Verler Automatisierungsspezialist erwartet Wachstum trotz Corona-Krise
Beckhoff glaubt an einen Boom

Verl (WB). Ausgerechnet mitten in der Corona-Krise erwartet der Verler Automatisierungsspezialist Beckhoff nach einem schwächeren Jahr 2019 die Rückkehr auf den Wachstumspfad. „Wir sind mit guten Zahlen und einem starken Auftragseingang mit zweistelligen Zuwachsraten ins Jahr gestartet und der Trend hält aktuell immer noch an“, sagt Firmengründer Hans Beckhoff. „Ich bin optimistisch, dass die Corona-Krise nicht so tiefe Spuren in der Wirtschaft hinterlässt, wie es derzeit befürchtet wird.“

Freitag, 17.04.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 09:16 Uhr
Hans Beckhoff strahlt trotz eines schwächeren Vorjahres und der aktuellen Corona-Krise Zuversicht aus. Der Chef des Verler Automationsspezialisten rechnet wieder mit Umsatzzuwächsen Foto: Oliver Schwabe/Archiv
Hans Beckhoff strahlt trotz eines schwächeren Vorjahres und der aktuellen Corona-Krise Zuversicht aus. Der Chef des Verler Automationsspezialisten rechnet wieder mit Umsatzzuwächsen Foto: Oliver Schwabe/Archiv

Beckhoff nennt zwei Gründe für seine Zuversicht: „In Asien scheint sich nach dem Abebben der Pandemie ein Nach-Corona-Boom einzustellen. Und die Mengen an Geld, mit denen die Regierungen weltweit den Markt fluten, könnte auch zumindest im indus­triellen Bereich für eine Boom-Situation sorgen.“ Zudem sieht Beckhoff einen gewissen Nachholbedarf nach einer Investitionszurückhaltung im vergangenen Jahr.

Erstmals seit 2012 musste das sonst mit durchschnittlichen Umsatzsprüngen von 15 Prozent pro Jahr verwöhnte Verler Unternehmen wieder einen Erlösrückgang hinnehmen. Die Umsätze fielen von 916 Millionen Euro im Vorjahr auf noch 903 Millionen. Während das weltweite Geschäft um zehn Prozent gewachsen sei, gab es im deutschsprachigen Raum, der für ein Drittel der Erlöse steht, ein Minus.

Umsatzmilliarde zu erreichen werde „jetzt eng“

Das Erreichen des einst ausgegebenen Zieles, 2020 die Umsatzmilliarde zu erreichen, werde „jetzt eng“, sagt Beckhoff. „Aber ein Wachstum im einstelligen Prozentbereich sollte durchaus möglich sein.“

Auf die Herausforderungen infolge der Pandemie hat sich das Unternehmen frühzeitig eingestellt – „da haben wir von den Erfahrungen unserer Standorte in China profitiert“, sagt Beckhoff. Seine Tochter Frederike gehört dem Krisenteam an, das Maßnahmen wie den getrennten Zweischichtbetrieb oder das Homeoffice für fast 80 Prozent der Büro-Beschäftigten umgesetzt haben. Es sei bislang gelungen, eine interne Infektionsübertragung zwischen den 4350 Mitarbeitern in 38 Ländern zu verhindern – obwohl sich sechs Beschäftigte im privaten Umfeld und ein Mitarbeiter bei einer Dienstreise infiziert hätten. Alle seien genesen oder auf dem Weg der Besserung.

In China, wo Beckhoff fast 20 Prozent des Umsatzes erzielt, seien alle 280 Mitarbeiter an den 28 Standorten wieder im Einsatz. Mit Ausnahme der Corona-Schwerpunktregion Wuhan wären seit einer Woche alle Beschäftigten dort auch wieder im Büro präsent.

Apropos Corona: Beckhoff sei mit Industrie-PCs und Steuerungstechnik weltweit an 15 Projekten im Kampf gegen die Pandemie beteiligt. So liefern die Verler etwa Technik für zunächst 1000 von einer tschechischen Uni entwickelte einfache Beatmungsgeräte. Auch bei Prüf- und Produktionsanlagen des deutschen Medizintechnikherstellers Dräger kommen Beckhoff-Systeme zum Einsatz.

In Forschung und Entwicklung flossen 70 Millionen Euro – vor allem in Projekte für Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0. Für das revolutionäre Transportsystem X-Planar gebe es erste Einsätze in der Praxis, sagt Beckhoff.

Investiert wird auch in die Nachhaltigkeit. Durch den Bezug nur noch von Ökostrom und den Kauf von CO 2 -Zertifikaten, deren Erlös in Klimaschutzprojekte fließt, werde Beckhoff zum klimaneutralen Unternehmen, sagt Junior Johannes Beckhoff.

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