Penck« wird zum Spielball in der Diskussion um die Aufnahme von Flüchtlingen, um Verteilungsschlüssel und um überforderte Erstaufnahmeeinrichtungen. Das Schiff hängt vor Malta fest.

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Europa will nicht sehen, was dort passiert!

Diane Glossop

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Diane Glossop versteht durchaus, dass Italien, Malta, vor allem aber auch Griechenland vehement einen in ihren Augen gerechten Verteilschlüssel für die Ankommenden fordert. Sie hat allerdings kein Verständnis für die Tatenlosigkeit, mit der das restliche Europa das Problem zu ignorieren versucht. »Europa will nicht sehen, was dort passiert!« Gerade deshalb werde sie gemeinsam mit den anderen Aktivisten auch weiterhin der »Stachel in Europa« sein und auf die Missstände vor der Küste Maltas aufmerksam machen.

Rettung aus Seenot wichtig

Bereits kommende Woche läuft das Schiff, auf dem sich Diane Glossop als »politische Geisel« befand, erneut aus. Ziele sind wieder die internationalen Gewässer. Und auch die Mission ist klar formuliert. Dieses Mal wird die Verlerin, die diese Arbeit ehrenamtlich und freiwillig macht, allerdings nicht dabei sein.

»Ich zehre immer noch von den Nachwirkungen des letzten Einsatzes.« Vor allem die gezeigten Bilder sind es, die auch den Anwesenden im Heimathaus deutlich machen, dass die Seenotrettung notwendig und alles andere als kriminell ist. Beim Anblick der ausgezehrten und durchnässten Menschen ist die Brücke zu längst vergangener Zeit geschlagen, als Flucht und Vertreibung auch in Verl zentrale Themen waren.

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