Walbaum’sches Haus: Klaus Melzig will sich vom renovierten Denkmal in Werther trennen
Neuer Eigentümer gesucht

Werther (WB). Er hat viel Herzblut in die Sanierung des Walbaum’schen Hauses in Werther gesteckt und es aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Nun will sich Eigentümer Klaus Melzig von dem Denkmal am Venghauss-Platz trennen und sucht einen Käufer.

Samstag, 15.02.2020, 08:09 Uhr
Für 890.000 Euro wird das Walbaum’sche Haus seit kurzem auf einem regionalen Immobilien-Portal angeboten. Eigentümer Klaus Melzig hatte es 2008/2009 aufwändig saniert. Jetzt will er sich von der Immobilie trennen. Foto: Margit Brand
Für 890.000 Euro wird das Walbaum’sche Haus seit kurzem auf einem regionalen Immobilien-Portal angeboten. Eigentümer Klaus Melzig hatte es 2008/2009 aufwändig saniert. Jetzt will er sich von der Immobilie trennen. Foto: Margit Brand

Und der soll sich tunlichst genauso in das Fachwerk-Gemäuer verlieben, wie er es selbst vor gut zwölf Jahren getan habe, sagt der 53-Jährige. “Dieses Haus ist kein Spekulationsobjekt”, stellt er klar, dass er nicht um jeden Preis verkaufen will. Es gehe ihm nicht um Rendite, sondern darum, das Walbaum’sche Haus in neue, gute Hände abzugeben. „Es ist fertig und gut in Schuss. Ich kann ihm nichts Gutes mehr tun”, beschreibt Melzig seine Intention. Als Immobilienbesitzer wolle er seinen Bestand lediglich verschlanken.

Kaufpreis 890.000 Euro

Aktuell wird das älteste Haus in der Wertheraner Innenstadt – bei der Sanierung wurde eine Inschrift von 1621 gefunden – für 890.000 Euro angeboten. Wenn der Eigentürmer auch wechselt: Ändern soll sich sonst nichts. Alle Mieter - neben der Tapas-Bar Momentos und dem „Lessi”-Laden für schöne Dinge sind im Obergeschoss der Finanz- und Versicherungsdienstleister Heidemann sowie eine Nachhilfeschule ansässig – sollen und wollen, so Melzig, auch weiterhin in diesem stadtbild-prägenden Domizil bleiben. 500 Quadratmeter bietet das Haus in seinen verschiedenen Einheiten vom Keller bis zum Dach, seitdem es 2008/2009 vollsaniert wurde.

Melzig machte damals dort weiter, wo der Vorbesitzer bei der Entkernung des denkmalgeschützten Hauses aufgehört hatte. Der Dornröschenschlaf war damit beendet, denn zuvor hatte das Walbaum’sche Haus über viele Jahre leer gestanden und war dem Verfall preis gegeben.

Spannende Historie

In der ausklingenden Jugendstilzeit verschwanden auch in Werther viele alte Bauernhäuser ganz; die verbliebenen wurden gern weiß übertüncht. So verdeckte auch am Walbaum’schen Haus Putz das blutrot gestrichene Gebälk. Dass das Gebäude zu früheren Zeit nicht nur optisch prägend mitten im Ort war, sondern hier auch viele Fäden zusammen liefen, sah man ihm in den 90-er Jahren nicht mehr an. Dabei gehörte es bis 1800, als die Flachs- und Leingarnindustrie ihre Blütezeit erlebte, zu den bedeutendsten Handelshäusern der Stadt.

Der Vier-Ständer-Fachwerkbau wird auf das 17. Jahrhundert datiert. Die Familie Stute soll ihn einst errichtet haben. Heinrich Stute (1599-1670) war Bürgermeister der Stadt. Im Friedensjahr 1648 ließ sich Henrich Walbaum in Werther nieder. Mutig setzte er seine Geschäftsidee um, Leinsamen zur Saat im Baltikum besorgen – ein damals nicht ungefährliches Unterfangen. Daheim nämlich erntete man den Flachs früh, um feinere Fasern zu bekommen, mit der Folge, dass sich keine Samen bilden konnten. Das Geschäft florierte, die Familie wurde durch Zukäufe zum größten bürgerlichen Grundbesitzer in Werther.

An Hof Overbeck kein Interesse

Flachs und Leinen verloren an Bedeutung, aber bis heute ist ein weltbekanntes Produkt mit diesem Haus verwandt: die Champagner-Marke Heidsieck. Denn Peter Henrich Walbaum (1732-1796) heiratete Regina Heidsiek. Ihr Sohn ging später nach Frankreich und begründete die Sektkellerei Walbaum-Heidsiek, wie in Werthers Chronik nachzulesen ist.

Vielleicht sind es auch die historischen Geschichten, die für Klaus Melzig den Charme des Hauses ausmachen und ihn vor zwölf Jahren bewogen, den aufwändigen Umbau zu einem zeitgemäßen Geschäftshaus mit Gastronomie in Angriff zu nehmen. Melzig erklärt im WB-Gespräch, dass er sich als Liebhaber alter Gemäuer auch intensiv mit dem Haus Overbeck beschäftigt habe. Das sucht ja bekanntlich weiterhin nach einem Investor. Doch in diesem Falle sei der Funke leider nicht übergesprungen, sagt Melzig und denkt dabei auch an düstere Kapitel in der Historie dieses Bauernhauses.

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