Neun Corona-Fälle bei 1100 Tests entdeckt – Unternehmen: Konzept greift
Nobilia testet Urlaubsrückkehrer

Verl/Gütersloh (WB). Das Corona-Hygiene- und Gesundheitskonzept bei Deutschlands größtem Küchenhersteller Nobilia mit Sitz in Verl funktioniert aus Sicht des Unternehmens gut: Bei Kontrollen der Urlaubsrückkehrer auf das Coronavirus nach den Betriebsferien im Werk 2 in Kaunitz sind von 1100 Mitarbeitern neun positiv getestet worden. Sie kamen umgehend in Quarantäne.

Donnerstag, 23.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 23.07.2020, 11:58 Uhr
Nobilia-Vorstandssprecher Lars Bopf. Foto: Oliver Schwabe
Nobilia-Vorstandssprecher Lars Bopf. Foto: Oliver Schwabe

„Wir sind froh, dass wir das so gradlinig hinbekommen haben“, sagte Vorstandssprecher Lars Bopf am Mittwoch und sprach von einem Erfolg. Nobilia hat die Coronatests in Containern mit Ärzteteams und einem eigens beauftragten Labor auf dem Firmengelände auf eigene Kosten durchgeführt – von Freitag bis Sonntag. Das Ergebnis habe innerhalb von 24 Stunden vorgelegen.

„Das ist teuer, aber wir wollen unsere Mitarbeiter, deren Familien und die Einwohner ja auch schützen“, betonte Bopf weiter. Zur Höhe der Kosten wollte er keine Angaben machen.

Keine Werkvertragsmitarbeiter

Wo sich die neun Infizierten – allesamt den Angaben zufolge Urlaubsrückkehrer – genau angesteckt haben, konnte Bopf nicht sagen. Es gebe aber „keine Systematik“, betonte der Manager. Das heißt: Sie haben sich das Virus offenbar in unterschiedlichen Regionen eingefangen. Zum Zeitpunkt des Tests hätten die Mitarbeiter aber keine Symptome gezeigt. Bopf: „Wir hoffen nun, dass sie bald wieder gesund werden.“

Bei Nobilia habe man sich bereits vor einigen Wochen überlegt, wie man mit Urlaubsrückkehrern umgehen sollte. Es sei ein Hygiene- und Gesundheitsschutzkonzept erarbeitet worden. Dieses sei „an die jeweiligen Umstände angepasst worden“, sagte Bopf. „Für uns galt: Alle Mitarbeiter müssen erst getestet werden und ein negatives Ergebnis vorweisen, bevor sie das Werk betreten dürfen.“ Und er fügte an: „Nur so haben wir eine Chance, das Virus zu besiegen.“ Werkvertragsmitarbeiter wie im Fleischkonzern Tönnies im benachbarten Rheda-Wiedenbrück gebe es bei Nobilia nicht, betonte Bopf. Alle Beschäftigten seien direkt bei Nobilia angestellt.

Die nächste große Testreihe folgt bei Nobilia, wenn die dreiwöchigen Betriebsferien in Werk 1 in Verl-Sürenheide beendet sind. Auch dort arbeiten gut 1000 Mitarbeiter.

Nobilia-Konzept für möglichst viele Unternehmen

Der Kreis Gütersloh lobte am Mittwoch das Nobilia-Konzept. Es sei klug und durchdacht, sagte Sprecherin Beate Behlert dieser Zeitung. Bei Nobilia sei frühzeitig gehandelt worden. „Zeit ist wichtig“, betonte Behlert. Die neun Infizierten würden nun vom Gesundheitsamt des Kreises betreut, also regelmäßig angerufen. Zum Ablauf der Quarantäne nach 14 Tagen gebe es ein sogenanntes Entlassmanagement. Das heißt: Die Betroffenen würden erneut auf das Coronavirus getestet, bevor sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren dürfen.

Sowohl beim Kreis als auch bei angeschlossenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Pro Wirtschaft wünscht man sich das Nobilia-Konzept im Grundsatz als Blaupause für möglichst viele Unternehmen. „Wir haben den Eindruck, dass viele Firmen sensibilisiert sind“, sagte Matthias Vinnemeier von Pro Wirtschaft. Aber natürlich sei eine so umfangreiche Testung wie bei Nobilia auch eine Frage des Geldes. Matthias Vinnemeier verweist zudem auf eine Servicehotline von Pro Wirtschaft für Unternehmen.

Derweil arbeitet der Kreis Gütersloh an einer Handreichung für Unternehmen zum Thema Reiserückkehrer und Kontakthilfen. Die Sommerferien enden in NRW am 11. August.

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