In Kampfkandidatur nominieren Grüne in Werther den gut vernetzten „hauptberuflich Ehrenamtlichen“
Schmolke soll Bürgermeister werden

Werther (WB). Werthers Grüne haben sich in der Frage einer Bürgermeister-Kandidatur Zeit gelassen, Gespräche mit insgesamt vier Kandidaten geführt und sich schließlich in einer Kampfabstimmung entschieden: Der in Werther gut bekannte Grünen-Ratsherr Thorsten Schmolke (55) wird sich bei den Wählern um den Chefsessel im Rathaus bewerben.

Mittwoch, 19.02.2020, 20:00 Uhr
Nach der Wahl, bei der sich Thorsten Schmolke (Mitte) gegen Andreas Steffens durchgesetzt hat, gratulieren der Fraktionschef im Stadtrat, Dr. Walter Arnold, sowie Ortsvereinssprecher Thomas Heidemann (rechts) dem neuen Bürgermeister-Kandidaten. Foto: Die Grünen
Nach der Wahl, bei der sich Thorsten Schmolke (Mitte) gegen Andreas Steffens durchgesetzt hat, gratulieren der Fraktionschef im Stadtrat, Dr. Walter Arnold, sowie Ortsvereinssprecher Thomas Heidemann (rechts) dem neuen Bürgermeister-Kandidaten. Foto: Die Grünen

Thorsten Schmolke setzt sich mit 13:6 Stimmen gegen Andreas Steffens durch

Bei einer nicht öffentlichen Mitgliederversammlung am Dienstagabend setzte sich Schmolke mit 13:6 Stimmen gegen den zweiten internen Bewerber Andreas Steffens durch. Steffens, der kein Mitglied der Grünen ist, ist Ingenieur für Wassertechnik und war als Kandidat nach Auskunft des Ortsvereinssprechers Thomas Heidemann unter anderem auch deshalb empfohlen worden, weil der Friedrichsdorfer schon mal in Werthers Stadtverwaltung tätig war. „Andreas Steffens hat sich gut präsentiert“, lobte Heidemann sein Auftreten. Gespräche mit zwei weiteren Kandidatinnen, die nicht aus Werther kamen, hätten zu keinem Ergebnis geführt, berichtete Heidemann.

Thorsten Schmolke selbst hebt im Gespräch mit dem WB hervor, dass eine Bürgermeister-Kandidatur an ihn herangetragen worden sei. „Ich hatte das bis zum vergangenen Herbst gar nicht auf dem Schirm“, verriet Schmolke. Doch jetzt hat der Sprecher des Grünen-Kreisverbandes nicht nur Lust auf Wahlkampf, er traut sich das Amt des Verwaltungschefs auch selbstbewusst zu und begründet dies vor allem mit politischer Erfahrung und Vernetztheit auf vielen politischen Ebenen (Kreis, Bezirksebene, Landschaftsverband bis hin zum Städte- und Gemeindebund), die ihm den Blick weit über den Wertheraner Tellerrand hinaus verschafft habe.

Gebürtiger Schwabe hat Geschichts- und Literaturwissenschaften studiert

Der Werdegang von Thorsten Schmolke, der seit 1997 in Werther lebt, ist nicht gewöhnlich. Der Vater zweier Kinder (17 und 28 Jahre alt) sowie seit Neuestem auch Großvater ist seit 33 Jahren mit Werthers Kantorin Susanne Schmolke verheiratet. Der gebürtige Schwabe (er wuchs in der Kleinstadt Schweigern bei Heilbronn auf) hat Geschichts- und Literaturwissenschaften in Bielefeld bis zum Abschluss Magister studiert.

In diesen Bereichen hat Schmolke jedoch selbst nie gearbeitet. Die Schmolkes entschieden aufgrund familiärer Umstände, dass die Frau das Haupteinkommen erzielt. Thorsten Schmolke, der heute auch als privater Musiklehrer wirkt, stieg 2007 in die Kommunalpolitik ein und ist seither mit immer mehr Aufgaben betraut worden, die sich zu einem politischen Vollzeitjob summieren. „Ich bin hauptberuflich Ehrenamtlicher“, sagt er mit selbstironischem Unterton.

