Auch der Kreis Gütersloh bittet, Kontakte lieber telefonisch zu pflegen
Betretungsverbot in Kitas – Beschränkung in Pflegeheimen

Gütersloh/Halle (WB). Wegen der stark gestiegenen Zahl an bestätigten Coronainfektionen hat der Kreis Gütersloh die Zutrittsmöglichkeiten für Pflegeeinrichtungen und für Kinderbetreuungseinrichtungen stark eingeschränkt.

Samstag, 14.03.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 14.03.2020, 19:24 Uhr
Harte Zeiten auch für Bewohner in Altenzentren: Um sie vor einer Coronainfektion zu schützen, sollten Besuche deutlich reduziert werden. Foto: dpa
Harte Zeiten auch für Bewohner in Altenzentren: Um sie vor einer Coronainfektion zu schützen, sollten Besuche deutlich reduziert werden. Foto: dpa

So gilt von Montag, 16. März, an ein Betretungsverbot für alle Einrichtungen der Kindestagesbetreuung. Abgesehen von wenigen Ausnahmefällen, dürfen Kinder und Eltern sämtliche Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegestellen, heilpädagogischen Kindertageseinrichtungen und Kinderbetreuungen in besonderen Fällen („Brückenprojekte“) nicht mehr betreten.

Davon ausgenommen sind jedoch Kinder, deren Erziehungsberechtigte oder Betreuungsperson eine unentbehrliche Schlüsselperson ist, beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal oder Personal, das in Bereichen der öffentlichen Ordnung oder anderer wichtiger Infrastruktur arbeitet (zum Beispiel Feuerwehr, Rettungsdienst, Versorgungsunternehmen, Lebensmittelversorgung, Justiz etc.).

So hatte es das Ministerium für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) am Freitag angekündigt. Ziel des Betretungsverbotes ist es, die Verbreitung des neuartigen Coronavirus deutlich zu verlangsamen, um die Funktionsfähigkeit des medizinischen Versorgungssystems aufrecht erhalten zu können. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat am Samstagmorgen zur Umsetzung einen Erlass veröffentlicht, der Details der Umsetzung regelt.

Landrat bittet Minister um Klärung offener Fragen

Landrat Sven-Georg Adenauer hatte am Freitag Kontakt mit Minister Stamp (MKFFI) aufgenommen und ihn gebeten, kurzfristig die noch offenen Umsetzungsfragen zu klären. „Ich freue mich, dass das Land so zügig gehandelt hat und wichtige Klarstellungen vorgenommen hat“, sagt Adenauer.

Kinder, deren Eltern in den im Erlass beschriebenen Bereichen insbesondere der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung, der öffentlichen Sicherheit und Ordnung als unverzichtbare Schlüsselpersonen arbeiten und keine anderweitige Betreuung sicherstellen können, werden in der Einrichtung betreut – sofern die Eltern eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers oder Dienstherrn vorlegen, aus der hervorgeht, dass sie zu der Personengruppe gehören, deren Tätigkeit der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie der medizinischen und pflegerischen Versorgung der Bevölkerung und der Aufrechterhaltung zentraler Funktionen des öffentlichen Lebens dient.

Der Kreis Gütersloh hat ein Formular entwickelt, das auf www.kreis-guetersloh.de veröffentlicht wird und auch allen Ordnungsbehörden der Kommunen zur Verfügung gestellt wird. Der Kreis hat die Leitungen aller genannten Kinderbetreuungseinrichtungen gebeten, ihre Einrichtungen zunächst in der normalen Personalbesetzung weiter zu betreiben, bis die Zahl der zu betreuenden Kinder einzuschätzen ist. Der Kreis bittet alle Erziehungsberechtigten, möglichst eine Betreuung der Kinder außerhalb der Kindertageseinrichtungen sicherzustellen, sei es im Wege einer gegenseitigen Unterstützung. „Wenn dies alles nicht gleich am Montag oder Dienstag gelingen sollte, bitte ich die Kindertageseinrichtungen, Kinder nicht abzuweisen, wenn die erforderlichen Nachweise noch nicht vorgelegt werden können und in Einzelfällen glaubhaft erklärt wird, dass es keine anderweitige Möglichkeit einer Betreuung einzelner Kinder besteht. Die Arbeitgeber bitte ich verantwortlich mit der Ausstellung von Unabkömmlichkeitsnachweisen umzugehen“, betont Sven-Georg Adenauer.

Besuche in Pflegeheimen aufs Notwendigste beschränken

In Pflegeheimen sollen Besuche auf ein Minimum beschränkt werden. „Der Schutz älterer, pflegebedürftiger und vorerkrankter Personen vor einer Ansteckung ist nun besonders wichtig“, mahnen Landrat Sven-Georg Adenauer und der Leiter des Krisenstabes Thomas Kuhlbusch zu besonderer Rücksichtnahme, Vorsorge und Umsicht. Daher hat das NRW-Gesundheitsministerium die Kreise und kreisfreien Städte angewiesen, Besuchseinschränkungen für Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe, in denen besonders schutzbedürftige Personen leben, anzuordnen.

Danach sind ab sofort bis zum 19. April Besuche zum Beispiel in Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen auf das Notwendigste zu beschränken. Das heißt, je Bewohnerin oder Bewohner darf im Regelfall eine Person pro Tag zu Besuch kommen. Die Besuche sollen maximal eine Stunde dauern und nur noch im Zimmer stattfinden, also nicht mehr in den Gemeinschaftsräumen. Der Kreis Gütersloh hat die entsprechenden Anweisungen am Samstag, 14. März, gegenüber den Einrichtungen verfügt.

Auch für die Bewohner gibt es Vorgaben

Auch für die Bewohner der Einrichtungen selbst gibt es Vorgaben. Sie sind von der Einrichtung über persönliche Schutzmaßnahmen zu unterweisen und haben diese einzuhalten. Gemeinschaftsaktivitäten mit Externen sind ab sofort untersagt. In allen Einrichtungen sind die Zugänge in die Räumlichkeiten zu minimieren. Zudem soll es eine Besucher- und Mitarbeiterregistrierung geben, so dass gegebenenfalls Kontaktpersonen zum Nachweis von Infektionsketten ermittelt werden können. Personen, die sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet oder einem besonders betroffenen Gebiet entsprechend der jeweils aktuellen Festlegung durch das Robert-Koch-Institut aufgehalten haben, dürfen für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Rückkehr keine der Einrichtungen betreten. Dies gilt auch für Personen, die Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person hatten.

Die Allgemeinverfugung gilt vorrangig für die vollstationären Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe, in denen besonders schutzbedürftige Personen leben, sowie anbieterverantwortete Wohngemeinschaften. Die Verfügung muss ab sofort in den betroffenen Einrichtungen deutlich sichtbar im Eingangsbereich aufgehängt werden.

Lieber mehr telefonischen Kontakt pflegen

„Die Einschränkungen der Besuche sind für viele Bewohnerinnen und Bewohner überaus belastend. Deshalb sollten alle Angehörige und Freunde nun statt der entfallenden Besuche sich mehr Zeit nehmen und den telefonischen Kontakt und Austausch suchen“, bittet der Landrat um Solidarität und Zuwendung. „In dieser herausfordernden Zeit ist es ganz wichtig, dass wir die fehlende räumliche Nähe durch eine stärkere Fürsorge füreinander überwinden.“

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