Nach Entscheidung aus Düsseldorf fällt Großveranstaltung im Stadion am Samstag aus
Kirmes kommt, Disney-Show verlegt

Halle (WB). Der Bär Balu empfiehlt zwar Gemütlichkeit. Aber die für kommenden Samstag in der OWL-Arena geplante Musik-Show „Disney in Concert“ fällt unter die Kategorie Großveranstaltung und muss verschoben werden. Der Corona-Virus ist im Alltag angekommen. Er attackiert jetzt auch das öffentliche Leben im Altkreis Halle und hat für heimische Unternehmen böse wirtschaftliche Folgen.

Mittwoch, 11.03.2020, 06:00 Uhr
Zur Eröffnung der Innenstadtkirmes „Halle blüht auf“ gibt es immer einen großen Ansturm, wenn Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann die Chips für die Freifahrten der Fahrgeschäfte verteilt. 2016 war es voll .... Foto: Klaudia Genuit-Thiessen
Zur Eröffnung der Innenstadtkirmes „Halle blüht auf“ gibt es immer einen großen Ansturm, wenn Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann die Chips für die Freifahrten der Fahrgeschäfte verteilt. 2016 war es voll .... Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Aufgrund der Anordnungen von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann müssen Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern grundsätzlich abgesagt werden. Das soll helfen, die Ausbreitung des Virus wenigstens abzubremsen.

Details zu Tickets

Für die Disney-Show im Stadion haben die Veranstalter mehr als 4000 Zuschauer erwartet. Nach dem Erlass aus Düsseldorf war schnell klar, dass der Termin zumindest verschoben werden muss. Pressesprecher Sascha Detlefsen verspricht zeitnahe Informationen, wie mit den Tickets umgegangen werden soll. „Wir werden die Besucher so schnell wie möglich über Details informieren“. Nachdem das Konzert von Peter Maffay kürzlich schon aus Krankheitsgründen auf einen anderen Termin verlegt werden musste, stellt sich für die OWL-Arena-World jetzt die Frage, wie es in den kommenden Wochen aussieht. Die nächste geplante Großveranstaltung „Die drei Fragezeichen“ ist für den 26. März geplant – und so gut wie ausverkauft.

Halle blüht auf

Noch im Haller Terminkalender steht die Frühjahrskirmes „Halle blüht auf“. Die Innenstadt kann auch wie geplant am Wochenende aufblühen – einschließlich Kirmes, Kneipenfestival und verkaufsoffenem Sonntag: Der Weisung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann vom Dienstagnachmittag folgend, sei bei Veranstaltungen mit weniger als 1000 erwarteten Besuchern pro Tag eine „individuelle Einschätzung“ erforderlich, ob und welche „infektionshygienischen Schutzmaßnahmen“ zu treffen sind, informiert Benjamin Potthoff, Abteilungsleiter im Fachbereich Bürgerdienste der Stadt Halle.. Zuständige Behörde für diese Einschätzung ist in diesem Fall die Stadt Halle.

„Wir haben uns daher am Dienstagnachmittag mit Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, dem Gesundheitsamt des Kreises Gütersloh und den Schaustellern Klaus Rasch und Bernd Tovar beraten“, berichtet Benjamin Potthoff. „Letztlich haben wir uns für die Durchführung von ‚Halle blüht auf‘ entschieden. Denn in den vergangenen Jahren hatten wir bei dieser Veranstaltung jeweils 500 bis 600 Besucher pro Tag, die sich gleichzeitig in der Haller Innenstadt aufgehalten haben“, rechnet Potthoff vor. Eine kleine Änderung wird es doch geben: „Es wird ein zweiter Toilettenwagen aufgestellt, und Händewaschen wird diesmal kostenlos möglich sein“, kündigt Benjamin Potthoff an.

