Verl
Kriminologe fordert: Liebe statt Hiebe

Verl (matt). Christian Pfeiffer ist wohl Deutschlands prominentester Kriminologe. Er sorgt auch mal mit gewagten Thesen für Aufsehen. Jetzt hat er im Pädagogischen Zentrum vor knapp 90 Besuchern die Veranstaltungsreihe VHS-Forum eröffnet. Eine seiner Kernthesen lautete: Liebe statt Hiebe.

Mittwoch, 16.09.2020, 16:57 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 17:16 Uhr
Verl: Kriminologe fordert: Liebe statt Hiebe

„Eine Tracht Prügel hat noch niemandem geschadet.“ Diese noch immer weitläufige Ansicht ist für Christian Pfeiffer nicht nur völliger Blödsinn, sondern fördert – empirisch gesehen – sogar die Gewaltbereitschaft von Kindern. 

In einem wahren Feuerwerk aus Zahlen, Prozentwerten aus Studien, die Pfeiffer oft selber betrieben hat, belegt er stichhaltig, dass Kinder, die wenig Liebe erfahren haben, später selber gewalttätig werden. Pfeiffer schafft es sogar über seine Zentral-These gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge transparent zu machen und leitet klare Forderungen an die Politik ab. 

Zum Beispiel fordert er, dass in Moscheen wie in Österreich nur noch auf Deutsch gepredigt werden darf und sich die Gemeinden nur selbst finanzieren dürfen. Die Frage, was das mit Gewalt zu tun hat, ist berechtigt. Seine Antwort lautet so: „Die Gewaltbereitschaft und das Machogehabe türkischer Jugendlicher lag vor drei Jahrzehnten noch bei rund 41 Prozent. Zuletzt nur noch bei zehn Prozent, weil sich das Gesellschaftsbild junger Türken in Deutschland verändert hat und sie gebildeter sind.“ 

Seitdem Recep Tayyip Erdogan in der Türkei an der Macht ist, verschwinden liberale Imame aus den deutschen Moscheen. Sie wurden laut Pfeiffer gegen Imame ausgetauscht, die Mitglieder in der Erdogan-Partei sein müssen, um in Deutschland überhaupt tätig sein zu dürfen. „Damit findet eine permanente Islamisierung in deutschen Moscheen statt“, so der ehemalige Justizminister Niedersachsens am Dienstagabend im Pädagogischen Zentrum. 

Er brachte aber auch beruhigende Zahlen und Nachrichten mit nach Verl. Nämlich, dass die Kriminalitätsrate in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken sei. So sei – zum Beispiel mit Blick auf das Familiendrama von Solingen – der Eindruck falsch, dass immer mehr Gewalttaten an Kindern verübt würden. 1990 gab es 172, 2019 „nur“ 46 Tote. Besonders drastisch fiel die Opferzahl im Alter von 6 bis 14 Jahren: von 70 auf 10. 

Auch die Zahl von Sexualmorden insgesamt sank in Deutschland von 55 Mitte der 80er-Jahre auf 3 (2019). Auslöser für den Wandel ist laut Pfeiffer eine Rede, die die Trägerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1978 hielt. Sie stand unter dem Titel „Niemals Gewalt gegen Kinder“ und sorgte für Kontroversen und einen Sinneswandel, so Pfeiffer. „Es war Astrid Lindgren. Eine Rede, die das Land veränderte.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7587602?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F
Richter verbieten Sonntagsöffnung
“Sorry we’re closed” (Leider Geschlossen): Das gilt voraussichtlich an allen schon geplanten oder noch ungeplanten verkaufsoffenen Sonntagen in NRW. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker