Mo., 01.04.2019

SPD-Ortsverein feiert 100-Jähriges - 1919 gab es in Werther acht Bauern- und Landarbeiterräte Zigarrenarbeiter bilden die Keimzelle der SPD

Ingo Hundertmark, Bodo Brinkmann, Kerstin Weike, Anke Wadewitz, Annette Mielke-Gockel, Wilfried Kipp-Weike, Helga Lange, Gert Klages und Erika Sahrhage (von links) bilden den Vorstand des Ortsvereins und freuen sich über die vielen Glückwünsche.

Ingo Hundertmark, Bodo Brinkmann, Kerstin Weike, Anke Wadewitz, Annette Mielke-Gockel, Wilfried Kipp-Weike, Helga Lange, Gert Klages und Erika Sahrhage (von links) bilden den Vorstand des Ortsvereins und freuen sich über die vielen Glückwünsche. Foto: Sara Mattana

Von Sara Mattana

Werther (WB). Im Haus Werther war in bis ins frühe 20. Jahrhundert eine Zigarrenfabrik untergebracht. Passend also, dass die SPD dort ihren 100. Geburtstag feierte – schließlich waren es Zigarrenarbeiter, die den Grundstein für den Ortsverein Werther legten.

Die Arbeiter brachten schon in den 1870er-Jahren den Stein ins Rollen, bevor 1919 die Wertheraner SPD gegründet wurde. Und obwohl sich die Zeiten und Umstände seitdem immer wieder erheblich verändert haben, ist eines doch gleich geblieben: »Der Ortsverein steht für eine klare Haltung, Glaubwürdigkeit und Kontinuität. So etwas wünschen wir uns auch auf Bundesebene«, sagte Bundestagsabgeordnete Elvan Korkmaz im Rahmen der Feierstunde am Freitagabend. Sie erinnerte daran, dass es nicht nur die standhaften Zigarrenarbeiter waren, die damals trotz erheblicher Widerstände für die SPD gekämpft haben: »1933 sollten Straßen in Werther umbenannt und zum Beispiel die Bielefelderstraße zur Adolf-Hitler-Straße werden. Ein Sozialdemokrat ist aufgestanden, um Protest zu äußern, einen Tag später wurden alle Sozialdemokraten entlassen. Das zeigt, dass die SPD hier schon immer standhaft war«.

Gäste singen gemeinsam »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit«

Etwa 70 Besucher sind zur Jubiläumsfeier gekommen, darunter auch ehemalige Vorsitzende wie Dieter Schubmann-Wagner. Sie alle nutzten die Gelegenheit auch gerne, um gemeinsam zu singen. So stimmten sie mit Musiker Martin Roloff »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit« und »Wann wir schreiten Seit an Seit« an.

Doch auch ein Blick in die Geschichte sollte nicht fehlen: Neben den vor einigen Jahren von Gerda und Bodo Brücher zusammengestellten Informationstafeln bot auch der Vortrag von Anja Kruke viele historische Eindrücke. So berichtete die Vertreterin der Friedrich-Ebert-Stiftung von der kriegsmüden Gesellschaft um 1918, dem Matrosenaufstand, den konkurrierenden Republikgründungen in Berlin und von den überall entstehenden Arbeiter- und Soldatenräten. Allein in Werther gründeten sich 1919 acht Bauern- und Landarbeiterräte, quasi in jedem kleinen Ortsteil einer. »Seit dieser Gründungsbewegung hat sich die gesellschaftliche Umgebung komplett verändert. Und die SPD Werther hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich auch diesen Entwicklungen zu stellen«, sagte Anja Kruke.

Auch Sally Lisa Starken und Micha Heitkamp als Kandidaten für das Europaparlament gratulierten dem Ortsverein. »Die Ortsvereine bleiben das Herzstück und der Erfolgsfaktor der SPD, denn sie wissen immer, was vor Ort passiert. Vor allem auf den Ortsverein Werther kann man immer zählen. Und wenn alle Ortsvereine so aktiv wären, ginge es der SPD auch auf Bundesebene ein ganzes Stück besser«, lobte Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar. Aus den Nachbarkommunen gratulierten SPD-Vertreter aus Borgholzhausen und Steinhagen, auch Vertreter anderer Parteien aus Werther waren zugegen. Bei einem leckeren Buffet wurden bis in den späten Abend über alte Zeiten und Aufgaben der Zukunft diskutiert.

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