Mi., 29.05.2019

Videos zeigen, was sich Autofahrer an der Sperrung der Österwieher Straße leisten Rücksichtslos den Weg frei geräumt

Der Mann greift sich die Absperrschranke und knickt sie anschließend ab.

Der Mann greift sich die Absperrschranke und knickt sie anschließend ab. Foto: Kreis Gütersloh

Von Alexandra Wittke

Verl (WB). Ein Jugendlicher trägt sein Rad durch den Graben und umrundet so eine Absperrbake. Autofahrer fahren trotz Verbotsschild in eine Vollsperrung. Die Bilder, die Karsten Bansemer seit ein paar Tage auf Video sieht, zeigen vor allem eins: Die Rücksichtslosigkeit einiger Verkehrsteilnehmer kennt nur noch wenige Grenzen.

 

Seit Freitagabend ist die Videokamera an der Schrankenanlage auf Höhe der Gaststätte Bischoff erst in Betrieb . Material, auch zur Strafverfolgung, konnte sie aber bereits reichlich liefern. »Es ist schon erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Verkehrsteilnehmer die Hinweise und auch Absperrungen ignorieren und die Baustelle unbefugt passieren«, erklärt Karsten Bansemer, Inhaber der Sicherheitsfirma »Sicherheit und Service Westfalen«, der die Baustelle bewacht.

Den Höhepunkt markierte am Samstag ein Autofahrer aus Bielefeld (wir berichteten in der Ausgabe gestern). Auf den Bildern der Überwachungskamera ist zu sehen, wie er mit seinem Auto inklusive Anhänger aus Richtung Verl kommend vor die Schranke fährt. Der Fahrer steigt aus und öffnet per Hand den Schlagbaum, knickt ihn ab. Dass der beschädigt wird, in diesem Fall sogar irreparabel, scheint den Mann nicht zu stören. Unbeirrt setzt er seine Fahrt fort. »Seit Freitag stellen alle 20 bis 30 Minuten Autofahrer vor der Schranke und scheinen nicht zu wissen, was sie davon halten sollen.«

Sicherheitsdienst sollte unbefugte Passieren unterbinden

Ursprünglich waren Bansemer und seine Kollegen als Sicherheitsdienst an der Ecke Frickenweg/Österwieher Straße (K42) engagiert worden, um das unbefugte Passieren der Baustelle Österwieher Straße zu unterbinden. Ihr Ziel war, die Bauarbeiter bei ihren Arbeiten beim Ausbau des neuen Radwegs zwischen Verl und Österwiehe vor Autofahrern zu schützen, die sich nicht an die Regeln halten. Allerdings sei das personell nicht machbar gewesen, wie Bansemer erklärt.

»Die Beschädigungen an der Schrankenanlage fanden ausnahmslos an Wochenenden oder zu Zeiten statt, an denen auf der Baustelle nicht gearbeitet wurde. Wir hätten rund um die Uhr Sicherheitspersonal vor Ort haben müssen.« Ein Ding der Unmöglichkeit.

Stadt Verl entschied sich für die Videoüberwachung

Auf Initiative der Stadt Verl entschied man sich dann für die Videoüberwachung. Gefilmt wird ausschließlich der Bereich um die Schranke, weder die Baustelle an sich noch die angrenzenden Grundstücke sind auf den Bildern zu sehen. Deshalb können auch keine verlässlichen Angaben über den genauen weiteren Weg der Autofahrer gemacht werden, wenn sie widerrechtlich die Schranke passiert haben.

Auffällig sei jedoch, dass bisher nur die Schranke auf Höhe der Gaststätte Bischoff beschädigt wurde. Das Gegenstück auf Höhe Engelmeier ist unversehrt.

Und noch etwas scheint auffällig: Die meisten Autofahrer, die die Kamera bisher aufgezeichnet hat, sind männlich, viele davon mittleren Alters.

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Die Baustelle ist kein rechtsfreier Raum.

Timo Kohl

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»Die Baustelle ist kein rechtsfreier Raum«, erklärt Timo Kohl vom Kreis Gütersloh. Er nehme jeden gefilmten Verstoß sehr ernst und leite umgehend entsprechende Maßnahmen zur Strafverfolgung ein. Der Einsatz einer Videokamera zur Beweissicherung ist auch für Kohl ein Novum. Allerdings gibt der Kreis schon jetzt generell je Straßenbauvorhaben fünfstellige Summen aus, um zu verhindern, dass Fahrzeuge etwa durch frisch asphaltierte Flächen fahren.

Ursprünglich war eine Vollsperrung der Österwieher Straße nicht vorgesehen. Vielmehr sollte durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit mit einer wandernden Baustelle auf halber Straßenbreite gearbeitet werden. Da sich jedoch kaum jemand an die Begrenzung hielt, entschied man sich letztendlich aus Sicherheitsgründen für eine Vollsperrung. Einzig der Schulbusverkehr darf den Teilabschnitt passieren und kann die Schranke dazu per Handsender öffnen. Rund sieben Fahrten sind tagsüber notwendig, um die Kinder zum Schulzentrum oder zur Bühlbuschschule zu bringen.

Am Ausbau des Geh- und Radwegs wird seit März 2017 gearbeitet

Seit März 2017 wird bereits am Ausbau des Geh- und Radwegs und dem Fahrbahnausbau gearbeitet. Ein weiteres Ziel der Maßnahme war die Entschärfung einer engen Kurve im Bereich der Wapelüberquerung. In diesem Zuge wurde auch die Wapelbrücke erneuert. Die Vollsperrung der Österwieher Straße wird demnächst aufgehoben, für den Bau des Durchlasses für den Bastergraben in den Sommerferien wird wieder gesperrt. Die Fertigstellung ist für November geplant.

 

 

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