Aus der Projektions-Biennale „Lichtsicht“ in Bad Rothenfelde ist eine Triennale geworden
Lichtkunst auf den Salinen

Bad Rothenfelde (WB). Die dunkle Jahreszeit verspricht künstlerische Lichtblicke, die mit ihrer Strahlkraft weit über die Region hinausreichen werden. Vom 23. Oktober 2020 bis zum 21. Februar 2021 findet mit der „Lichtsicht 7“ ein auch in Corona-Zeiten bestens zu genießendes Freiluftereignis statt, das die Organisatoren als „Großes Welttheater“ bezeichnen.

Sonntag, 20.09.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 20.09.2020, 03:30 Uhr
Seerosen sind eine invasive Gattung, die offenbar mutiert ist. Sie scheint sich von der elektromagnetischen Strahlung mobiler Geräte zu ernähren und zu wachsen. Tamiko Thiel arbeitet mit Mittel der „Augmented reality“ und bezieht die Smartphones der Besucher mit ins Geschehen ein. Foto: Tamiko Thiel
Seerosen sind eine invasive Gattung, die offenbar mutiert ist. Sie scheint sich von der elektromagnetischen Strahlung mobiler Geräte zu ernähren und zu wachsen. Tamiko Thiel arbeitet mit Mittel der „Augmented reality“ und bezieht die Smartphones der Besucher mit ins Geschehen ein. Foto: Tamiko Thiel

Das besondere Lichtkunst-Festival in Bad Rothenfelde hat sich nach Angaben der Presserepräsentantin Dr. Sabine Weichel-Kickert komplett neu aufgestellt. Das betrifft die bisher durch private Gelder der Heinrich-W.-Risken-Stiftung gesicherte Finanzierung, die jetzt von der gemeinnützigen Veranstaltungsgesellschaft übernommen wird, ebenso wie das neuformatierte künstlerische Team und den künftigen Drei-Jahres-Turnus. Die „Lichtsicht 7“ will neben Fortsetzung der bisherigen Biennalen vor allem auch ein Neuanfang sein.

Mehr Positionen denn je

Michael Bielicky, der Kurator und künstlerische Leiter, setzt neben renommierten, international bekannten Künstlern erstmalig auch auf innovative studentische Arbeiten. Trotz eines geringer ausfallenden Budgets werden mehr Positionen denn je zu erleben sein. Eine Hauptrolle spielt als überdimensionale Projektionsfläche auf mehr als 10.000 Quadratmetern wieder die Schwarzdornwand der 14 Meter hohen Gradierwerke. Der über einen Kilometer lange Kunstparcours ist mit neuen energieeffizienten Projektoren ausgestattet, die eine deutlich höhere Qualität bei Bildauflösung und Datenverarbeitung versprechen.

Zusätzlich zu den Projektionen wird es in Bad Rothenfelde diesmal auch Arbeiten mit Augmented reality geben, wie die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung auch genannt wird. So entfaltet sich die Kunst beispielsweise auf den Smartphones der Besucher und ermöglicht direkte Einflussnahme auf das künstlerische Geschehen. Gerade in Zeiten von Corona bietet die „Lichtsicht 7“ ein geradezu ideales Format, um hochkarätige Projektionskunst ansteckungsfrei und angstfrei im Freien zu erleben. So kann die Pandemie den fast zum Erliegen gekommenen Kunsttourismus neu beleben, denn die „Lichtsicht“ bietet Kunstgenuss auf Weltniveau abseits der Ballungszentren.

Die an alldem beteiligten Lichtkünstler lassen auf diese Weise eine Reihe atemberaubender, bezaubernder, faszinierender Werke auf der weltweit größten Leinwand entstehen. Ihnen gelingt mit dieser Mischung der Spagat zwischen höchstem intellektuellen Anspruch und bester Unterhaltung für Groß und Klein.

Animation einer menschlichen Figur

Kurator Michael Bielicky, selbst mehrfacher „Lichtsicht“-Teilnehmer, setzt auf asiatisch konnotierte Kunst. Er sieht sich bei der Ergänzung bekannter eurozentrierter Wahrnehmung durchaus in der Tradition seiner Vorgänger Manfred Schneckenburger und Peter Weibel. So zeigt etwa der chinesische Medienkünstler Miao Xiaochun eine datengesteuerte Animation einer menschlichen Figur. Das Mutter-Tochter-Duo Tamiko Thiel und Midori Kono Thiel malt mit ihrer Arbeit „Brush the sky“ die Jahrtausende alte Kulturtechnik der Kalligraphie in den Nachthimmel vor dem Kurmittelhaus.

In einer zweiten Arbeit lässt Tamiko Thiel auf der Teichoberfläche Seerosen zu einer überbordenden Größe mutieren. „Eternal dream“, eine datengesteuerte, interaktive Installation von Simon Weckert und Philipp Weiser, macht den Traum vom Fliegen für jeden Besucher möglich. Max Hattler lässt eine datengesteuerte Pop-up-Wasserprojektion aufleuchten. Die US-amerikanische Künstlerin Natalie Bookchin spiegelt eine geloopte Zeitaufnahme der aktuellen Proteste angesichts systemischer Gewalt gegen farbige Amerikaner. Der Australier Jeffrey Shaw frischt seine Arbeit von 2012 noch einmal auf, und Dongling Wang schlägt den Bogen von 3000 Jahre alter chinesischer Kulturgeschichte bis zur aktuellen Digitalisierung.

Weitere Details zu den übrigen Künstlern und ständige Aktualisierungen finden sich auf der Internetseite www.lichtsicht-triennale.de.

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