Mi., 15.05.2019

Verler Experte Rudolf Pähler macht den Menschen dafür verantwortlich »Schmetterlingszahl hat sich halbiert«

Wer Schmetterlinge sieht wie dieses Tagpfauenauge, mag sich gar nicht vorstellen, dass manche Arten in Deutschland beinahe verschwunden sind. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der Schmetterlinge nahezu halbiert.

Wer Schmetterlinge sieht wie dieses Tagpfauenauge, mag sich gar nicht vorstellen, dass manche Arten in Deutschland beinahe verschwunden sind. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der Schmetterlinge nahezu halbiert. Foto: Rudolf Pähler

Von Kerstin Eigendorf

Verl (WB). Er war 16 Jahre, als ihn die Leidenschaft für Schmetterlinge packte. Sein Bruder brachte ein Taschenbuch dazu von Hertie mit und danach ging es los mit dem Züchten. Heute arbeitet der Verler Rudolf Pähler an seinem dritten Buch – mit derselben Leidenschaft wie vor 50 Jahren.

Anfangs hat der heute 67-Jährige im Keller in kleinen Boxen Schmetterlinge gezüchtet, genau zugeschaut, wie sie sich verpuppen, häuten oder wie sie schlüpfen. Im Laufe der Zeit war er immer mehr auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen.

Rudolf Pähler ist am heutigen Donnerstag mit einem Vortrag zu Gast im »Deutschen Haus« um 19.30 Uhr. Foto: Eigendorf

»Ich suche seltene Exemplare«, betont er. Demnächst landen diese dann zu wissenschaftlichen Zwecken im Naturkundemuseum in Münster oder in der Staatssammlung München. Pähler sieht sich als Naturliebhaber, vor allem versteht er sich aber als Forscher. 1800 Arten hat er präpariert für die Wissenschaft, unzählige Daten erhoben und der Forschung zur Verfügung gestellt. 600 Arten entdeckte er im eigenen Verler Garten.

»Beobachten, beobachten, beobachten«, lautet sein Credo. Wenn andere sagen, zwei Schmetterlinge wirkten doch gleich, sieht er Details. Wenn er wissen will, wann ein Exemplar erneut in seinem Garten auftaucht, muss er nur auf die Flügel schauen. Manchmal hat er ihn mit Nagellack markiert, um zu sehen, ob er standorttreu ist. Wenn er durch seinen Garten geht, »sehe ich alles sofort«.

Die Lebensdauer von Schmetterlingen liegt zwischen zwei Tagen und elf Monaten. »Das geht rasend schnell.« Als mit 16 Jahren die Schmetterlinge in sein Leben traten, hätte er nicht gedacht, dass die Nachrichten über sie einmal so drama

Was jeder tun kann

Um den Lebensraum für Schmetterlinge und andere Insekten zu verbessern, rät Rudolf Pähler dazu, für Artenvielfalt im heimischen Garten zu sorgen, damit nahezu das ganze Jahr etwas blüht.

Als Beispiel nennt er Schneeheide, die im Frühjahr blüht, Lavendel (im Sommer), Fetthenne (im Herbst) und Efeu (im Herbst und frühen Winter). An seinem blühenden Efeu hat er einst 17 verschiedene Arten entdecken können. »Keine Gifte spritzen und so wenig wie möglich Dünger verwenden«, lautet ein weiterer Tipp. Und im Fachhandel nur Pflanzen wählen, die auch Nektar führen. »Sonst sehen die nur einfach toll aus, bringen den Insekten aber gar nichts«, betont er. Das gelte zum Beispiel für die Knospenheide. Sie blühe, habe aber keinen positiven Effekt auf den Schmetterling.

tisch würden. Für sein neues Buch, das dieses Jahr erscheinen soll, hat er mit Hans Dudler und Axel Hille Schmetterlingsbestände der letzten 43 Jahre ausgewertet. »Das Ergebnis ist niederschmetternd«, sagt der gelernte Industriekaufmann. Die Zahl habe sich in den vier Jahrzehnten halbiert. Manche Arten zeigten einen Rückgang von 77 Prozent. »Und das liegt an uns Menschen, wir sind dafür verantwortlich.« Als Gründe zählt er Klimaveränderung, zu viel Flächen für Infrastruktur, Industrie und Wohnen, Lichtverschmutzung, zu kleine Naturschutzgebiete und die heutige Form der Landwirtschaft mit Mitteln wie Glyphosat und Überdüngung auf. »Wenn nach 43 Jahren nur noch die Hälfte der Schmetterlinge da sind, können wir uns ausrechnen, was in weiteren 43 Jahren sein wird.«

Zusammenarbeit mit Landwirten

Direkt zusammen arbeitet der langjährige sachkundige Bürger für die SPD im Verler Stadtrat mit Landwirten – unter anderem auch mit Dreien aus Verl – beim Projekt »Ackerblühstreifen« im Kreis Gütersloh. 20 Betriebe stellten 29 Flächen zur Verfügung auf insgesamt 4,6 Hektar. Dort wurden spezielle Blühsamen gesät. Das Zwischenergebnis Ende 2018 zeigte: Es kamen mehr Schmetterlinge und Wildbienen (Stechimmen). Wie er das festgestellt hat? Er und seine Kollegen führten Tagesprotokolle. Man begibt sich in den Blühstreifen wie in einen Tunnel – zweieinhalb Meter rechts von einem sowie links, fünf Meter über einem und zweieinhalb bis fünf Meter vor einem. Dann werden Schmetterlinge und Wildbienen gezählt. »Dieses Monitoring läuft in diesem Jahr weiter. Fest steht schon jetzt, dass auf großen Flächen mit Anbindung an die Natur wie den Teutoburger Wald der Erfolg am größten ist.« Das lässt ihn hoffen. Dieses Projekt sei »eine gute Maßnahme, etwas zu verbessern«. Es sei aber »keine Kehrtwende«. Sein größter Wunsch: »Dass derjenige, der mehr für die Umwelt tut, mehr Geld aus Fördertöpfen bekommt.«

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