Verl
Auf Achse für Menschen in Schieflage

Verl (matt) - Christian Mutz liebt seinen Beruf. Der 45-Jährige ist gerichtlich bestellter Betreuer. Ein Beruf mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, viel Bürokratie, Papierkram und Klienten, die ihn ab und an zwingen, schon mal mitten in der Nacht aufzustehen. Mutz wollte es so.

Sonntag, 14.06.2020, 15:24 Uhr aktualisiert: 14.06.2020, 16:01 Uhr
Verl: Auf Achse für Menschen in Schieflage

Er habe den Schritt vom Verwaltungsbeamten beim Kreis Gütersloh im Mittleren Dienst zum Sozialpädagogen nie bereut, betont Mutz. „Ich konnte mir einfach nicht mehr vorstellen, an meinen alten Arbeitsplatz zurückzukehren.“ Christian Mutz lässt seine Entscheidung von 1996, in Bielefeld Sozialpädagogik zu studieren, noch einmal Revue passieren. „Mir hat die Arbeit mit geistig behinderten Menschen während meines Zivildienstes so viel mehr Spaß gemacht als die Tätigkeit in der Verwaltung, dass ich den Wechsel vollzogen habe“, erinnert sich der 45-Jährige. Er unterhält seit mehr als fünf Jahren ein eigenes Betreuung-Büro in Verl und kümmert sich um eine Anzahl von Menschen im oberen zweistelligen Bereich. Sein Aktionsradius reicht von Hamm bis Porta Westfalica, in den Paderborner Raum und ins Münsterland.

Seine Verwaltungserfahrung kommt Christian Mutz jetzt zugute. „Ohne dieses Fachwissen könnte ich den Beruf gar nicht ausüben“, ist sich Mutz sicher. Denn der Verler muss sich mit seinen Klienten mehr am Schreibtisch als im direkten Kontakt beschäftigen. „Der bürokratische Aufwand ist extrem und er wird mit jeder Reform oder Gesetzesnovelle immer schlimmer“, findet Mutz. Pro Quartal bekommt er die ihm von Amtsgerichten zugewiesenen Klienten dennoch mindestens einmal persönlich zu Gesicht. „Das ist nicht nur vorgeschrieben, sondern mir auch persönlich wichtig. Ich möchte mir schon selbst ein Bild machen, wie es meinen Klienten geht und in welcher Verfassung sie sind“, sagt der 45-Jährige.

11 000 Kilometer im Jahr legt der Verler in Ostwestfalen zurück. Im Umgang mit seinen Klienten ist der Sozialpädagoge auf unterschiedliche Weise gefordert. „Diese Menschen haben Probleme, im Alltag zu bestehen, sonst bräuchten sie mich nicht“, macht der Verler deutlich. Defizite oder Erkrankungen reichen von der Alkohol- oder Drogensucht über die gesamte Bandbreite psychischer bis hin zu Demenzerkrankungen.

Spannender Problemmix

Die Amtsgerichte legen nicht nur fest, wer zum Betreuer bestellt wird, sondern auch, in welchem Umfang die Unterstützer tätig sein sollen. Christian Mutz ist mit der gesamten Bandbreite der Probleme menschlicher Existenz konfrontiert und gefordert. „Das macht es andererseits ja auch so spannend“, findet der Sozialpädagoge. Der Verler regelt alles von seinem Büro an der Paderborner Straße aus. Er kümmert sich um Finanzfragen, nimmt mit den Sozialämtern Kontakt auf, prüft Ansprüche und leuchtet das soziale Umfeld aus. „Es gibt Menschen, die nicht nur sprichwörtlich, sondern real auf ihrem Geld sitzen. Und dann hat man das andere Extrem, wo junge Menschen schon so hoffnungslos überschuldet sind, dass es fast unmöglich ist, eine Perspektive für sie zu entwickeln. Gleichzeitig sind immer Krankheiten und Störungen vorhanden.“

 Christian Mutz hat es in der Regel mit labilen Persönlichkeiten zu tun. Einfühlungsvermögen und Sachverstand zusammenzubringen, kostet nicht nur Zeit, sondern auch Energie bei durchschnittlich zehn bis zwölf Arbeitsstunden am Tag.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7449647?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F
Corona-Ausgangsbeschränkungen erst ab 22 Uhr
In einem früheren Entwurf waren nächtliche Ausgangsbeschränkungen ab 21 Uhr vorgesehen. Vor allem dieser Punkt hatte in der Opposition für massive Kritik gesorgt.
Nachrichten-Ticker