Do., 14.02.2019

Versmolder Logistikgruppe streicht 100 Stellen Nagel kämpft mit Kosten und Ertragsschwäche

Von Oliver Horst

Versmold (WB). Die auf Lebensmittellogistik spezialisierte Versmolder Nagel-Gruppe reagiert mit einem Stellenabbau und Investitionen auf neue Herausforderungen und die chronische Ertragsschwäche. 100 der konzernweit 12.000 Jobs sollen wegfallen – 40 davon in der Zentrale am Stammsitz, wo 550 Mitarbeiter beschäftigt sind. Betroffen sind ausschließlich kaufmännische und Verwaltungsbereiche. Es werde auch betriebsbedingte Kündigungen geben, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Carsten Taucke.

Die Gruppe mit 130 Standorten in 16 Ländern setzte zuletzt 1,9 Milliarden Euro um. Die Ergebnisse aber lassen seit Jahren zu wünschen übrig. 2017 fiel sogar ein operativer Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,2 Millionen Euro an. Das Management sprach vom schlechtesten Jahr in der Geschichte des 1935 gegründeten Unternehmens in Familienhand.

2018 sei zwar besser gelaufen und habe wieder einen operativen Gewinn gebracht, teilt die Nagel-Gruppe mit. »Damit reicht das Ergebnis allerdings genauso wenig aus wie in den Vorjahren, um nachhaltiges Wachstum schaffen zu können und das Unternehmen in der gebotenen Geschwindigkeit auf die Zukunft auszurichten.« Von der angestrebten Ebit-Marge von drei Prozent ist die Gruppe nach wie vor weit entfernt.

Neben dem harten Wettbewerb kämpft der Logistiker vor allem mit höheren Kosten für Energie, Maut, Fahrzeuge und vor allem für Lkw-Fahrer, die händeringend gesucht werden. In Summe seien die Belastungen um rund acht Prozent gestiegen. Dem versucht Nagel auch mit Preiserhöhungen entgegenzuwirken. 2018 lagen diese im Schnitt bei fünf Prozent, 2019 sollen es sechs Prozent sein.

»Neuausrichtung dringend geboten«

Der angekündigte Stellenabbau und weitere Maßnahmen seien Teil der 2018 eingeleiteten Restrukturierung. »Unsere Transformation ist kein Sparprogramm, sondern eine vollumfängliche Neuausrichtung, bei der die Nagel-Group auch massiv in die eigene Zukunft investiert«, betont Carsten Taucke. Er amtiert seit Dezember als Vorsitzender der Geschäftsleitung. So sei 2018 eine Fahrer-Akademie gegründet und eine Fahrschule übernommen worden, um dem Fahrermangel zu begegnen. Zudem werde in die Digitalisierung investiert und würden die Lager mit modernster, nachhaltiger Technik ausgerüstet.

Ziel sei es, das Unternehmen umfassend zu modernisieren, Abläufe zu vereinfachen und die Ertragskraft zu erhöhen. »Der Abbau von Arbeitsplätzen ist mit Blick auf die Mitarbeiter eine sehr schwierige Entscheidung gewesen. Allerdings ist diese Neuausrichtung dringend geboten, um den langfristigen Erfolg der Nagel-Group sicherzustellen«, erklärt Taucke. Die Gesellschafterfamilie, die durch Tobias Nagel in dritter Generation in der Geschäftsführung vertreten ist, äußerte sich am Mittwoch nicht.

Mit dem Betriebsrat sollen nun Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan geführt werden. Eine Einigung werde bis Ende März angestrebt.

Ganz überraschend komme der Stellenabbau aber nicht

Ulrich Harbert, Betriebsratschef in Versmold, erklärte, dass er sich andere Lösungen gewünscht hätte. »In meinen 29 Jahren bei Nagel hat es noch nie betriebsbedingte Kündigungen gegeben.« Ganz überraschend komme der Stellenabbau aber nicht. Eine Beschäftigungsgarantie sei zum Jahreswechsel ausgelaufen. »Wir wollen für die betroffenen Mitarbeiter die bestmögliche Regelung erreichen. Unsere Vorstellungen gehen weit über die der Geschäftsführung hinaus.«

Noch unter dem langjährigen Geschäftsführer Bernhard Heinrich, der im Frühjahr 2017 ausgeschieden war, war die Zentralverwaltung 2016 in drei Bereiche aufgegliedert worden: Eine Einheit für die gesamte Gruppe, eine für das Deutschland-Geschäft und eine weitere für die internationalen Aktivitäten. Zwischen 2014 und 2018 entstanden rund 100 neue Jobs in der Zentrale. Dieses Modell, teils mit Doppelstrukturen, wird nun wieder zurückgefahren. Die Zahl der Niederlassungsleiter wurde derweil bereits durch erste Regionalverbünde verringert.

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