Logistikbranche von den Folgen des Coronavirus erfasst – Stimmen aus Ostwestfalen
Frachtkosten explodieren

Bad Oeynhausen/Paderborn/Steinhagen/Versmold (WB). Das Coronavirus trifft die Logistikbranche besonders. Zum einen wird, wenn weniger produziert wird, auch weniger transportiert. Derzeit gilt das vor allem für Produktionsstätten in China. Da das Geschäftsmodell für Containerschiffe, Frachtflugzeuge und Züge aber voraussetzt, dass Güter in beide Richtungen befördert werden, steigen die Preise – und zwar deutlich.

Donnerstag, 27.02.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 08:30 Uhr
Frachtkosten für China sind stark gestiegen; links: Horst Kottmeyer vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Foto: dpa
Frachtkosten für China sind stark gestiegen; links: Horst Kottmeyer vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Foto: dpa

Vervierfachung von Luftfrachtgebühren

Bernhard Dillhage, Leiter des Bereichs Air & Sea bei der Paderborner Spedition Hartmann, spricht von einer Vervierfachung der Luftfrachtgebühren. Transporte auf dem Seeweg hätten sich im Preis verdoppelt. Und selbst der Bahntransport sei im Vergleich zu früher 50 Prozent teurer. „Es ist ganz klar, dass sich diese hohen Frachtkosten über kurz oder lang auch auf die Verbraucherpreise niederschlagen“, warnt Dillhage.

Nicht jedem Industriekunden sind die hohen Kosten sofort einsichtig. Olaf Brinkdöpke, Chef des Leuchtenspezialisten namens „LED it B“ in Steinhagen, spricht gar von „Geldschneiderei“. Das Unternehmen hat Ware von einem Kunden zurückgekauft, um nicht vertragsbrüchig zu werden.

Größere Risiken für Speditionsfirmen

Die Speditionsfirmen allerdings stehen allgemein vor dem Problem, dass sie bei Transporten in bestimmte Regionen in Zeiten des Coronavirus größere Risiken eingehen. Wird an Bord eine Infektion festgestellt, kann es passieren, dass zum Beispiel ein Schiff seinen Zielhafen nicht programmgemäß anlaufen oder in Asien gar nicht erst den Ausgangshafen verlassen kann. „Das kann angesichts der internationalen Verflechtungen etwa in der Automobilindustrie noch zu großen Problemen führen“, warnt Horst Kottmeyer, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Spedition in Bad Oeynhausen und Vorsitzender des Aufsichtsrates beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL).

Fahrer muss Schutzkleidung tragen

Das gilt insbesondere dann, wenn auch der innereuropäische Verkehr stärker von Einschränkungen durch das Coronavirus betroffen wird. Noch kann Kottmeyer Fahrten nach Italien aufrechterhalten. Doch für die jüngste Fahrt in die Provinz Venetien wurde dem Fahrer schon mitgeteilt, dass er vor Ort eine spezielle Schutzausrüstung inklusive Mundschutz tragen muss. Kottmeyer schickt jeden Tag vier bis fünf Lkw nach Italien. „Wenn irgendwann die Rückfahrt nicht mehr möglich sein sollte, stecken Fahrer und Fahrzeug dort fest“, erklärt der Spediteur. „Dann haben wir ein Riesenproblem.“

Hygieneschulungen für Mitarbeiter

Die Versmolder Nagel-Group führte Hygieneschulungen für die Mitarbeiter durch. Alle Standorte seien zusätzlich bereits mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln für die persönliche Hygiene ausgestattet worden. Konkrete Auswirkungen auf das Tagesgeschäft mit Italien gebe es noch nicht.

Inzwischen warnen bereits einzelne Branchen vor Lieferengpässen. Dazu gehört die Bekleidungsindustrie. China ist der größte Textilproduzent. 30 bis 40 Prozent der in Deutschland verkauften Mode kommt aus China. Aktuell versuche die Branche, Engpässe durch mehr Lieferungen aus Ländern wie Bangladesch, Vietnam und der Türkei aufzufangen. Doch wenn die Einschränkungen beim Transport und in der Produktion noch länger andauerten, würden sich Lücken nicht vermeiden lassen, erklärt der Textilhandelsexperte Peter Rinnebach.

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