Do., 10.10.2019

Spannende Autorenlesung: Dr. Klaus Gauger »Meine Schizophrenie« In den Fängen des Wahnsinns

Autorenlesung im VHS-Forum Verl: Dr. Klaus Gauger (links) las aus seinem Buch »Meine Schizophrenie« und gab spannende Einblicke in seinen 20 Jahre währenden Leidensweg. Anette Harnischfeger (Gütersloher Bündnis gegen Depressionen), Frank Dreismickenbecker (Sparkassenfilialleiter) und Dr. Anke Reinisch (VHS-Leiterin für Gesundheit und Ernährung) stellen den Dozenten vor.

Autorenlesung im VHS-Forum Verl: Dr. Klaus Gauger (links) las aus seinem Buch »Meine Schizophrenie« und gab spannende Einblicke in seinen 20 Jahre währenden Leidensweg. Anette Harnischfeger (Gütersloher Bündnis gegen Depressionen), Frank Dreismickenbecker (Sparkassenfilialleiter) und Dr. Anke Reinisch (VHS-Leiterin für Gesundheit und Ernährung) stellen den Dozenten vor. Foto: Uschi Mickley

Von Uschi Mickley

Verl (WB). Die psychische Erkrankung »paranoide Schizophrenie« brach mit immenser Wucht in das Leben von Dr. Klaus Gauger ein. Anlässlich der Gütersloher Woche der seelischen Gesundheit las der promovierte Germanist aus seinem Buch »Meine Schizophrenie«.

Anke Reinisch, VHS-Fachbereichsleiterin für Ernährung und Gesundheit, stellte am Dienstagabend im Verler VHS-Forum der Kreissparkasse Wiedenbrück den Freiburger Dozenten vor. 70 Zuhörern beschreibt er zu Beginn, wie ihn die Krankheit aus seinem bisher gut sortierten Leben warf.

Abenteuerlicher Weg

Der abenteuerliche Weg seines sich stetig steigernden Wahns führte ihn am Ende durch eine Reise um den halben Globus. Es war ein kalter Tag im Jahr 1994, als sich der Irrsinn, der längst in seinem Kopf tobte, nicht mehr aufzuhalten war. Klaus Gauger, damals 28, hatte seine Zimmer verwüstet. Dort vermutete er Mikrofone und Agenten, die ihn überwachen sollten. Er hielt sie für Feinde und griff seine Mutter an.

Es folgte die Einweisung eine psychiatrische Klinik. Das war der Beginn eines Leidensweges, der erst nach einem langen Klinikaufenthalt in Madrid einen Wendepunkt fand. Strukturiert und mit fester Stimme erzählt der Autor, dass er im Laufe von 20 Jahren drei Mal zwangsbehandelt wurde. »Ich war der Welt entrückt und für niemanden zugänglich. Ich sah Totenköpfe und wähnte mich im Zentrum eines Überwachungsnetzes, alle kannten meine Gedanken«, beschreibt der heute 54-Jährige seine akuten Phasen.

Die fehlende Einsicht in die Krankheit und auch Größenwahn seien typische Merkmale der paranoiden Schizophrenie. Klinikeinweisungen und Zwangsmedikation seien für ihn der rettende Anker gewesen. Medikamente hätten die schlimmsten Halluzinationen gemildert, jedoch auch zu einer starken Gewichtszunahme und anderen Nebenwirkungen wie Depressionen geführt.

Ehrlich und humorvoll

Ehrlich und humorvoll geht Klaus Gauger im Anschluss an die Lesung auf die Fragen der Zuhörer ein. Er wirkt entspannt und erleichtert als er erzählt, dass er mittlerweile seit fünf Jahren frei von Krankheitssymptomen ist. Die Einnahme eines niedrig dosierten Neuroleptikums ist für ihn auch heute noch unverzichtbar. Gleichwohl prangert er an, dass die Pharmaindustrie seit Jahren keine neuen Präparate entwickelt.

Er sei zufrieden, habe soziale Kontakte zum Teil wiederherstellen können. In Emmendingen bei Freiburg arbeitet er als Genesungshelfer in einer psychiatrischen Einrichtung. Gefragt nach dem Verhältnis zu seinen Eltern bekräftigt er, dass sie ihm immer zur Seite standen.

»Das Thema soll aufklären und Betroffenen die Möglichkeit geben, ihren Leidensweg zu verkürzen«, sagt Anette Harnischfeger vom Gütersloher Bündnis gegen Depressionen zu Beginn.

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