Sa., 09.11.2019

Neuer Ratssaal stellt zur Einweihung seine Multifunktionalität unter Beweis Feuerprobe bestanden

Architekt Karsten Schlattmeier (rechts) hatte einen Schlüssel mitgebracht, dessen Bart den Grundriss des Rathauses symbolisiert. Es sein noch Platz für einen weiteren Erweiterungsbau, meinte er.

Architekt Karsten Schlattmeier (rechts) hatte einen Schlüssel mitgebracht, dessen Bart den Grundriss des Rathauses symbolisiert. Es sein noch Platz für einen weiteren Erweiterungsbau, meinte er. Foto: Matthias Kleemann

Von Matthias Kleemann

Verl (WB). Eine Firma aus Süddeutschland hat der Stadt in die Suppe gespuckt und beinahe den Fertigstellungstermin des Rathaus-Erweiterungsbaus gefährdet. Die von ihr zu liefernde Feuerschutztür ist noch nicht fertig, und so blieb den Verantwortlichen nichts anderes übrig, als eine provisorische Tür einzusetzen, die sogar, um auch wirklich funktionstüchtig zu sein, mit einer automatischen Schließanlage ausgestattet wurde.

»Acht Wochen Lieferzeit«, stöhnte Bürgermeister Michael Esken, und auch Architekt Karsten Schlattmeier war »not amused«. Vom kleinen Fehler im sonst makellosen Bild eines pünktlich fertig gestellten Bauprojekts ließ man sich jedoch nur kurz ablenken. Esken hatte auffahren lassen, und die Gäste waren in Feierlaune.

Platz für zweiten Erweiterungsbau

Der neue Ratssaal ist nun also eingeweiht. Am Schlüssel, den Karsten Schlattmeier an den Bürgermeister übergab, symbolisiert die Form des Bartes den jetzigen Rathaus-Grundriss und macht deutlich, dass noch Platz für einen zweiten Erweiterungsbau wäre.

Könnte der eines Tages notwendig werden? »Das müssen künftige Generationen entscheiden«, sagte Esken. Er brachte die Notwendigkeit der Verwaltungs-Vergrößerung in einen Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum und stellte die Option in den Raum, was wohl passiert, wenn Verl eines Tages vielleicht 30.000 oder 50.000 Einwohner hat.

»Das will ich mir gar nicht vorstellen«, sagte Altbürgermeister Josef Lakämper. Esken hatte ihn gebeten, anlässlich der Einweihung mal einen Blick zurück zu werfen. War früher alles besser? »Es war anders«, erinnerte sich Lakämper. »Es war eine schöne und spannende Zeit.« In seiner Zeit als Bürgermeister wuchs Verl von 15.000 Einwohnern auf heute 26.000 Einwohner. Lakämper wurde 1970 in den Rat gewählt. »Wir saßen an einem ovalen Tisch in dem kleinen Sitzungssaal.« 33 Ratsmitglieder, darunter nur eine Frau (Margarete Adamek), und die Ausschusssitzungen waren geheim. Ohne Unterlass wurde geraucht. »Wir haben einander kaum sehen können.«

Effektive Lüftung

Das mit dem Rauchen ist heute undenkbar, aber selbst wenn es noch erlaubt wäre, die effektive Lüftung des Gebäudes würde die Belastung schnell minimieren. Deutlich sichtbar sind an der Rückwand des Saals die großen so genannten Weitwurfdüsen.

Die Einweihungsveranstaltung sollte aus Eskens Sicht gleich ein echter Belastungstest werden. Hinsichtlich der Lüftung dürfte der Test geglückt sein, und auch hinsichtlich der Akustik hat sich die Multifunktionalität wohl bewährt. Der Chor »S(w)inging Voices« war auf allen Plätzen ebenso hörbar wie der Pianist Michail Gurevich und die beiden Kabarettisten Henning Ruwe und Martin Valenske von der Distel in Berlin.

Einzig den normalen Sitzungsbetrieb hat der Saal noch nicht erlebt. Aber das lässt nicht lange auf sich warten. Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses treffen sich am kommenden Donnerstag ab 18 Uhr im großen Sitzungssaal.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7051647?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F