80-jähriger Chef der Verler Balkanhilfe befürchtet: »Der Verein wird sich wohl auflösen«
»Hütti« findet keinen Nachfolger

Verl (WB). Gebete, Gesänge, Kyrie-Rufe – aber nicht in einer Kirche, wie man vermutet: Bevor Günter Hüttenhölscher, Vorsitzender von »Hütti’s Balkanhilfe«, die aktuelle Jahreshauptversammlung auf dem Hof Balsfulland eröffnet, findet hier eine Heilige Messe statt. Unter den drei Priestern befindet sich mit Peter Gered ein Geistlicher aus Rumänien.

Montag, 29.07.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 29.07.2019, 07:38 Uhr
Bewährtes Duo: Günter Hüttenhölscher und Marianne Joannou. Links der rumänische Priester Peter Gered. Foto: Uwe Caspar
Bewährtes Duo: Günter Hüttenhölscher und Marianne Joannou. Links der rumänische Priester Peter Gered. Foto: Uwe Caspar

»Das machen wir schon seit 15 Jahren. Die Messe ist Tradition bei uns«, erklärt Hüttenhölscher die ungewöhnliche Konstellation von frommen Gebeten und nüchternen Bilanzen. Das dürfte wohl einzigartig sein. Ebenso das beispiellose Engagement der seit 1992 bestehenden Balkanhilfe aus Verl.

Bis 2017 gab es 126 Transporte mit rund 6570 Tonnen Hilfsgütern. Für die Lieferung wurden 420 Lkw und Auflieger eingesetzt. Sach- und Barspenden ergeben bisher zusammen die fast unglaubliche Summe von schätzungsweise knapp sechs Millionen Euro.

Hohe Spendenbereitschaft

»Das jährliche Spendenaufkommen liegt zwischen 40.000 und 50.000 Euro«, zeigt sich Günter Hüttenhölscher dankbar für die zahlreichen Gaben. Die Brummis werden größtenteils von Speditionen und Firmen zur Verfügung gestellt. Manchmal entdecken die Mitarbeiter der Balkanhilfe auch vergessenes Bargeld in geschenkten Taschen. »In einer Handtasche haben wir elf Euro und einen Cent gefunden, auch der Betrag wird gespendet«, berichtet Marianne Joannou, die 2. Vorsitzende, während der Versammlung.

Die meistens ehrenamtlichen Fahrer der Transporte müssen bisweilen viel Zeit und Geduld aufbringen. So konnten sie Ostern 2019 nicht zuhause feiern, weil sie auf der Rückfahrt von den Karpaten (Hüttenhölscher: »Dort soll Dracula gelebt haben!«) eine unfreiwillige Übernachtung in Kauf nehmen mussten und danach noch vier Stunden an der Grenze aufgehalten wurden.

Nur noch Transporte nach Rumänien

Inzwischen beschränkt sich der wohltätige Verein, nach fünf Todesfällen auf 64 Mitglieder geschrumpft, nur noch auf Transporte nach Rumänien. »Länder wie Kosovo oder Kroatien brauchen uns nicht mehr. Und Fahrten in die Ukraine sind mit zu vielen Problemen verbunden«, erläutert Hüttenhölscher, der im August seinen 81. Geburtstag feiert und trotz seines hohen Alters topfit ist. »Er hat nur schlechte Augen. Günter macht alles und kann auch alles, er ist nahezu perfekt«, bewundert Marianne Joannou ihren »Chef«. Der hat sich schon mal nach einem Nachfolger umgeschaut. »Leider interessiert sich niemand dafür. Ich mache weiter, solange es noch geht. Danach wird sich mein Verein wohl auflösen müssen«, befürchtet der fleißige Spenden-Eintreiber.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6810929?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F
Kitas im Kreis Gütersloh nehmen Regelbetrieb wieder auf
Im Kreis Gütersloh dürfen Kitas von Mittwoch, 8. Juli, an wieder öffnen. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker