Ehemaliger CJD-Internatsleiter Johann Jendryczko nach 34 Jahren im Ruhestand 
Eine Ära geht zu Ende 

Versmold (WB). In der kommenden Woche wird Johann Jendryczko (65) seine letzte Unterrichtsstunde als Religionslehrer an der Realschule halten. Dann ist die 34-jährige Laufbahn des ehemaligen Internatsleiters beim CJD beendet. Gestern wurde er mit einem Gottesdienst und Empfang verabschiedet.

Freitag, 27.06.2014, 04:03 Uhr aktualisiert: 27.06.2014, 14:15 Uhr
Ehemaliger CJD-Internatsleiter Johann Jendryczko nach 34 Jahren im Ruhestand  : Eine Ära geht zu Ende 
Johann Jendryczko hat sich nach einem Jahr als Vikar gegen ein Leben als Priester entschieden. Für das CJD in Versmold ein Glücksfall. Mit seiner einfühlsamen Art hat der 65-Jährige zum Erfolg der Einrichtung 34 Jahre lang wesentlich beigetragen. Foto: Klaus Münstermann

 »Du bist nicht so katholisch wie du sein solltest. Du passt zum CJD.« Mit dieser Empfehlung eines Freundes hat sich Johann Jendryczko 1980 in Versmold vorgestellt und wurde vom damaligen Leiter Joachim Gelfert als pädagogischer Jugendleiter eingestellt.

 Selbst erst zwei Jahre zuvor im Alter von 29 aus Polen nach Deutschland gekommen, lag Jendryczko vor allem die Förderung und Betreuung von Migranten am Herzen. »Vom Unterricht über Hausaufgabenbetreuung bis hin zur Freizeitgestaltung mittels Fußballmannschaft hat er für »seine« Jugendlichen, wie er sie nennt, alles gemacht. »Mehr als 14 Jahre habe ich selbst hier im Jugenddorf gewohnt und unsere Tür stand immer offen«, sagt der vierfache Vater, der Philosophie und Theologie studiert und in Polen ein Jahr als Vikar gearbeitet hat.

Im Leben muss jede Sekunde einen Sinn haben. Das wäre für mich als Priester nicht vorstellbar gewesen.

Johann Jendryczko, CJD-Religionslehrer

»Ich konnte aber einfach kein Priester werden. Die Kirche hatte zu viel mit Machtspielen und Besitzstandswahrung zu tun«, gesteht Jendryczko heute und betont: »Im Leben muss jede Sekunde einen Sinn haben. Und das wäre für mich als Priester nicht vorstellbar gewesen.«

So hat sich Jendryczko für einen anderen Weg entschieden und sich praktisch rund um die Uhr um bis zu 21 Jugendliche in den Hochzeiten des Versmolder Internats gekümmert. Ende der 1980er Jahre waren auf dem Jugenddorfgelände bis zu 250 Jugendliche, überwiegend aus Polen, Russland und später aus Vietnam untergebracht. »Wenn in einem Zimmer noch Platz war, wurde ein Bett reingestellt. Auch schon mal auf ein anderes drauf«, erinnert sich Jendryczko, der in seiner täglichen Arbeit schon mal zu ungewöhnlichen Methoden griff. »Die Migranten, die zu uns kamen, konnten häufig schon etwas deutsch. Sie wollten schnell die Sprache besser lernen und einen guten Schulabschluss erreichen«, lobt der 65-Jährige. Aber in der Freizeit sei es häufig hoch her gegangen. »Da habe ich einmal einen kompletten Abend gefilmt und am kommenden Tag vorgeführt. Da hat sich mancher für sein Verhalten bei Trunkenheit geschämt.

 CJD-Leiter Knud Schmidt fasst Jendryczkos Abgang so zusammen: »Solche Urgesteine wie Johann Jendryczko gibt es heute nur noch selten. Beim CJD geht eine Ära zu Ende. Aber er bleibt dem Gemeinwesen dieser Stadt als Integrationslotse ja erhalten.«

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