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Do., 22.06.2017

Krimi-Autorin Carla Berling beendet mit Charme den Versmolder Lesefrühling »Der Ostwestfale ist wie ein Tweedmantel«

Carla Berling ist nach der Lesung am Büchertisch sehr gefragt. Hier lässt sich Zuhörerin Lydia Deitermann (rechts) ihr Exemplar des Krimis »Mordkapelle« signieren. Spannung und humorvolle Unterhaltung gehören bei Berling zusammen.

Carla Berling ist nach der Lesung am Büchertisch sehr gefragt. Hier lässt sich Zuhörerin Lydia Deitermann (rechts) ihr Exemplar des Krimis »Mordkapelle« signieren. Spannung und humorvolle Unterhaltung gehören bei Berling zusammen. Foto: Petra Kramp

Von Petra Kramp

Versmold (WB). »Nein. Nicht noch einmal würde er um sein Leben betteln, mit keiner Silbe um Gnade flehen. Er fühlte Hass, Grauen und Panik.« Autorin Carla Berling spricht flehentlich, mit verzweifelter Stimme und springt sofort hinein in den Abgrund jenes Mordes an einem angesehenen Apotheker aus Bad Oeynhausen, der in seinem eigenen Rollstuhl in der Friedhofskapelle elendig verbrennt.

Dass ein Krimi nicht nur spannend, sondern auch lustig sein kann, wissen wir nicht zuletzt dank des Münsteraner Kult-Duos Boerne/Thiel. Carla Berling, 57-jährige Autorin, nach eigener Einschätzung »unverbesserliche Ostwestfälin mit rheinländischem Temperament« setzt aber noch eins drauf. Ihre bunt gewürfelte Crew rund um die burschikose, sehr empathisch auftretende Lokalreporterin Ira Wittekind ermittelt sehr unterhaltend.

Denn ihr Krimi »Mordkapelle« versinkt niemals im Klamauk, so dass die eigentliche Mordsache zur Nebensache wird. Neben der resoluten Taxifahrerin und Freundin Cora, gibt es noch die skurril-schrulligen alten Tanten Sophie (ausgesprochen als »Sssoffie«). Und Friedchen. Die Beiden avancieren mit ihrem ostwestfälischen Charme und Dialekt, ihrem selbst gebrannten Brakenschnaps und Zigarre rauchend schnell zu den Lieblingen der 60 Besucher. Carla Berling lässt unnachahmlich mit ihrer wandlungsfähigen Stimme »Tante Ssoffie« sagen: »Nich‘ lang schnacken, Kopp in’n Nacken.«

Im nächsten Moment fistelt sie mit angesäuselter Stimme »Tante Friedchen, dat Küken, wird 85 und wir feiern rein.« Berling will kein klassisches Ermittlerduo, bei dem einer immer traurig ist oder ein Trauma hat. Auch keinen Staatsanwalt, der sich ständig fragt, was er der Presse mitteilen soll.

Stattdessen hat sie Ira Wittenberg erschaffen. Eine Lokalreporterin, genau wie Carla Berling jahrelang eine war. Sie hat unter anderem auch für das WESTFALEN-BLATT in Bad Oeynhausen gearbeitet. »Davon verstehe ich was«, sagt sie mit einem charmanten Augenzwinkern. Darüber hinaus versteht sie die Mentalität ihrer Ostwestfalen. Ist sie doch selbst eine von ihnen. Auch wenn sie jetzt in Köln lebt. »Die Leute hier sind bodenständig und zuverlässig. Wenn der Ostwestfale ein Kleidungsstück wäre, wär er ein Tweedmantel. Ohne Firlefanz, und Schleifchen.« Und bekennt, dass sie liebend gern in ihre alte Heimat zurückkommt.

Carla Berling hat mit ihrem entwaffnenden Charme und ihrem ausgeprägten Sinn für Humor ihre Zuhörer um den Finger gewickelt. All jene, denen man irrtümlicherweise nachsagt, keinen solchen Humor zu besitzen. Dass die Besucher am Ende nicht erfahren, wer der Mörder ist, ist verständlich. Doch etliche werden es in Erfahrung bringen, denn der Andrang am Büchertisch ist enorm.

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