>

Sa., 23.03.2013

Polizeibekannter Rechtsextremer als Jurastudent in der Stadtverwaltung Werther tätig Neonazi-Praktikant im Rathaus

Das Rathaus in Werther.

Das Rathaus in Werther. Foto: Margit Brand

Von Marco Purkhart

 

Werther (WB). Sechs Wochen lang hat ein polizeibekannter Rechtsextremist als Praktikant im Rathaus der Stadt Werther (Kreis Gütersloh) gearbeitet. Die Bürgermeisterin der 11500-Einwohner-Kommune hätte das am liebsten verschwiegen.

Sascha Krolzig (25) ist wegen Volksverhetzung vorbestraft. Wer seinen Namen im Internet eingibt, erhält zahlreiche Treffer, die ihn in Verbindung mit der rechtsextremen Szene in NRW bringen. Er war führendes Mitglied der »Kameradschaft Hamm«, die im August 2012 zusammen mit weiteren dieser Gruppierungen verboten wurde. Inzwischen ist Krolzig in der Partei »Die Rechte« aktiv, die unter Beobachtung von Verfassungsschutz und Polizei steht. Die Behörden sehen darin ein Auffangbecken für Mitglieder jener verbotenen Kameradschaften. Krolzig fungiert als Beisitzer im Bundes- und Landesvorstand sowie als Kreisvorsitzender in seinem Heimatort Hamm.

Wegen Körperverletzung verurteilt

Medienberichten zufolge wurde Sascha Krolzig bereits wegen Körperverletzung und Volksverhetzung zu einer Jugendstrafe verurteilt. Beim Nazi-Aufmarsch am 1. Mai in Dortmund soll er ein T-Shirt mit der Aufschrift »Mit Leib und Seele Nazi« getragen haben. Auch in der Online-Enzyklopädie Wikipedia liegt ein Eintrag über ihn vor. Dort wird er als bundesweit aktiver Anmelder und Redner bei rechtsextremen Kundgebungen bezeichnet.

Im Zuge seines Jurastudiums an der Uni Bielefeld absolvierte Krolzig nun ein sechswöchiges Rechtspraktikum im Rathaus der Stadt Werther (Kreis Gütersloh). Dieses Praktikum endete am 15. März. Nach Angaben von Bürgermeisterin Marion Weike (SPD) wurde jedoch erst vier Tage später bekannt, dass Krolzig als Aktivist der rechtsextremen Szene gilt.

Der Grünen-Ratsherr Klaus Rees aus der Nachbarstadt Bielefeld informierte Bürgermeisterin Weike am 19. März über den Hintergrund des Mannes. Bruno Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Wertheraner Grünen, hat nach eigenen Angaben die Bürgermeisterin daraufhin aufgefordert, den Fall publik zu machen. Das habe sie abgelehnt. Hartmann ergriff daraufhin am Donnerstagabend im Stadtrat selbst das Wort. Hartmann zeigte sich dort »erschüttert, dass ein aktiver und aggressiver Neonazi sechs Wochen lang unerkannt im Rathaus ein Praktikum machen konnte« und forderte Weike zu einer Stellungnahme auf.

Die Bürgermeisterin erklärte daraufhin, dass der Mann keinen Zugang zu sensiblen Daten gehabt habe. Auch sei er in keiner Weise aufgefallen, die auf einen radikalen Hintergrund hätte schließen lassen. Als Praktikant nahm er laut Weike an Terminen und Sitzungen teil und wertete zwei Bauangelegenheiten aus rechtlicher Sicht aus. »Mit sensiblen sozialen Themen oder gar Ausländer-Fragen hatte er nichts zu tun«, sagt die Bürgermeisterin dieser Zeitung. Krolzig habe kein Geld für seine Arbeit bekommen.

Bürgermeisterin findet Vorfall »bedauerlich«

Marion Weike bezeichnet den Vorfall im Nachhinein als »bedauerlich«. Die Volljuristin macht jedoch darauf aufmerksam, dass es nicht zulässig sei, einen Bewerber aufgrund seiner politischen Orientierung abzulehnen. »Ich dürfte im Vorstellungsgespräch auch nicht fragen, ob der Kandidat einer Partei angehört«, sagt Weike.

Am 7. Februar stellte die Bürgermeisterin den damaligen Praktikanten namentlich im Stadtrat vor. Weike: »Der Name hat den Ratsmitgliedern ebenso wie mir nichts gesagt, sonst hätte wohl jemand einen Hinweis gegeben.«

Sascha Krolzig reagiert auf Nachfrage dieser Zeitung betont gelassen. »Ich bin mit der Bürgermeisterin und dem Team im Rathaus sehr gut ausgekommen. Frau Weike wusste wohl nichts über meinen Hintergrund, sonst hätte sie mich darauf sicherlich angesprochen«, sagte er. Er wertet seine Arbeit in der Stadtverwaltung als ein Stück Normalität. »Ich habe mich nicht mutwillig in eine Behörde eingeschleust. Dieses Praktikum war nur Bestandteil meiner beruflichen Ausbildung zum Juristen«, sagt Krolzig.

Diese Zeitung konfrontierte ihn mit den Vorhaltungen der Grünen, er sei »ein aktiver und aggressiver Neonazi«, der wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestraft sei. Krolzig widersprach diesen Einschätzungen nicht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4781505?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198389%2F2516078%2F