Fr., 25.01.2019

Manuela Paul hat in Kooperation mit der Stadt eine Selbsthilfegruppe gegründet Diagnose Brustkrebs – und dann?

Die gesunde Brust einer Frau ist auf einer Röntgenaufnahme zu sehen, im Hintergrund der Röntgenapperat. Das Röntgenbild war für einen Trailer des Mammographie-Screening-Programms aufgenommen worden.                   

Die gesunde Brust einer Frau ist auf einer Röntgenaufnahme zu sehen, im Hintergrund der Röntgenapperat. Das Röntgenbild war für einen Trailer des Mammographie-Screening-Programms aufgenommen worden.                    Foto: dpa

Versmold (WB). Die Versmolderin Manuela Paul hat in Kooperation mit der Stadt eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Brustkrebs gegründet. Sie ist unter dem Dachverband der Brustkrebsinitiative Mamazone - Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V. entstanden. Am Samstag, 26. Januar, um 10 Uhr, findet im Haus der Familie, Altstadtstraße 4, das erste Treffen statt. Vorher hat sie mit WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiterin Anna Lisa Tibaudo gesprochen.

 

Frau Paul, als Sie die Diagnose Brustkrebs im Frühstadium bekamen, waren Ihre erwachsenen Kinder bereits aus dem Haus und Sie selbst hatten frisch geheiratet. Wie sind sie mit der Diagnose umgegangen?

Manuela Paul: Für mich brach eine Welt zusammen. Ich habe wochenlang nur geweint und mit meinem Leben abgeschlossen. Aber irgendwann machte es ‚Klick‘ und ich dachte: Nee, so bist du doch eigentlich gar nicht. Du bist doch sonst immer eine Powerfrau und so lebensfroh. Jetzt hängst du hier in diesem Loch. Sieh zu, dass du dein Leben wieder in die Hand nimmst. Das war der Wendepunkt, an dem ich angefangen habe, positiv an alles heranzugehen. Ich habe angefangen, die Operation und die Chemotherapie als meine Freunde zu sehen. Und während die chemische Flüssigkeit in meinen Körper floss, dachte ich: Das ist dein Lebensretter, der räumt jetzt in deinem Körper auf. Das war mit ein Grund, warum ich die Chemotherapie so gut weggesteckt habe.

 

Wie sind sie mit den Nebenwirkungen umgegangen?

Paul: Die Nebenwirkungen waren da, ohne Frage. Aber ich habe sie einfach nicht groß beachtet: Haarausfall, Mundtrockenheit, kaputte Schleimhäute, teilweise konnte ich nur aus dem Strohhalm trinken, Übelkeit mit Erbrechen, Schmerzen. Ich dachte: Das gehört dazu. Das geht irgendwann vorbei. Deswegen habe ich angefangen, am Badezimmerspiegel nach jeder der 16 Chemos Striche abzukreuzen, um zu sehen, wie viele ich noch vor mir habe. Und weil mir Sport schon immer wichtig waren, dachte ich: Okay, was schafft dein Körper jetzt in dieser Hinsicht? So bin ich während der Chemotherapie mit Nordic-Walking angefangen und bin in die Natur rausgegangen. Das war ein wahnsinniges Lebensgefühl und hat mich sehr motiviert.

 

Gründeten Sie deshalb mit dem SC Peckeloh eine Sportgruppe für Krebserkrankte.

Paul: Ja. Als ich nach der Chemotherapie zusätzlich Bestrahlungen bekam, dachte ich: Die Bewegung hat dir gut getan. Das möchtest du anderen Menschen in ähnlicher Situation nahe bringen. Denn Bewegung ist wichtig: Sie lindert während der Chemo die Nebenwirkungen und reduziert das Rückfallrisiko bis zu 50 Prozent. Und im ganzen Umkreis gibt es kein Sportangebot für Krebserkrankte. Der SC Peckeloh fand meine Idee gut und wir trainierten mit einer Trainerin Kraft, Ausdauer und Meditation. Aber es ist sehr schwer, Krebserkrankte während oder nach der Therapie zu motivieren.

 

Sie haben nun die erste Selbsthilfegruppe für Brustkrebserkrankte gegründet. Was können sich Betroffene davon erhoffen?

Paul: Gedanken- und Erfahrungsaustausch, Informationen rund um das Thema. Es ist wichtig, gut informiert zu sein, um in der Therapie mitzuentscheiden. Wir versuchen auch, Therapeuten und Ärzte für Vorträge zu finden.

 

Nicht jeder Außenstehende weiß, wie er sich Krebserkrankten gegenüber verhalten soll. Wie wäre es im Idealfall?

Paul: Ich denke, Betroffene möchten unter Freunden nicht wie krank behandelt oder ausgegrenzt werden. Sie möchten auch weiterhin eingeladen, besucht oder angerufen werden, wie sonst auch. Und im Beruf ist, besonders wenn man nicht mehr so leistungsfähig ist, verständnisvolle Rücksichtnahme schön.

 

Kann es bei einer so schwerwiegenden Erkrankung auch positive Aspekte geben?

Paul: Ich habe noch nie ein so schönes Leben gehabt wie jetzt. Die Erkrankung hat mich mein Leben durchdenken lassen. Ich habe meine Ernährung umgestellt, mich von Menschen verabschiedet, die mich runter zogen, einen neuen Beruf als Seniorenbetreuerin, in dem ich viel Zuneigung schenken kann und bin immer guter Dinge. Dank meinem Mann habe ich alles gut überstanden.

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