Fr., 12.07.2019

Nach Drama mit drei Toten in Werther-Theenhausen: So haben Nachbarn die Verhältnisse in der Familie erlebt »Dirk hat nie Widerworte gegeben«

Nicht mehr abgesperrt: In diesem Haus hat Dirk W. seine Eltern (93/87) getötet und sich anschließend umgebracht.

Nicht mehr abgesperrt: In diesem Haus hat Dirk W. seine Eltern (93/87) getötet und sich anschließend umgebracht. Foto: Hendrik Fahrenwald

Von Hendrik Fahrenwald

Werther-Theenhausen (WB). Zum Geburtstag grillt der Sohn für seinen Vater. Das ist genau vor einer Woche. Es ist die letzte Familienfeier. Fünf Tage später tötet Dirk W. seinen Vater Gustav W. (93) und Mutter Margret W. (87) und nimmt sich anschließend das Leben.

93 Jahre alt ist sein Vater am vergangenen Freitag geworden. Um den Geburtstag im kleinen Familienkreis und mit Nachbarn zu Hause zu feiern, kommt Dirk W. mit seiner Frau und seinen Kindern aus Bielefeld. Die Salate für den Abend haben sie schon vorbereitet, wie so oft, wenn ein großes Essen ansteht. Zur Feier kommen sie ein letztes Mal alle zusammen. Auch die Nachbarn gratulieren.

Meist besucht Dirk W. sonst seine Eltern alleine. Der 55-Jährige ist Einzelkind, hilft Mutter und Vater bei täglichen Aufgaben. Mit Margret geht er einkaufen, erledigt Arztbesuche. Mehrmals in der Woche fährt er von seinem Haus aus Bielefeld zum Elternhaus nach Theenhausen.

Nie viel Privates

Ab und zu kommt eine seiner Töchter mit. Sie kümmern sich dann zusammen um den Garten. Dort, wo Vater und Opa Gustav hier und da noch ein paar Erdbeeren pflückt. So erzählen es die Nachbarn.

Bei der Post arbeitet Dirk W. nicht mehr. Er leidet schon länger unter Hautkrebs. Wie es ihm oder seinen Eltern gesundheitlich geht, wissen in Theenhausen nicht viele. »Sie waren sehr verschwiegen. Margret hat nie viel Privates erzählt«, sagt eine Nachbarin. Die meisten in dem kleinen Ort kennen sie dennoch gut. Schließlich ist Margret W. in dem Haus ihrer Mutter aufgewachsen, wohnt dort schon ihr Leben lang und hat in der wenige hundert Meter entfernten Bäckerei Welter jahrelang gearbeitet.

Nie ins Heim

Doch wie konnte es so plötzlich zu diesem tödlichen Familiendrama kommen? Bekannt ist in der Nachbarschaft, dass Gustav W. nicht ins Pflegeheim wollte. Denn trotz der Situation, dass er sich nicht mehr alleine mit seiner Frau um sich selbst und das Haus kümmern konnte, soll er bei der Geburtstagsfeier einer Bekannten gesagt haben, dass man ihn niemals aus seinem Haus heraus bekäme. Gustav W. hat selbst miterlebt, wie seine Schwester in ein Heim gekommen ist. »Er konnte es nicht verstehen, dass die ins Heim geschickt wurde«, sagt eine Nachbarin. W. war gelernter Zimmermann und hat später bei der Post gearbeitet, wie sein Sohn.

Beide sind auch mal verschiedener Meinung, ist zu hören. Doch dann bleibt der Sohn vor dem Vater stumm. »Dirk hat Gustav nie Widerworte gegeben«, hat Mutter Margret mal Nachbarn erzählt. Er habe immer nur »Ja, Papa« gesagt.

Nie ein schlechtes Wort

Einige Theenhausener haben das Eltern-Sohn-Verhältnis so erlebt, als hätten Mutter und Vater den Dirk wie einen Dienstboten behandelt. Für andere in der Nachbarschaft passt das allerdings nicht zu dem Bild, was sie von der Familie haben. Jeden zweiten Tag sei Dirk W. nach Theenhausen gekommen. Vielleicht reichte das den Eltern nicht. »Sie hätten Dirk am liebsten die ganze Zeit bei sich gehabt«, sagen Nachbarn. Wusste Dirk W., dass das nicht geht und fand keinen anderen Ausweg?

»Der Dirk war ein ganz Lieber«, heißt es in der Nachbarschaft. In anderen Dingen hätte Gustav ganz anders als sein Sohn reagiert. Margret habe nie ein schlechtes Wort verloren. »Sie hätte nie etwas über ihren Mann und Sohn verlauten lassen«, sagen Nachbarn. Wie auch immer: Das Motiv der furchtbaren Tat bleibt unklar. Auch die Ermittler sagen am Donnerstag nichts Neues.

Lesen Sie auch den Artikel: »Geständnis am Telefon? Bielefelder (55) soll nach dem Mord an seinen Eltern in Werther einen Freund angerufen haben«

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