Verl
Nahezu alle Geschäfte dürfen öffnen

Verl (matt) - Noch sind die Geschäfte geschlossen, aber der Verler Einzelhandel bereitet sich auf die Wiedereröffnung am Montag intensiv vor. Nahezu flächendeckend dürfen Ladenlokalemit Wochenbeginn wieder den Betrieb aufnehmen, sogar Einrichtungshäuser. Allerdings unter Auflagen.

Freitag, 17.04.2020, 16:21 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 17:01 Uhr
Verl: Nahezu alle Geschäfte dürfen öffnen

„Zeig Anstand, halt Abstand“ – so steht es an der Eingangstür eines Verler Bekleidungsgeschäfts. Es ist das Gebot der Stunde. Die Abstandsregel ist aber nur eine von zahlreichen Auflagen, die eingehalten werden müssen. Einige haben sich im Alltag – zum Beispiel in den Supermärkten – bereits eingespielt. Pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche darf ein Kunde ins Geschäft. Außerdem gelten die mittlerweile üblichen Hygienevorschriften. Sie sind Voraussetzung, sofern die Verkaufsfläche unter 800 Quadratmeter beträgt. Und das gilt eigentlich für fast alle Geschäfte in Verl – von Beckhoff Technik und Design mal abgesehen.

Einzelhandelsverbände üben teils heftige Kritik an der Regelung von Bund und Ländern. Jens Niederschulte von der Verler Werbegemeinschaft ist dagegen froh über die Lockerungen: „Für den Erhalt der Einzelhandelsstruktur vor Ort ist es wichtig, dass es wieder losgehen kann und wir alle damit wieder ein Stück weit Normalität im Alltag zurückgewinnen.“ Mit einem Run auf die Geschäfte rechnet der Vorsitzende zwar nicht, Warteschlangen könnten aber in Zukunft zum Stadtbild dazugehören. Die Kunden seien vorsichtig und diszipliniert, so seine Beobachtung, und würden von sich aus Distanz halten.

Für einige Einzelhändler kommt die Wiedereröffnung ihrer Ladenlokale ziemlich plötzlich. „Ich hätte mir schon etwas mehr Vorlauf gewünscht, weil wir jetzt zwei Ebenen gleichzeitig bespielen müssen. Das muss organisiert sein“, so Buchhändlerin Marion Bökenhans, die außer dem Betrieb des Ladenlokals ihren Lieferservice während der Kontaktsperre aufrechterhält.

Stadt bietet weiter Lieferservice an

Das gilt auch für die Stadt Verl. „Solange das Kontaktverbot gilt, wird auch der städtische Lieferservice mindestens bis Ende des Monats weitergeführt“, machte Bürgermeister Michael Esken (CDU) im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. Ein Service, der besonders ältere Bewohner vor dem Corona-Virus schützen soll. Auch wenn der Einzelhandel wieder seine Türen öffnet, mahnt das Stadtoberhaupt Erledigungen weiterhin auf das Notwendigste zu beschränken. Fast alle Einzelhändler bereiten sich über das Wochenende auf den Start vor.

Kurzfristig gilt das auch für Einrichtungshäuser. „Wir sind froh, wieder unser Haus für Kunden öffnen zu dürfen, aber wir haben uns auch auf diesen Tag X bereits vorbereitet“, sagt Udo Schnathmann. In der Möbelzentrale Beckhoff wurde in der Zeit der Zwangsschließung die Ausstellung umgestaltet. Mehr Platz für Wege, etwas weniger für die Möbel. Außerdem hält das Einrichtungshaus Schutzmasken und kleine Flaschen mit Desinfektionsmittel zum Mitnehmen bereit.

