Fr., 26.10.2018

Youtuberin Greta Silver liest am 27. November in Versmold aus ihrem Bestseller »Man muss sich reinwerfen ins Leben«

Die 70-jährige Youtuberin Greta Silver hat bereits zwei Bücher herausgegeben und gibt im Internet Tipps, wie man auch im Alter noch glücklich und aktiv bleiben kann.

Die 70-jährige Youtuberin Greta Silver hat bereits zwei Bücher herausgegeben und gibt im Internet Tipps, wie man auch im Alter noch glücklich und aktiv bleiben kann. Foto: Lotta Laabs

Versmold (WB). Ewig-Jammerer mag sie gar nicht, Non-Stop-Bedenkenträger lässt sie links liegen, aber wer im Alter Lebensfreude (wieder)finden möchte oder »einfach« nur neue Impulse sucht, der ist bei Youtuberin und Best-Ager Model Greta Silver (70) in ihrem Ratgeber-Blog greta-silver.de bestens aufgehoben. Nach einem Gedichtband im Eigenverlag erobert seit Mai diesen Jahres das zweite Buch »Wie Brause-Pulver auf der Zunge« im Scorpio Verlag die Bestsellerlisten. Am 27. November wird sie daraus auf Einladung des Leseherbstes Versmold im Altstadthotel lesen. WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiterin Petra Kramp sprach mit ihr über ihre Liebeserklärung ans Älterwerden.

Die meisten Menschen ängstigt die Vorstellung zu altern: Alle wollen zwar alt werden, aber keiner will es sein. Sie behaupten das Gegenteil. Was sind Ihrer Meinung nach die Vorzüge des Alterns?

Greta Silver: Wir sollten uns zunächst bewusst machen: Mit 60 haben wir Frauen statistisch noch rund 30 Jahre Lebenserwartung. Das ist doch die gleiche Zeitspanne, wie zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Und im Alter haben wir etwas, das wir früher so nicht hatten. All diese Energie, die wir da in Familien- und Karriereplanung gesteckt haben, der Druck und der Stress. Das sollten wir freisetzen und aufs Alter übertragen. Indem wir die Zeit absitzen, passiert nichts. Wir gewinnen an Gelassenheit, Lebenserfahrung. Wir haben Krisen überstanden, uns macht keiner mehr was vor. Jetzt ist genau die Zeit, unsere Träume zu verwirklichen und Talente zu entdecken. All das, wozu man früher sagte: »Würd ich gern, aber…«

 

Wie kam es dazu, dass Sie eine »Bedienungsanleitung zum Glücklichsein« in Form eines Internet-Blogs schufen?

Silver: Eine jüngere Freundin sagte mir vor vier Jahren: »Du hast es raus. Du musst der Welt draußen unbedingt erzählen, wie toll es ist, alt zu werden. Das weiß da keiner.« Und sie riet mir, einen Youtube-Kanal aufzumachen. Schon am nächsten Tag hab ich‘s umgesetzt. Ich habe zuerst recherchiert, was man im Alter so machen kann, gab Tipps fürs Reisen. Doch schnell merkte ich, ich bin zu sehr im Außen. Aber gerade im Innern habe ich Stellschrauben für mein Glück. Mittlerweile hab ich schon über 400 Drei-Minuten Filme ins Netz gestellt.

 

Nach 17 Jahren Hausfrau- und Muttersein dreier Kinder gelang es Ihnen mit 48, auch ohne Innenarchitektur-Studium, Ferienhäuser, Schiffe und Hotels einzurichten. Wer hat Sie darauf gebracht?

Silver: Das fing ganz harmlos an. Der Freund einer Freundin, den ich nicht mal kannte, suchte für die Umgestaltung seines Ingenieurbüros Beratung. Das gelang. Nach ein paar Monaten fragte er, ob ich seine Hausboote ausbauen könne. »Ich mach mal einen Entwurf«, versprach ich. Danach bekam ich von ihm den Auftrag, 60 Ferienhäuser individuell zu gestalten. Das sprach sich herum. Andere Investoren kamen auf mich zu. Mein Credo lautet immer: Ich will es mal versuchen. Und nicht: Das kann ich nicht.

