Wegen Infektionswelle: Areal in Sürenheide unter Quarantäne – Reihentestungen in Rheda-Wiedenbrück
Verl riegelt Wohngebiet ab

Rheda-Wiedenbrück/Verl (WB/igs/dpa). Die Stadt Verl reagiert auf die Infektionswelle bei der Firma Tönnies und riegelt ein Wohngebiet ab. In Rheda-Wiedenbrück suchen die ersten „Mobilen Teams“ Tönnies-Mitarbeiter in ihren Wohnungen auf.

Samstag, 20.06.2020, 17:48 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 19:26 Uhr
In Rheda-Wiedenbrück sind „Mobile Teams“ zu Reihentestungen unterwegs. Foto: Christian Müller
In Rheda-Wiedenbrück sind „Mobile Teams“ zu Reihentestungen unterwegs. Foto: Christian Müller

„Aufgrund der sich immer mehr zuspitzenden Lage“ hat sich die Stadt laut Bürgermeister Michael Esken dazu entschieden, Bereiche in Verl-Sürenheide, in denen viele erkrankte Tönnies-Mitarbeiter leben, unter Quarantäne gestellt. Betroffen sind der Zollhausweg, die Grillenstraße und Libellenstraße. In den betroffenen Häusern leben in drei Straßenzügen insgesamt knapp 670 Menschen.

„Die entsprechende Einrichtung unter Beteiligung von Bauhof, Feuerwehr und Polizei läuft derzeit an“, teilte Bürgermeister Michael Esken am Samstagnachmittag per Facebook mit. „Wir werden auch sicherstellen, dass die Menschen vor Ort versorgt sind.“

Nicht nur Mitarbeiter betroffen

Betroffen von der Abriegelung sind nicht nur die Mitarbeiter von Tönnies und ihre Familien, sondern alle Menschen in dem abgesperrten Gebiet – auch wenn sie mit der Firma Tönnies nichts zu tun haben.

Allein in drei großen Wohnblöcken am Zollhausweg leben 363 Menschen, unter ihnen 250 Tönnies-Mitarbeiter. Während der Quarantäne-Zeit dürfen die betroffenen Anwohner das Gebiet nur mit einer Ausnahmegenehmigung verlassen.

Bauzäune aufgestellt

„Uns ist bewusst, dass wir mit der generellen Quarantäne tief in das Leben der dort lebenden Menschen eingreifen, auch wenn sie ganz woanders arbeiten und außer der Nachbarschaft keine Berührungspunkte mit der Firma Tönnies haben“, erklärte Bürgermeister Michael Esken. „Aber wir müssen alles tun, um die weitere Verbreitung des Virus so weit wie möglich zu reduzieren. Dazu ist die strikte Einhaltung der Quarantäne unerlässlich.“ Nach Angaben der Polizei Bielefeld wurde der Bereich zunächst durch Einsatzkräfte abgeriegelt. Gleichzeitig hätten Mitarbeiter der Stadt damit begonnen, Bauzäune aufzustellen.

Nach Angaben der Stadt wurden allein am Zollhausweg, einem der drei Straßenzüge, 78 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet. Am Sonntag will das Kreisgesundheitsamt bei allen Bewohnern der Zone, bei denen noch kein Test durchgeführt wurde, einen Rachenabstrich nehmen.

Lunchpakete vom DRK

Das Deutsche Rote Kreuz stellt für die ersten beiden Tage Lunchpakete und Getränke zur Verfügung. „Für Familien mit kleinen Kindern werden, falls erforderlich, auch Hygieneartikel wie zum Beispiel Windeln bereitgestellt.“ Für die weiteren Tage wird ein Versorgungszentrum mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln für den täglichen Bedarf innerhalb des Quarantänebereichs eingerichtet. Auch für die Tönnies-Mitarbeiter werde eine Verpflegung bereitgehalten. „Das ist zwar Aufgabe der Firma Tönnies, die das auch zugesagt hat. Aber falls das nicht reibungslos laufen sollte, können wir einspringen.“

Der Zollhausweg wurde komplett abgesperrt, damit sich die Menschen innerhalb des Quarantänebereichs auch draußen bewegen können. Um die Familien mit Kindern werde sich das Jugendamt kümmern. In den betreffenden Häusern leben nach Angaben der Stadt 60 Kinder und Jugendliche, 20 von ihnen sind jünger als drei Jahre.

Einhaltung wird kontrolliert

Auch die weiteren Unterkünfte von Tönnies-Mitarbeitern im Stadtgebiet sollen in unregelmäßigen Abständen kontrolliert werden, um die Einhaltung der Quarantäneanordnungen zu überprüfen. Bei Verstößen könne ein Bereitschaftsdienst unverzüglich ordnungsrechtliche Bescheide veranlassen.

Die Fortsetzung der Reihentestungen, die am Sonntag in Verl starten, haben an diesem Samstag bereits in Rheda-Wiedenbrück und Herzebrock-Clarholz begonnen. Dort leben viele der 7000 unter Quarantäne stehenden Tönnies-Mitarbeiter. Die „Mobilen Teams“ suchen nach Auskunft des Kreises die Betroffenen auf, nehmen Testungen vor und klären über die Quarantäneregeln auf. Dolmetscher unterstützen dabei.

 

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