Nach Stadtrechtejubiläum ist Buch über die Akzisestädte erschienen
Ein „Wumms-Effekt“ vor 300 Jahren

Altkreis Halle/Versmold (WB). Im Vorfeld habe man sich in Historikerkreisen gefragt, ob Erinnerungen an die Verleihung von Stadtrechten überhaupt thematisierungswürdig oder gar jubiläumstauglich seien, sagt Dr. Rolf Westheider. Die Erfahrungen mit der Wanderausstellung im vergangenen Jahr sind dagegen eindeutig. Hier ist es gelungen, in interkommunaler Zusammenarbeit einen meist als trocken empfundenen Stoff lebhaft, zeitgemäß und interessant zu vermitteln.

Samstag, 12.09.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 12.09.2020, 17:10 Uhr
Buchvorstellung am Stadtmodell in Versmold: Als Echo auf das Stadtrechtejubiläum ist nun ein umfassendes Werk über die acht Akzisestädte erschienen. Von links Ulrich Andermann (Historischer Verein), Sebastian Schröder (Autor), Burkhard Beyer (Herausgeber), Mechthild Blaco-Veldtrup (Historische Kommission für Westfalen), Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider, Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann und Co-Herausgeber Johannes Altenberend.
Foto: Johannes Gerhards

Das Jubiläumsjahr begann mit einer vom Historischen Verein und der Historischen Kommission für Westfalen organisierten wissenschaftlichen Tagung im Bielefelder Stadtarchiv, an der mehr als einhundert Interessierte teilnahmen. Die Fachbeiträge dieser Tagung bilden jetzt die Grundlage eines Buches, das Johannes Altenberend und Burkhard Beyer unter dem Titel „Akzisestädte im preußischen Westfalen“ herausgegeben haben.

Halle zahlte für die Stadtrechte einen hohen Preis

Hier werden nicht nur die Ereignisse vor 300 Jahren thematisiert, besonderes Augenmerk liegt auf den kurz- und langfristigen Auswirkungen der Stadtrechtsverleihungen. „Die Akzise hat Versmold gut getan“, betont Rolf Westheider und nennt als Beleg die Zuwanderung der Familie Delius, die ohne verwandtschaftlichen Bezug zur erfolgreichen Leinenproduktion vor Ort beigetragen habe. Dr. Katja Kosubek, Leiterin des virtuellen Geschichtsmuseums „Haller Zeiträume“, sieht das zumindest für ihre Heimatstadt anders. Ihrer Meinung nach zahlte Halle einen hohen Preis für die Stadtrechte, wie sie in ihrem Beitrag „Es triumphierte der kalte Rechengeist“ nachweist.

Außer Werther und Preußisch Oldendorf finden alle übrigen sechs Akzisestädte, darunter Borgholzhausen, Bünde, Enger und Vlotho ausführlich Erwähnung in dem 360 Seiten starken Werk, das mit zahlreichen farbigen Abbildungen punkten kann. Laut Mechthild Black-Veldtrup, Vorsitzende der Historischen Kommission für Westfalen, handelte es sich bei der Akzisereform um ein Konjunkturprogramm für die neuen Städte, bei dem sich der „Wumms-Effekt“ unterschiedlich ausgewirkt habe.

Identifikation im Ravensberger Land gefördert

Sie hebt Versmolds Initiatorenrolle bei der gelungenen Kooperation der Städte hervor und bezeichnet diese als Erfolgsgeschichte. Ulrich Andermann, seit 2019 Vorsitzender des Historischen Vereins, erkennt gute Resonanz in Wissenschaft und Öffentlichkeit. Laut Johannes Altenberend habe das Zusammenwirken der acht Kommunen unter dem Symbol der drei Sparren die Identifikation mit dem Ravensberger Land gefördert. Sein Co-Herausgeber Burkhard Beyer bezeichnet es als absoluten Glücksfall, dass mit Sebastian Schröder ein zum Thema promovierender Autor viel Fachwissen zu Buch und Ausstellung beigetragen habe.

Durch reines Abschreiben werden historische Zusammenhänge laut Rolf Westheider nicht klarer, die zahlreichen neuen Forschungsergebnisse können dagegen zu geänderten Einschätzungen führen. Das gelte auch für das Bild des Absolutismus, in dem Sebastian Schröder bereits einige Risse erkennen kann, was Mechthild Black-Veldtrup mit den Worten „Auch ein absoluter Herrscher musste verhandeln“ unterstützt.

Akzise ist mit heutiger Mehrwertsteuer vergleichbar

Die Beschäftigung mit regionaler Geschichte kann sich fruchtbar auf den Schulunterricht der Gegenwart auswirken. Beispiele finden sich bereits in Vlotho und Versmold, wie Bürgermeister Michael Meyer-Hermann bestätigt. Johannes Altenberend kann sich vorstellen, die Akzise als frühe Steuer auf Verbrauchsgüter mit der heutigen Mehrwertsteuer zu vergleichen. Hintergrundwissen liefern die 13 Autoren des in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienenen Werkes zur Genüge. Die von vielen als unwillkommene Zwangspause empfundenen Folgen der Coronaeinschränkungen hat sich bei der Erstellung offenbar positiv ausgewirkt.

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