Buchpreisträger kommt im März 2020 zur Lesung nach Werther
Mit Stanisic ins Schwarze getroffen

Werther (WB). »Klasse! Wir freuen uns, dass wir den richtigen Riecher hatten!«, sagt Ellen Elbracht von der Buchhandlung »Lesezeichen« in Werther. Schon vor Monaten hatte sie Autor Sasa Stanisic für den 17. März 2020 zu einer Lesung in Werther »verpflichten« können. Der hat jetzt obendrein den Deutschen Buchpreis erhalten.

Mittwoch, 16.10.2019, 08:00 Uhr
Nadine Bihlmayer (links) und Ellen Elbracht von der Buchhandlung »Lesezeichen« in Werther freuen sich auf Sasa Stanisic. Der jetzt mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Autor ist am 17. März 2020 im Haus Werther zu Gast. Foto: Volker Hagemann
Nadine Bihlmayer (links) und Ellen Elbracht von der Buchhandlung »Lesezeichen« in Werther freuen sich auf Sasa Stanisic. Der jetzt mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Autor ist am 17. März 2020 im Haus Werther zu Gast. Foto: Volker Hagemann

Als Ellen Elbracht den aus Bosnien stammenden Autor für diesen Termin der kommenden Reihe »Bücherfrühling« gewinnen konnte, konnte sie von der speziellen Dankesrede Sasa Stanisics im Frankfurter Römer natürlich noch nichts ahnen. Die bot, wie am Dienstag im WB berichtet, einen Knalleffekt in Form eines kräftigen Seitenhiebs gegen seinen Schriftstellerkollegen und Nobelpreisträger Peter Handke. Doch der Reihe nach.

Stanisics Roman gehörte schon im März zu den Buchempfehlungen in Werther

Als Sasa Stanisic am 18. März dieses Jahres seinen neuen autobiografischen Roman »Herkunft« veröffentlichte, gehörte Buchhändlerin Ellen Elbracht zu den ersten, die das Buch »regelrecht verschlungen« haben, wie sie sich erinnert. »Ich habe es seinerzeit sofort auf unsere Bestenliste der persönlichen Buchempfehlungen gesetzt«, berichtet sie im WB-Gespräch.

In »Herkunft« schreibt Stanisic über »den Zufall, irgendwo geboren zu sein, und was danach kommt«. Der 1978 im damaligen Jugoslawien geborene Autor, der seit 1992 in Deutschland lebt, beschreibt darin seine Kindheit und Jugend, erinnert sich an »den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem die Bundesregierung die Grenzen nicht schloss und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.«

Ich finde es gut, dass er so klare Worte gewählt hat.

Buchhändlerin Ellen Elbracht über die Kritik Sasa Stanisics an Peter Handke

Ellen Elbracht schwärmt: »Sasa Stanisic benutzt im Buch eine Sprache, eine Ausdrucksweise, die überwältigend ist.« Und auch Literaturkritiker Denis Scheck nannte den Roman »eines der intelligentesten, geistsprühendsten und formal innovativsten Bücher dieses Frühjahrs«. Dass Autor Stanisic im Rahmen der Verleihung des Deutschen Buchpreises am Montag gegen Autor Peter Handke wetterte, beeindruckt Ellen Elbracht: »Ich finde es gut, dass er so klare Worte gewählt hat.« Handke hatte zuvor den Literatur-Nobelpreis erhalten. Für seine Verteidigung etwa von Kriegsverbrecher Slobodan Milosevic und weitere Texte in diesem Zusammenhang wird er von zahlreichen Seiten scharf kritisiert. So sagte Sasa Stanisic bei seiner eigenen Preisverleihung: »Ich freue mich wirklich immens über diesen Preis. Es gab aber einen anderen Preis, der diese Konzentration gestört hat.« Damit nahm er Bezug auf die Auszeichnung für Peter Handke.

Neuerscheinung »Herkunft« ist auch in Werther heiß begehrt

Sasa Stanisics Neuerscheinung »Herkunft« sei auch in Werther heiß begehrt, berichtet Ellen Elbracht. »Auch vor dem Hintergrund, dass sich in unserer Stadt viele zugunsten geflüchteter Menschen engagieren.« Auf die Lesung freue sie sich besonders. »In Osnabrück, meiner alten Heimat Niedersachsen, waren alle vier Lesungen mit Sasa Stanisic ruckzuck ausverkauft. Das spricht doch für sich.«

Die Lesung in Werther – wie gewohnt in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek – beginnt am Dienstag, 17. März 2020, um 20 Uhr im Haus Werther. Die Besucher sind bei einem Glas Wein auch eingeladen, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Karten für 15 Euro gibt es in der Buchhandlung, Telefon 0 52 03/88 44 63.

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