Mo., 15.04.2019

Kabarettistin Anja Zink spöttelt in Versmold über die »dicken Dinger« Ein Halleluja auf die Protzigkeit

Kabarettistin Anka Zink hat sich Verstärkung geholt. Gemeinsam mit Doris Altmann-Maschmann aus Versmold zeigt sie anhand dieser Brillen, was sie unter Protz versteht.

Kabarettistin Anka Zink hat sich Verstärkung geholt. Gemeinsam mit Doris Altmann-Maschmann aus Versmold zeigt sie anhand dieser Brillen, was sie unter Protz versteht. Foto: Petra Kramp

Von Petra Kramp

Versmold (WB). »Wer von Ihnen hat im Laufe des Tages schon mal geatmet? Der summt bitte.« Das Publikum in der Versmolder Aula summt artig. »Dies ist eine 100 Prozent-Frage«, stellt die gelernte Soziologin und Kabarettistin Anka Zink befriedigt fest. Sie liebt Gruppenarbeit, was sie im Laufe ihres 11. Soloprogramms »Das Ende der Bescheidenheit« mehrmals unter Beweis stellt.

»Wer von Ihnen gehört mehr zu den Narzissten und wer zu den Altruisten?« Das Publikum zögert zunächst bei der summenden Entscheidung. Bereitwillig einig ist es indes, schließlich ist man lernwillig, und der Bescheidenheit soll ein für alle Mal der Garaus gemacht werden, Cassius Clays Zitat, nachzusprechen: »Es ist unfassbar schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist, wie ich.«

In der Grundschule sind heute 80 Prozent der Kinder hochbegabt

Doch wie stellt man Großartigkeit unter Beweis? Man kann ja nicht mal mehr mit den Kindern protzen. »In Zeiten, wo Kinder von der 1. Sekunde bis zum Abitur noch auf die Toilette begleitet werden«, konstatiert Zink unter Gelächter des Publikums, hat eine Grundschullehrerin in Köln-Sinzig ob der Frage einer besorgten Mutter nach der Begabtenförderung festgestellt: »Hier sind 80 Prozent hochbegabt, den Rest ziehen wir halt so durch.«

Zink hat herausgefunden, dass der gemeinsame Nenner aller erfolgreichen Leute und »Hauptangebermodul« die fehlende Zeit sei. Selbst eine Wandertour zu organisieren, sei schwierig geworden. »Da gründet man eine Whatsapp-Gruppe, nur um festzustellen, dass alle gerne wollten, aber leider verhindert seien. Früher sagte man: Treffen am dicken Stein, Sonntag 11 Uhr, festes Schuhwerk mitbringen. Heute kommt dann nur einer, doch der hatte die Nummer unterdrückt.« Zink lacht: »Aber so kommt man wenigstens zu einem Blind Date.«

Gute zwei Stunden geht es von Pointe zu Pointe

Gerne werde auch mit einem SUV geprotzt, allein 400.000 neue Geländewagen wurden angemeldet – SUV wie »super unhandliche Vehikel«. Ein immenser Energieverbrauch bei Herstellung und Fahrweise. So weinen sie in den Garagen, weil sie aus Angst vor Schäden nicht mehr fortbewegt werden: ‘Ich bin ein SUV, holt mich hier raus.‘« Selbst mit Soft-Touch-Close-KloDeckeln könne man protzen, gibt Zink aus eigener Erfahrung zu. Und mit dem »Diktator der Küche«, dem Thermomix.

Gute zwei Stunden führt Zink ihr bestens unterhaltenes Publikum von einer Pointe zur anderen, und endet, nachdem sie comedyreif die Malaisen des modernen Menschen im Zeitalter des Handys (Handy-Nacken und Maus-Arm) im wahrsten Sinne des Wortes ver-körpert, zum Yoga. Gott sei Dank landet sie nicht bei der Rückenschule. »Denn dort hätte man mich fertig gemacht.« Hier jedoch ertönt die frohe Botschaft: »Ich seh bei dir noch unheimlich viel Potential.« Ausbaufähig ist beim Publikum auch die Wiederholung des Clay-Zitats. Anka Zinks “Halleluja auf die Protzigkeit” indes darf genauso stehen bleiben.

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