Handball-Oberliga-Spiel

Sportlich könnte am Wochenende im Altkreis Halle höchstens das Handball-Oberliga-Heimspiel Loxten gegen Soest diskutiert werden. In Versmold erwartet man etwa 600 Fans. „Weil das eine Veranstaltung mit einem relativ hohen örtlichen Bezug ist und es bisher im Kreis Gütersloh keinen Infizierten gibt, ist das Risiko doch kleiner und für uns kein Anlass zu übertriebener Vorsicht“, sagt Fachbereichsleiter Thomas Tappe. Er weist allerdings auf eine gewisse Eigenverantwortlichkeit der Besucher hin: Wer auf Nummer Sicher gehen wolle, müsse selbst entscheiden, ob er Veranstaltungen besuchen wolle. Das gelte auch für die beiden anstehenden Theateraufführungen in Versmold, wo sich mindestens 350 Zuschauer in einem geschlossenem Raum befinden. „Im Augenblick gebe ich niemandem weder eine Zusage noch eine Absage. Aber man muss sicher von Tag zu Tag neu entscheiden.“

Keine Berufsbörse

Bereits abgesagt worden ist die 15. Berufsbörse im DRK-Haus Ravensberg in Borgholzhausen – erstmals nach 15 Jahren. “Die Begründung liegt auf der Hand: Die Bewohner wären bei einer Infizierung durch den Coronavirus im hohen Maße lebensgefährdet. Es gibt jetzt schon in vielen Heimen keine Desinfizierungsmittel mehr, so hieß es ….“, bedauern Christian Hanke-Labasch und Susanne Petersohn vom BO-Team der PAB-Gesamtschule, die gerade noch an die Veranstaltung erinnert hatten.

Israelreise verschoben

Vermutlich ausfallen wird die vom 23. März bis 1. April geplante Israel-Reise der Evangelischen Kirchengemeinde Halle. „Es ist sehr wahrscheinlich, aber noch nicht offiziell“, hofft Pfarrer Tim Henselmeyer, dass Israel seine Grenzen doch noch öffnen sollte. 45 Teilnehmer haben sich auf diese Fahrt unter seiner Leitung vorbereitet. Jetzt soll gegebenenfalls ein Alternativ-Termin im September ins Auge gefasst werden.

Busreisen storniert

Apropos Reisen: Der Versmolder Reisedienst Orth erhält in diesen Tagen mehr Stornierungen als Buchungen. „Allein für diesen Monat haben 135 Personen abgesagt und es werden noch immer mehr“, berichtet Geschäftsführer Robert Orth. Seit Italien Sperrzone ist, sind natürlich sämtliche Touren an die oberitalienischen Seen und Südtirol gecancelt. Das Unternehmen, das allein neun Reisebusse auf Fahrten schickt, sei das einzige in NRW, das Woche für Woche den Kurort Abano-Terme in der Nähe von Padua ansteuere und deshalb Kurgäste aus dem ganzen Land dorthin bringe, sagt Robert Orth. „Und jetzt haben wir jeden Tag Storno, Storno, Storno!“ Er hofft trotz der großen Verunsicherungen, dass seine Kunden noch ein wenig länger abwarten, bevor sie zum Telefonhörer greifen. „Umbuchungen sind noch zwei Wochen vor der geplanten Abreise möglich. Die Storno-Staffeln sind gelockert.“

Lage in Fivizzano

In Steinhagen sind die Großveranstaltungen bereits an den vergangenen Wochen gelaufen – zum Glück: „Weder die Abrissparty der Cronsbachhalle noch die Kirmes würden unter den heutigen Maßgaben stattfinden“, sagt Bürgermeister Klaus Besser. In den nächsten Wochen stehen nur Veranstaltungen mit deutlich unter 1000 Besuchern an: Weder das Kulturwerk noch die Lokalderbys im Handball und Fußball sind – Stand jetzt – gefährdet.

Alltag in Steinhagen – Ausnahmezustand in Steinhagens norditalienischer Partnerstadt Fivizzano. Dort gibt es bestätigte Corona-Fälle und eine klare Empfehlung von Bürgermeister Gianluigi Gianetti, dass Senioren über 65 Jahre die Wohnung nicht mehr verlassen dürfen. Sie müssen sich im Rathaus melden, wenn sie Lebensmittel und Medikamente brauchen. Es gibt keine Wochenmärkte mehr, und im Supermarkt, in den Restaurants und auf öffentlichen Plätzen muss Abstand von einem Meter eingehalten werden.”

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