 

Sie können mit dem Schlagbohrer umgehen, Sicherungen auswechseln. Und was befindet sich in Ihrem Werkzeugkoffer für das Glück?

Silver: Da gibt es vieles. Dankbarkeit ist ein großer Glücklich-Macher, das heißt dahin schauen, was ich schon habe. Anderen helfen gibt Freude, kleine Überraschungen an die Tür des Nachbarn hängen. Die Blickrichtung deiner Gedanken aufs Positive lenken, denn das Gehirn funktioniert wie eine Google-Suchmaschine. Du kannst beim Begriff »Weihnachten« an die Katastrophen und Streitereien denken oder ans Plätzchenbacken und dann die Rezepte raussuchen. So sortiert auch unser Gehirn vor und zeigt uns die guten und die schmerzhaften Seiten des Lebens. Sich begeistern, sich richtig reinwerfen ins Leben. Denn was haben wir schon zu verlieren? Wenn‘s schiefgeht, haben wir es wenigstens versucht.

 

Sie sprechen in Ihrem Buch von Ihrer wichtigsten Entscheidung zum Glücklichsein in Verbindung mit den von Ihnen entdeckten Geheimverträgen. Was meinen Sie damit?

Silver: Ich habe mit 30 entdeckt, dass ich hinter dem Rücken anderer Menschen Geheimverträge mit ihnen abgeschlossen habe. So habe ich andere für mein Glück verantwortlich gemacht. Und den Grund meines Unglücks dann denen in die Schuhe geschoben. Aber die kamen gar nicht zu mir und fragten: »Greta, was brauchst du jetzt gerade für dein persönliches Glück, damit ich es gleich in meinen Terminkalender eintragen kann.« So stellte ich erschrocken fest: Ich allein bin für mein Leben und damit auch für mein Glück verantwortlich. Erst passte mir das gar nicht, aber dann sah ich darin auch eine unglaubliche Freiheit, denn selbst in schwierigen Situationen hat man immer eine Wahl.

 

In einem Alter, in dem sich die meisten eher im Sofa zurücklehnen, stecken Sie voller Lebensfreude und Energie, selbst wenn Sie beim Modeln immer wieder Fotoshooting-Szenen wiederholen müssen. Was ist Ihr Motor?

Silver: Ich lebe mit sehr viel Gottvertrauen und habe in meiner Kindheit Urvertrauen und positives Denken mitbekommen. Energie ziehe ich auch aus meiner Arbeit. Das Zurückziehen in mich selbst gibt mir ebenso Kraft. Und mich für die nächsten 30 Jahre auf der Couch auszuruhen, das wär niemals eine Option für mich. Morgens schon spür ich dieses Prickeln, was mir der Tag wohl bringen mag. Ich muss mich von daher gar nicht erst überwinden, um vom Sofa aufzustehen.

 

Sie empfehlen Ihren Lesern, einen Liebesbrief an sich selbst zu schreiben. Warum?

Silver: In einem Führungsseminar sollte ein Bekannter genau dies tun und gab ein leeres Blatt ab. Ich versuchte es auch und war sehr überrascht, wie viele Facetten ich von mir entdeckte. Die Kinder, der Partner, die Kollegen, Freunde – alle kennen nur einen Teil von mir, aber ich bin all das zusammen. Als ich es durchlas, fühlte ich mich ganz reich. Vielleicht ist es gerade das: Mal dem inneren Kritiker den Schnabel zubinden und auch sich selbst die beste Freundin sein.

 

Sie haben sich mit 17 vorgenommen, 120 Jahre alt zu werden. Was haben Sie noch für spannende Projekte in petto? Den 80-Jährigen das Zumba-Tanzen nahezubringen?

Silver: Einmal Saxophonunterricht nehmen. Aber im Grunde gibt es gar nicht so viel, was ich unbedingt noch machen möchte. Ich möchte mir viel mehr meine Wachheit erhalten, das spontane Zufassen bei all der Fülle. Nur nichts aufschieben.

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