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Baufirmen: von vorsichtig bis optimistisch

Verl (matt) - Die Deutsche Bundesbank sieht Deutschland vor einer schweren Rezession. Das Bauhandwerk gilt als Konjunktur-Indikator für die gesamtwirtschaftliche Lage. Diese Zeitung hat bei einigen Unternehmen nachgefragt, wie sie die Situation momentan einordnen. Die Grundstimmung: vorsichtig optimistisch bis durchaus positiv.

Montag, 27.04.2020, 20:58 Uhr
Verl: Baufirmen: von vorsichtig bis optimistisch

„Wir sind bis in die zweite Jahreshälfte ausgelastet. Und von auftraggebenden Unternehmen habe ich bislang auch keine anderweitigen Signale bekommen“, sagt Michael Hauphoff. Für sein Bauunternehmen ist die wirtschaftliche Lage noch die gleiche, wie sie sich vor der Covid-19-Pandemie darstellte.

„Selbstverständlich haben wir Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, aber die Arbeit ging unvermindert weiter.“ Und zwar das ganze Jahr hindurch. Die Bauwirtschaft hat von dem milden Winter profitiert. „Normalerweise haben wir zwischen Dezember und März immer mindestens einen schlechten Monat dabei“, so Hauphoff. Diese Ausfallzeiten kalkuliert er ohnehin ein. Kurzarbeiter- oder Schlechtwettergeld sind für Handwerker in der Baubranche normal.

Vorsichtiger beurteilt Brigitte Großekathöfer die Lage: „Die Auftragsvergabe erfolgt schon seit Jahren immer kurzfristiger. Aber unser Bauchgefühl sagt uns, dass es insgesamt weniger werden könnte.“ Bis in den Mai hinein habe das Unternehmen mit 19 Mitarbeitern gut zu tun. Dann werde man weitersehen.

Aber wirklich nervös mache Brigitte Großekathöfer die Prognosen nicht. „Die Finanzkrise, die immer als Vergleich herangezogen wird, haben wir damals gar nicht zu spüren bekommen“, hofft die Prokuristin jetzt, ähnlich gut durch eine Rezession zu kommen wie vor mehr als zehn Jahren. An Baumaterialien habe es bislang keinen Mangel gegeben. „Das hatten wir zunächst befürchtet“, sagt Brigitte Großekathöfer.

Dass es Lücken in der Lieferkette bei Motorenherstellern von Baumaschinen gibt, die Burkhard Kuhn verkauft, hat der Unternehmer bereits registriert. Auf das Tagesgeschäft hat das aber bislang keinen Einfluss. „Das Handwerk brummt nach wie vor“, so seine Beobachtung. Baumaschinen bis 100 000 Euro werden bestellt. „Allerdings merkt man, dass Firmen bei Anschaffungen über dieser Grenze zurückhaltender werden“, sagt Burkhard Kuhn. Das sei selbstverständlich ein Anzeichen von Vorsicht. „Andererseits sind das Investitionen, die nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sind“, ist er sich sicher, Umsätze im oberen Preissegment über die Zeit aufholen zu können.

Dafür boomt das Mietgeschäft. Voraussetzung dafür, dass die Auftragslage gut bleibe, sei, dass die öffentliche Hand im Zuge wegbrechender Gewerbesteuern geplante Projekte nicht zurückstelle. „Das wäre fatal, weil dann die Konjunktur tatsächlich abgewürgt werden würde“, so Kuhn, der zwar wie Hauphoff und Großekathöfer von einer Corona-Delle ausgeht, aber nicht von einem massiven wirtschaftlichen Einbruch.

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