Verl
System für digitales Lernen gefordert

Verl (matt) - Die Covid-19-Pandemie hat es an den Tag gebracht: Auch Verls an sich sehr gut ausgestattete Schulen hinken beim Thema digitales Lernen hinterher - und zwar deutlich. Als zu groß und uneinheitlich offenbarte sich das Distanzlernen über digitale Wege. Deswegen soll ein Lernmanagementsystem in Verl eingeführt werden.

Freitag, 17.07.2020, 15:24 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 16:01 Uhr
Verl: System für digitales Lernen gefordert

Die Diskrepanz war groß: Manche Lehrer unterrichteten ihre Klassen während der Schulschließung per Videochats online munter weiter, andere schnürten Lernpakete in Papierformat. Auch auf Seite der Schüler war die digitale Schulwelt nicht immer rosa. „Es gibt in Verl viele technisch hervorragend ausgestattete Familien. Aber es gibt auch Familien, da ist das Gegenteil der Fall“, berichtete Gesamtschulleiterin Tanja Heinemann von ihren Erfahrungen.

36 Prozent ohne uneingeschränkten Zugriff

Tatsächlich verfügten 36 Prozent aller Schüler in Deutschland nicht über einen uneingeschränkten Zugang zu Computern und Internet. „Das fängst schon in Familien an, wo sich Geschwister einen Rechner teilen müssen oder erst gar keiner vorhanden ist, sondern nur Smartphones“, so Heinemann.

Der Antrag der Sozialdemokraten passt in dieses Bild. Die SPD fordert, für alle Schüler in Verl Tablets anzuschaffen. „Unabhängig von sozialer Herkunft und finanziellen Möglichkeiten“, so die Antragsteller. Für Gabriele Nitsch (CDU), Vorsitzende des Schulausschusses, greift das zu kurz. „Wir müssen Schule neu denken“, fordert sie. „Und zwar nicht nur bezogen auf das digitale Lernen, sondern auch auf inhaltliche und personelle Strukturen an Schulen.“

„Digitaler Hausmeister“ notwendig

Die Grünen denken in Sachen Personal in ihrem Antrag an einen Digitalisierungsmanager, den die Sozialdemokraten in einem Vier-Punkte-Programm „Digitalen Hausmeister“ nennen. Der könnte in der Tat Sinn ergeben, dafür muss aber zunächst eine entsprechende Infrastruktur stehen. Teilweise ist sie schon vorhanden. So richtig Fahrt aufgenommen hat das Thema digitales Lernen jedoch erst mit den Schulschließungen infolge des Corona-Virus – und im gleichen Maß das Chaos an den heimischen Computern.

Eltern mutierten zu IT-Experten oder kapitulierten. Lehrer waren teils überfordert oder tauchten ab. E-Mails, Chats – mal über Teams, dann wieder per E-Mail: Ein roter Kommunikationsfaden war an keiner Schule erkennbar. Der soll aber nach Wünschen der Verler Ratsfraktionen gewebt werden. Unisono wird ein einheitliches Lernmanagementsystem für alle Verler Schulen gefordert.

Ein Kenn- beziehungsweise Passwort für alle Schuljahre

Die Gesamtschule hat sich diesem Thema bereits vor dem Ausbruch der Corona-Krise gewidmet und testet mit Logineo im Pilotverfahren. Der Vorteil dieses Systems: Schulen könnten mit ihren bestehenden Programmen und Schnittstellen weiterarbeiten, ohne alle Daten neu einpflegen zu müssen. Außerdem garantiert es Datensicherheit. Ein netter Nebeneffekt ist, dass sich Schüler, Eltern und Lehrer mit nur noch einem Kenn- und Passwort über die gesamte Schullaufbahn des Kindes hinweg darauf einloggen können. Single-Sign-On-System, heißt dieses Prinzip.

Ein weiteres Tool, das geprüft werden soll, heißt „It’s Learning“ – ein erprobtes international erfolgreiches Lernmanagement, das aus Norwegen stammt. Ein tolles Programm, findet Gabriele Nitsch. „Sagen müssen aber die Schulen, was sie wollen“, betont die CDU-Fraktionsvorsitzende. Ideen, Konzepte, das Einbetten digitalen Lernens in bestehende Curricula sollen aus den Schulen heraus entwickelt werden. „Wir wollen Schulen nicht zwangsverpflichten.“

Tempo statt Dornröschenschlaf

Aber aufs Tempo drücken alle Parteien, damit das Thema digitales Lernen nicht wieder im Dornröschenschlaf versinkt. Deswegen kann sich Nitsch auch nicht vorstellen, dass die Verler Schulen wieder in teil-analoge Methoden zurückfallen werden. Stünden Konzepte, werde auch in Hardware investiert, so Nitsch. „Auch da müssen die Schulen uns sagen, was sie brauchen und welchen Bedarf sie haben.“

Kommentare

Winter, Christian  schrieb: 21.07.2020 22:41
Wenn ich dass lesen, platzt mir der Kragen...
Die hier zu lesende Aussage von Fr. Heinemann verwundert mich sehr!!!
Vielen Eltern wünschen sich sehnlichst den “digitalen Fortschritt “ und das schon weit vor Corona , was zuletzt Anfang des letzten Schuljahres auf den Konferenzen bzw. Sitzungen auch eindeutig kommuniziert wurde.
Als Antwort hört man dann, welch große Probleme die Erstellung des notwendigen Medienkonzeptes bereitet, das es angeblich auch Schwierigkeiten mit der Stadt bzgl. der technischen Grundlagen (Stichwort letzte Meile, Accesspoints, etc.) gäbe und natürlich das große Thema Datenschutz (das “Totschlag”Argument Nr. 1 der Schulleitung).

Natürlich wird dann davon gesprochen, dass man mit Hochdruck am “Fortschritt” arbeitet und was kommt danach???
Bis heute hat es in der Gesamtschule keine Bedarfsabfrage(wer hat was oder eben nicht)in der Elternschaft gegeben. Wenn man doch mit Hochdruck an einem Medienkonzept arbeitet, dann sollte so etwas doch mal gemacht werden, oder???
In der gesamten Coronazeit hat man es lediglich geschafft ein Durcheinander an Aufgaben auf der Homepage zum Download bereit zu stellen.
Keine Videobotschaften , geschweige den Videokonferenzen, nix was irgendwie darauf hindeutet das man wirklich auf dem Weg zum digitalen Fortschritt ist.
Mein Eindruck in dieser Sache ist, anstatt als wirklicher “Innovator” zu handeln, benimmt sich die Schulleitung wie ein Hüter alter überholter Lehrmethoden, der darauf hofft, dass man nach den Ferien so weiter machen kann wie bisher.
1 Kommentare
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