Kreistagsmandat in Gütersloh und Vorsitz im LWL-Bauausschuss

Zum Ratsmandat (inklusive Ausschussvorsitz) in Werther kommen ein Kreistagsmandat in Gütersloh sowie Funktionen im „Westfalen-Parlament“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster. Vor kurzem ist Schmolke nach Jahren im LWL-Kulturausschuss als ordentliches Mitglied in die neue LWL-Kulturstiftung gewechselt. Im LWL-Bauausschuss, dem er vorsitzt, hat Schmolke jahrelang die heutige Detmolder Regierungspräsidentin Judith Pirscher als Partnerin auf der Verwaltungsseite erlebt.

Mit weiteren Funktionen ist er im Grünen-Bezirksrat OWL sowie auch als Grünen-Vertreter im OWL-Ableger des Städte- und Gemeindebundes betraut. Mit einem Vollzeit-Job wären all diese ehrenamtlichen Aufgaben nicht zu stemmen, sagt Schmolke selbst.

Aus diesen langjährigen Erfahrungen heraus definiert der Kandidat seine Vorstellungen für eine Arbeit als Bürgermeister. „Große Bürgernähe ist mir sehr wichtig“, sagt Schmolke und meint damit die Mobilisierung von deutlich mehr Menschen für die verschiedensten Bürgerworkshops, als dies bisher zum Beispiel bei den Themen ISEK und Mobilitätsstation der Fall war. „Ich wünsche mir eine große Offenheit. Die Kommunikation im Rathaus soll eine andere werden“, sagt er.

Die Verkehrswende muss in den Kommunen durchgesetzt werden.

Thorsten Schmolke (Die Grünen)

Er sei ein kommunikativer Mensch, kompromissfähig und lasse auch andere Meinungen gelten, sagt Schmolke von sich selbst. Als Chef einer Verwaltung will er Führungsprinzipien wie „fördern und mitnehmen“ sowie Problemlösungen im Team Gewicht verleihen. Gestritten werden solle nicht um des Streitens willen. „Ich will ja ein Ergebnis haben“, sagt Schmolke. Und er betont: „Ich würde tatsächlich ein grüner Bürgermeister für Werther sein.“ Das bedeute Schwerpunkte auf den Themen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sowie Mobilitätsverhalten. „Die Verkehrswende muss in den Kommunen durchgesetzt werden“, sagt er.

Auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum steht oben auf seiner Agenda, wobei ihm Flächensparen wichtig ist: „Wir haben zu viele Ansprüche an zu wenig Platz.“

Ein Kommentar von Stefan Küppers

Dass Werthers Grüne Thorsten Schmolke als Bürgermeister-Kandidaten nominieren würden, ist eine Überraschung. Und dann auch wieder nicht. Wer für einen Chefposten im Rathaus in erster Linie Verwaltungserfahrung einfordert, der würde mit dem ersten Gedanken nicht auf Thorsten Schmolke kommen. Doch speziell diese Eigenschaft haben auch nicht die Bürgermeister-Bewerber von SPD und CDU zu bieten, wenngleich sich die persönlichen Werdegänge der drei doch sehr stark unterscheiden. Als „hauptberuflich Ehrenamtlicher“ kann Schmolke in Sachen Vernetzung es sicher aufnehmen mit SPD-Kandidat Lemmen.

Am Ende wird in diesem Wahlkampf neben Faktoren wie persönlichem Auftreten und Überzeugungskraft vor allem also die politische Dimension und Gestaltungskraft dieses besonderes Wahlamtes im Mittelpunkt stehen. Das wiederum wird die Diskussionen beleben, wohin diese Stadt steuern und wer dafür im Rathaus das Ruder in die Hand nehmen soll. Das könnte erfrischend werden.

Stefan Küppers

 

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