Ausleihen ab Donnerstag möglich

Nach fünfwöchiger Schließung bereitet sich die Bibliothek darauf vor, wieder zu starten: Ab Donnerstag, 23. April, wird die Einrichtung wieder geöffnet sein – allerdings mit geänderten Zeiten und auf die reine Ausleihe und Rückgabe von Medien beschränkt. Vorab können bereits am Montag und Dienstag, 20. und 21. April, jeweils von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr entliehene Medien zurückgegeben und verlängert werden. „Auch hierbei gelten natürlich besondere Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln: So dürfen lediglich vier Personen gleichzeitig die Bibliothek betreten“, heißt es in einer Mitteilung.

„In den letzten Tagen vor der Schließung waren die Entleihzahlen ausgesprochen hoch. Daher bitten wir alle Kunden, diese beiden Tage möglichst für die Rückgabe zu nutzen, damit wir die Regale zum Neustart wieder füllen können und sich der Besucheransturm in den ersten Öffnungstagen besser verteilt“, sagt Claudia Thye vom Leitungsteam.

Ab Donnerstag ist dann außer der Rückgabe auch wieder die Ausleihe von Medien möglich, und zwar montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. Zu den notwendigen Einschränkungen gehört auch, dass sich alle Kunden mit ihrem Bibliotheksausweis namentlich registrieren lassen müssen. Wer über keinen Bibliotheksausweis verfügt, muss an der Infothek seinen Personalausweis vorlegen, um sich anzumelden. Um die Mindestabstände einhalten zu können, wird nur eine begrenzte Anzahl von Kunden gleichzeitig eingelassen. Erlaubt ist nur ein kurzfristiger Aufenthalt für die Ausleihe und Rückgabe von Medien. Daher sind sowohl das Lesecafé als auch der Flohmarkt geschlossen. Und auch die Internet-PCs und Arbeitsplätze können nicht genutzt werden.

Kartenverkauf für das Freibad ausgesetzt

Geschlossen bleiben bis zum 4. Mai unverändert Sportstätten und damit auch das Verler Freibad. Den Verkauf der Dauerkarten und die Verlängerung hat die Stadt zunächst ausgesetzt.

Bürgerservice bietet Terminvereinbarung an

Ab Montag werden im Bürgerservice für den Zeitraum montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr sowie samstags von 9.30 bis 12 Uhr Termine vergeben. Für die Terminvereinbarung sollten die Telefonnummern 05246/9610 und 05246/961196 genutzt werden. Mit Termin stehen nahezu alle Dienstleistungen des Bürgerservices zur Verfügung: Autoabmeldungen sind derzeit ausschließlich für Bürger mit Wohnsitz in Verl möglich. Da das Team des Bürgerservices nach wie vor im Zwei-Schicht-System arbeitet, sind jeweils weniger Mitarbeiter im Einsatz. „Es kann zu längeren Wartezeiten auf einen Termin kommen“, schreibt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. In den übrigen Fachbereichen der Verwaltung sind ebenfalls Termine nach Absprache mit dem jeweiligen Ansprechpartner möglich. Für den allgemeinen Publikumsverkehr bleibt das Rathaus nach wie vor geschlossen.

Sonderzeiten für die Annahme von Wertstoffen

Für den Wertstoffhof gelten zunächst bis zum 2. Mai zusätzliche Öffnungszeiten, um den erwarteten Kundenansturm nach vierwöchiger Schließung besser bewältigen zu können. Samstags ist die Annahmestelle wie gewohnt von 8 bis 13 Uhr mit allen Abgabemöglichkeiten geöffnet, montags bis freitags von 14 bis 19 Uhr, dann allerdings ohne Sondermüllannahme (Binderfarben, Medikamente, Batterien, Spraydosen) und Altpapierabgabe. Die Verwaltung hofft, dass sich der Kundenverkehr am Wertstoffhof durch die zusätzlichen Öffnungszeiten besser verteilten. Denn die Abgabe kann nur unter bestimmten Bedingungen erfolgen, die längere Wartezeiten mit sich bringen werden. So werden immer nur drei Fahrzeuge gleichzeitig auf das Gelände gelassen. Zudem kann die Abgabe ausschließlich mit dem Pkw erfolgen, zu Fuß darf das Gelände nicht betreten werden, schreibt die Stadt.

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