Für Lehrerin Sabine Lange sind es am Ende fast 42 Jahre an der Grundschule in Oesterweg geworden 
»Hier bleibst du nicht lange« 

Versmold-Oesterweg (WB). Sabine Lange hat sehr emotionale Tage hinter sich. An der Grundschule Oesterweg sind am Freitag viele Tränen geflossen. Bei ihr, bei ihren Kollegen, bei ihren Schülern, bei deren Eltern. Unter diesem Eindruck sagt die 65-jährige Lehrerin nach ihrer Verabschiedung: »Diese Momente zum Abschluss werden in meiner Erinnerung alles andere überlagern.«

Dienstag, 08.07.2014, 04:02 Uhr aktualisiert: 10.07.2014, 17:33 Uhr
Ist denn heut' schon Weihnachten? So ähnlich muss sich Sabine Lange in den vergangenen Tagen gefühlt haben. Die 65-jährige Lehrerin der Oesterweger Grundschule ist zu ihrem Abschied reichlich mit Geschenken bedacht worden.
Ist denn heut' schon Weihnachten? So ähnlich muss sich Sabine Lange in den vergangenen Tagen gefühlt haben. Die 65-jährige Lehrerin der Oesterweger Grundschule ist zu ihrem Abschied reichlich mit Geschenken bedacht worden. Foto: Klaus Münstermann

 Dabei hatte die gebürtige Bad Driburgerin, die in Bielefeld Mathe Deutsch und Religion studiert hat, nie vor, lange zu bleiben. »Als ich 1973 die Stelle von der Bezirksregierung zugewiesen bekam, habe ich mir Versmold angesehen. Danach stand für mich fest ›Hier hältst du es bestimmt nicht länger als ein halbes Jahr aus‹«, erinnert sich Sabine Lange. Aus dieser irrtümlichen Einschätzung sind am Ende 41,5 Jahre geworden, weil sie sich sehr schnell wohl gefühlt habe. »Es war und ist hier so schön familiär und gemütlich.«

 Die Schüler aus mehr als vier Jahrzehnten haben eine sehr tiefe Bindung zu ihrer ehemaligen Lehrerin, die bis auf Schwimmen alles unterrichtet hat. Wenn sich die Neu-Pensionärin künftig auf die faule Haut legen will, kann sie das in einer schmucken Ruheschaukel im eigenen Garten in Hilter tun – am letzten Schultag von einem Ehemaligen geschenkt, der anonym bleiben möchte. Ohnehin ist Sabine Lange mit vielen persönlichen Dingen zum Abschied bedacht worden.

 Ein umfangreiches Rezeptbuch, von allen etwa 130 Schülern gestaltet, hat sie ebenso bekommen wie ein Jahrbuch ihrer 27-köpfigen Sams-Klasse. Da steht bei Rieke zu lesen, auf die Frage, was sie später einmal werden will: »Groß.« Das Kollegium hat gleich einen ganzen Koffer voller Geschenke gepackt. Eine Klingel fürs Fahrrad, weil sie damit gerne unterwegs ist. Ein Gutschein fürs Freibad, weil sie sich da gerne tummelt. Und ein Trikot vom FC Bayern München mit ihrem Spitznamen »Bine« und der Rückennummer 42, weil sie von ihren erwachsenen Kindern Julia und Christian mit dem Fußballvirus angesteckt wurde. Die Ziffer steht nicht für ihr Geburtsjahr wie ein Kollege schelmisch fragte, sondern für ihre Dienstzeit. »41,5 gibt es eben nicht als Trikotnummer«, sagt Sabine Lange, die zum Abschluss am Freitag zu Hause ihr eigenes »Public Viewing« mit etwa 60 ehemaligen Kollegen, Verwandten und Freunden gefeiert hat.

 Die 65-Jährige wollte in ihrer langen Dienstzeit nie etwas anderes machen: »Ich habe zwei Mal übergangsweise die Aufgaben einer Konrektorin übernommen. Aber die viele Verwaltungsarbeit war nicht meins.« Die Arbeit mit den Schülern war ihr wichtig. »Wir Lehrer sind dafür da den Kindern zu dienen und mit ihnen respektvoll umzugehen. Dieser Beruf kommt von Berufung«, sagt Sabine Lange, die es pragmatisch halten will, wenn sie die Wehmut überkommt. »Dann besuche ich meine Kollegen einfach und frühstücke mit den Kindern.« Der Dank der pensionierten Lehrerin gilt allen, die ihr einen so herzlichen Abschied bereitet haben.

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