Do., 12.09.2019

Grund ist Kaufzurückhaltung bei Kunden – Gewerkschafterin warnt vor Krisen-Gerede Kurzarbeit bei Poppe + Potthoff

Von Stefan Küppers

Werther (WB). Werthers Traditionsunternehmen Poppe + Potthoff hat bei der Arbeitsagentur für seine Belegschaft im P+P Rohrwerk vorübergehend Kurzarbeit angemeldet. Damit reagiert das Unternehmen auf eine Entwicklung, die auch bereits bei anderen Unternehmen in der Region zu ähnlichen Maßnahmen und Einschnitten geführt hat.

Kurzarbeit hat es in der 91-jährigen Geschichte des Unternehmens in Werther immer wieder mal gegeben. Diesmal wird die Auftragszurückhaltung bei Kunden als Grund von P+P angeführt. »Es ist kein Wegbrechen von Produktbereichen oder Kunden zu beobachten, sondern einzig eine starke Verunsicherung und Kaufzurückhaltung. Daher wird die Kurzarbeit als Maßnahme zur Sicherung der Arbeitsplätze auch in Zeiten geringer Produktionsauslastung auch nur solange bestehen bleiben, bis sich das gesamtkonjunkturelle Umfeld wieder zum Positiven wendet«, erklärte am Donnerstag Dr. Bengt Henning Maas, Geschäftsführer des Rohrwerks.

Kunden bauen aufgrund von Verunsicherung erst Lagerbestände ab

Im Rohrwerk werden Vorprodukte für Komponenten in Nutzfahrzeugen, PKWs und der allgemeinen Industrie hergestellt. Um Lieferzeiten zu verkürzen, hätten sich viele Kunden Lager eingerichtet, die nun abgebaut würden, wird vom Unternehmen erklärt.

Geschäftsführer Maas fügt hinzu: »Wir sind auf diese Zyklen eingerichtet. Sind sie jedoch sehr stark ausgeprägt, stellen wir uns gemeinsam mit dem Betriebsrat schnell darauf ein. Wir sind froh, dass uns der Gesetzgeber mit der Kurzarbeit die Möglichkeit gibt, die Arbeitsplätze zu erhalten.« Die 170 Mitarbeiter im Rohrwerk seien im unterschiedlichen Maße von den reduzierten Arbeitszeiten betroffen, die zunächst bis zum Jahresende gelten sollen.

Das sagt die Gewerkschafterin

Obwohl in dieser Woche auch beim Automobilzulieferer Schaeffler in Steinhagen Kurzarbeit eingeführt wurde und bei Koyo in Künsebeck wegen Problemen im Automotive-Bereich Anfang August Verhandlungen mit der Gewerkschaft über ein Kostensenkungsprogramm begonnen wurden, hält es Ute Herkströter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall in Bielefeld, für verfehlt eine Krise herbeizureden. Herkströter: »Wir reden nicht von Beschäftigungsabbau, aber von wirtschaftlichen Bedingungen, die sich verändern. Auch Berufsbilder werden sich ändern.« Man solle bloß nicht in Panik geraten, Kurzarbeit sei ein legitimes Mittel, um gewisse Zeiten zu überbrücken. Im Zulieferbereich habe ein Transformationsprozess eingesetzt, auf den Unternehmen unterschiedlich vorbereitet seien, so Herkströter.

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