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Von Gletschern, Wäldern und Dämonen

Kaunitz/Bielefeld/Berlin (rast) - Film und Theater - was haben die beiden Darstellungsformen miteinander zu tun? Eigentlich nichts und irgendwie doch ganz viel. „An den großen Bühnen ist das Video bei Theaterproduktionen nicht mehr wegzudenken“, sagt der Kaunitzer Sascha Vredenburg. 

Samstag, 17.10.2020, 14:30 Uhr aktualisiert: 17.10.2020, 15:01 Uhr
Verl: Von Gletschern, Wäldern und Dämonen

„Durch den Einsatz von Videos soll Atmosphäre auf der Bühne geschaffen werden“, erklärt der 33-Jährige. Das gelte besonders für reduzierte Produktionen. Die Filmbilder ergänzen das Bühnenbild, werden aber auch zu einem Teil des Geschehens. Freiflächen werden für Projektionen genutzt. Es gebe aber auch Stücke, da sei das Bühnengeschehen verdeckt, werde abgefilmt und für die Zuschauer verzerrt wiedergegeben. „Das ist nichts für mich. Wenn ich ins Theater gehe, möchte ich die Schauspieler sehen“, sagt Sascha Vredenburg. 

Ein düsteres Erwachsenenmärchen

Am Theater Bielefeld hat Vredenburg drei Produktionen mit dem Schauspieldirektor Christian Schlüter auf die Bühne gebracht. Das aktuellste Stück ist Black Rider. Auch mit Intendant Michael Heicks hat er zusammengearbeitet. Das war bei dem Musical Lazarus, dem Theaterstück Demian und bei der musikalische Weltraumexplosion Kaleidoscope. Die vierte gemeinsame Arbeit mit Heicks ist Black Rider. 

Am 12. September hat die Premiere stattgefunden. „Die Geschichte basiert auf dem Freischütz“, umreißt Sascha Vredenburg das Geschehen in Black Rider. Ein dunkles und düsteres Erwachsenenmärchen – die Lust am Schaurig-Schönen. Passend dazu die englischen Songs von Tom Waits. Gletscher, Wälder, Vogelschwarm oder die Dämonen des Lebens. Sascha Vredenburg setzt es mit seinen Videobildern in Szene oder setzt sie als Ergänzung des Geschehens ein. Zum Beispiel, wenn Schauspieler Jan Hille mit dem Gewehr auf die Jagd nach den virtuellen Vögeln geht. 

Und die verschiedenen Szenen werden bei entsprechenden Anbietern gekauft und dann passend zusammengeschnitten? Der Kaunitzer ist etwas entrüstet. „Das ist für mich ein No-Go.“ Und weiter: „10 bis 20 Sekunden Film kosten viel Geld.“ Also wird selber produziert. 

Wie stellt man Schwerelosigkeit dar?

Der Kaunitzer leistet dabei Pionierarbeit. Zum Beispiel beim Stück Kaleidoscope. „Wie stellt man Schwerelosigkeit im Theater dar?“, fragt er. Besonders, wenn man kein Animationskünstler ist. Die nötige 3D-Film-Technik für die Darstellung hat er sich selber angeeignet. Sonne, Mond und Sterne eingebettet in das große Ganze des Weltalls. Alles angelehnt an den Kinofilm Gravity (2013) mit Sandra Bullock und George Clooney. Bilder, in denen sich der Zuschauer verliert. „Das schönste Kompliment ist für mich, wenn mir jemand nach der Vorstellung sagt, ihm sei schlecht geworden“, sagt Sascha Vredenburg über die Wirkung seiner Bilder.

Corona einen Schritt voraus zu sein – das hat laut Sascha Vredenburg am Theater Bielefeld gut geklappt. „Trotz Corona wurde dort durchgearbeitet“, erzählt der Kaunitzer. Doch nicht nur deshalb gibt ihm das Engagement als Filmemacher an dem Schauspielhaus Sicherheit. Nach der Fertigstellung seiner Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-Württemberg sei er finanziell „dick im Minus“ gewesen. „Die Produktion war aufwändig und kostspielig. Wir haben in Island gedreht“, sagt der 33-Jährige. Und weiter: „Der Anruf des Theaters Bielefeld hat viele Probleme gelöst.“ 

Seit drei Spielzeiten arbeitet er jetzt dort als freischaffender Videoregisseur. Seinen Wohnsitz hat Vredenburg in Berlin. Ein Muss, wenn man Kontakt zu Menschen aus der Film- und Medienbranche knüpfen möchte. Eine andere Option wäre Köln gewesen. Sascha Vredenburg will sich jedoch nicht nur aufs Theater verlassen. Zumal er ja aus dem Filmgeschäft kommt. Aktuell arbeite er an der Zusammenarbeit mit einem internationalen Streamingdienst. Gemeinsam mit dem Schauspieler Omar El Saeidi, den er vom Theater Bielefeld kennt, arbeitet er an dem Projekt. „Die Verträge sind aber noch nicht unterschrieben“, sagt Sascha Vredenburg, der das Vorhaben als „Comedy im Hier und Jetzt“ beschreibt. Zuerst habe es nur Absagen gegeben. Dann hätten zwei Streaminganbieter Interesse gezeigt. „Für einen haben wir uns dann entschieden. Es wird eine Original-Serie“, sagt Vredenburg. 

Eine Produktionsfirma sei auch bereits gefunden. Seit zwei Jahren arbeiteten Omar El Saeidi, der zuletzt unter anderem in Schmitz & Family oder Matze-Kebab und Sauerkraut zu sehen war, und Vredenburg an der Idee. Jetzt gehe es in die entscheidende Phase. Mit dem Streamingdienst soll das Konzept auf seine Machbarkeit geprüft werden.

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