Di., 03.12.2019

Prof. Oliver Krüger erklärt in Werther anhand großformatiger Fotos die Welt der Arktis „Was man kennt, schützt man eher“

Immer früher im Jahr schmilzt das Eis in der Arktis. Für Eisbären wird es daher zunehmend schwieriger, auf Robbenfang zu gehen. Inzwischen versuchen sich die Raubtiere sogar schon in der Jagd nach Saiblingen im Wasser.

Immer früher im Jahr schmilzt das Eis in der Arktis. Für Eisbären wird es daher zunehmend schwieriger, auf Robbenfang zu gehen. Inzwischen versuchen sich die Raubtiere sogar schon in der Jagd nach Saiblingen im Wasser. Foto: Oliver Krüger

Von Volker Hagemann

Werther (WB). Mehr als 20 Mal reiste er bislang in die Arktis, weitere mehr als 20 Reisen führten ihn an genau das andere „Ende der Welt“, in die Antarktis. In seinem Vortrag am Dienstag, 3. Dezember, in Werther will Professor Oliver Krüger Begeisterung für die ganz besondere Tier- und Pflanzenwelt der Arktis wecken – und auf diese Weise ein noch größeres Verständnis für ein höchst empfindliches Ökosystem.

Solche Extremregionen faszinieren den in Werther Geborenen. „Sie sind wunderschön, aber sie sind auch bedroht“, sagt Krüger. Er weiß um die besondere Gratwanderung: „Zwar findet man an den Polen einige der letzten unberührten und unerforschten Wildnisregionen der Erde, die vom Massentourismus noch verschont sind. Und der Mensch ist dort ein Stück weit ein Störenfried“, sagt Oliver Krüger, der an der Uni Bielefeld Verhaltensforschung lehrt. „Doch in begrenztem Maße sollte man diese Regionen eben doch den Menschen näher bringen – wie in meinem Vortrag. Denn die Erfahrung zeigt: Nur, was die Menschen kennen, sind sie auch bereit zu schützen.“

Unterwegs mit der “Polarstern”

Solches Wissen vermittelt er etwa den Teilnehmern an Bord von Schiffsreisen in die Arktis, kommende Woche bricht er erneut dazu auf. Auch auf Forschungsschiffen wie dem deutschen Eisbrecher „Polarstern“ nimmt Krüger immer wieder an Expeditionen teil.

Im VHS-Vortrag in Werther heute Abend zeigt Oliver Krüger, begeisterter Fotograf, ausschließlich eigene Aufnahmen. Er erklärt: Wie tickt das dortige Ökosystem? Warum ist es dort so kalt? Woher kommen Algen und Heringe?

Mehr als nur Eisschollen

Schnell wird klar: Die Arktis besteht nicht nur aus Eisschollen. „Zwischen Norwegen, Island, Russland und dem Nordpol gibt es eine mannigfaltige Tier- und Pflanzenwelt. Im Frühjahr sorgen Kiesellagen für eine besondere Blüte, später zeigt sich leuchtend roter Bewuchs von Weiden“, zählt Krüger auf. „Auf Felsklippen leben Millionen Vogel-Brutpaare, und natürlich geht es auch um Robben und um den Eisbären.“

Der sei längst stark bedroht – Stichwort Klimawandel: „Das Eis bricht von Jahr zu Jahr früher auf, lässt Eisbären immer weniger Zeit zur Robbenjagd.“ So zeigt Krüger auch dramatische Bilder wie das des abgemagerten Eisbär-Weibchens, das verzweifelt versucht, im ungewohnten Fels Rentiere zu jagen.

Ein Fünkchen Hoffnung

Der Forscher vermittelt gleichzeitig ein Fünkchen Hoffnung: „Die Eisbären beginnen seit kurzem, Saiblinge zu fangen. Aber diese Umstellung dauert Generationen.“ Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Storck-Haus, Alte Bielefelder Straße 14.

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