Sa., 13.07.2019

Kommentar zu Werthers Zukunft Gefahr für den Einkaufsstandort

Ein Mann trägt Einkaufstaschen durch die Stadt.

Ein Mann trägt Einkaufstaschen durch die Stadt. Foto: dpa

Von Stefan Küppers

Wenn nicht alles täuscht, dann wird Werther in den nächsten Monaten eine der interessantesten, aber auch wichtigsten Debatten der vergangenen Jahre erleben. Denn es steht die Zukunft des Einkaufsstandortes auf dem Spiel. Und dieser Kampf (Ja, es ist ein Kampf, weil hier unterschiedliche und kaum versöhnliche Interessen gegeneinander stehen) wird auf gleich mehreren Schauplätzen ausgetragen.

Die Werbegemeinschaft hat gerade noch rechtzeitig gemerkt, dass stilles Abwarten und das Vertrauen auf politische Beschlüsse voller Weisheit der falsche Weg sein könnte. Mit der Befragungsaktion unter Kunden über den Wegfall von Parkplätzen, die Sperrung einer zentralen Verbindung für Pkw sowie die Umstrukturierung der Hauptgeschäftsstraße in eine Einbahnstraße ist das Thema aus den eher mit Interessenvertretern und politischen Spezialisten besetzten ISEK-Gesprächsrunden auf eine breitere Ebene gezogen worden. Die Sorgen der Geschäftsleute sind jedenfalls deutlich artikuliert. Das ist aus Sicht des Handels schon mal wichtig, auch wenn die derzeit mangelnde Versorgung von Geschäften mit Befragungslisten Fragen nach der Organisation aufwirft.

Debatte wird gebraucht

Werther braucht die Debatte zur Zukunft des Einkaufsstandortes. Denn zur Diskussion über Verkehrs- und Parkregelungen in Werthers »guten Stuben« wie Alter Markt, Venghauss-Platz oder eben auch Ravensberger Straße kommt parallel das Aldi-Problem hinzu. Bekanntlich will der Discounter mit seinen Verkaufsflächen kräftig wachsen und sieht dafür an seinem bisherigen Standort neben dem Rewe-Markt keine Chance. Stattdessen will der Aldi auf dem H.-W.-Meyer-Gelände an der Engerstraße neu bauen, quasi gegenüber vom Rossmann-Markt. Was eine solche weitere Stärkung der innerörtlichen Umgehungsstraße mit parkfreundlichen Supermärkten für den restlichen Einzelhandel in der Innenstadt bedeuten könnte, ist bislang nicht mal ansatzweise ermittelt worden.

Der Umsatzkuchen wächst kaum

Im benachbarten Halle hat die BBE-Handelsberatung in der dortigen Aldi-Neubau-Diskussion kürzlich auch Zahlen der Märkte in der Umgebung genannt. Demnach kommen Rewe und Aldi in Werther derzeit auf einen Jahresumsatz von etwa 10 Millionen Euro. Wenn der Aldi demnächst flächenmäßig um runde 50 Prozent wachsen würde und zudem das 800 Quadratmeter große Ladenlokal neben dem Rewe durch einen neuen (Discounter-)Markt besetzt würde, kann man sich ausrechnen, was an Umsätzen aus Werthers Innenstadt an die Peripherie Engerstraße verlagert würde. Denn der Umsatzkuchen in einer Kleinstadt wächst kaum, wird dafür aber neu verteilt. Für Werthers altes Zentrum blieben da nur Brosamen übrig, aber keine starke Zukunftsperspektive. In einer immer schwächer werdenden Geschäftelandschaft braucht man dann natürlich nicht mehr so viele Parkplätze wie heute. Aber sollen das die Aussichten für den Einkaufsstandort sein?

 

 

 

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