Do., 20.02.2020

Verl Von Costa Rica über Hövelhof nach Verl

Sürenheide (ack) - Am Montag steht die Frau auf einmal im Rathaus. Ohne Termin, dafür aber im Besitz eines Grundstücks, das die Stadt Verl gern kaufen will. Es ist die Frau aus Costa Rica, der ein Teil eines Wegs in der Helfgerd-Siedlung gehört. Seit Mittwoch gehört die Fläche der Stadt.

Doch der Reihe nach. Im Zuge der Planung in der Helfgerd-Siedlung stellt die Stadt fest, dass ein Teil eines Wegs, der zu dem Grundstück führt, auf dem mal das dritte, längst abgerissene Hochhaus gestanden hat, einem Mann gehört, der in Verl nicht auffindbar ist. Die Spur führt auf die Kanaren, wo der Mann zusammen mit einer Frau aus Costa Rica gelebt hat. Er ist längst gestorben. Seine Frau erbt nicht viel. Von dem Weg weiß sie nichts.

2018 macht sich die Stadt auf die Suche nach der Frau, um ihr die rund 87 Prozent abzukaufen, die ihr an dem 539 Quadratmeter großen Weg gehören. Der Rest ist im Besitz des Nachbarn. Ihm gehört das Haus neben der Zufahrt. Im Juni 2019 teilt die Stadt Verl mit, dass sie die Frau in dem mittelamerikanischen Land gefunden hat. So weit, so gut. Es kommt zunächst aber nicht zum Abschluss eines Kaufvertrags.

Kontakt bricht zwischendurch ab

Die Verwaltung steht mit der Tochter der Frau in Kontakt. Mehrere E-Mails gehen hin und her. Die Frau kündigt an, nach Deutschland zu kommen, um alles zu regeln: in der zweiten Januar-Hälfte. Anfang des Jahres warten der Beigeordnete Thorsten Herbst und seine Mitarbeiter aber vergeblich auf die Familie. Der Kontakt bricht ab.

Bis Montag. Da steht die Frau auf einmal im Bürgerservice, um zu reden. Zusammen mit ihrer Tochter und einer Enkelin. Die Familie ist nach Frankfurt geflogen und hat sich von dort auf die Reise nach Paderborn gemacht, wo sie ein Hotel bezieht. Vier Tage Deutschland, nur wegen des Wegs. Man hätte den Vertrag auch einfach über die deutsche Botschaft in Costa Rica abwickeln können, erklärt Thorsten Herbst.

Die Familie regelt es aber lieber direkt und nimmt am Montag von Paderborn den Bus nach Hövelhof und fährt von dort mit der Linie 73 weiter in Richtung Verl. Im Rathaus wird eilig eine Mitarbeiterin hinzugezogen, die übersetzen kann. Denn die Frau aus Costa Rica kann nur spanisch. So richtig weit kommt man in dieser Konstellation aber zunächst nicht. Schließlich sind auch Detailfragen in Sachen Grundstückskauf zu klären. Fachwissen ist notwendig.

Gesamtschullehrerin übersetzt

Die Stadt ruft deshalb bei der Gesamtschule an: Dort wird Spanisch unterrichtet. Eine Lehrerin ist so nett und macht sich sofort auf den Weg ins Rathaus. Gemeinsam schauen sich alle Beteiligten ein Luftbild an. Thorsten Herbst erklärt der Frau, worum es geht. Schnell ist man sich einig. „Die Familie war wirklich nett“, sagt der technische Beigeordnete im Gespräch mit dieser Zeitung.

Auch mit der Lehrerin versteht sich die Gruppe aus Costa Rica bestens. Die Pädagogin nimmt die Familie am Montag in ihrem Auto mit nach Paderborn.

Derweil wird ein Vertragsentwurf erarbeitet, für Mittwoch fix ein Termin beim Notar vereinbart. Denn die Familie ist nur kurz im Land. „Angeschaut haben sie sich in Deutschland sonst nichts“, sagt Thorsten Herbst, der zur Höhe des Grundstückspreises keine Angaben macht.

Zumindest in diesem Punkt ist es also ein ganz normales Geschäft. Ansonsten aber wird mit der Vertragsunterzeichnung am Mittwoch ein Vorgang abgeschlossen, den es so in Verl noch nicht gegeben hat.

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