Mi., 25.03.2020

Welche Gedanken Bürgermeisterin Marion Weike in der Corona-Krise beschäftigen „Wunderbar, wie hilfsbereit viele sind“

Als Bürgermeisterin und Krisenmanagerin ist Marion Weike in diesen Tagen und Wochen besonders gefordert.

Als Bürgermeisterin und Krisenmanagerin ist Marion Weike in diesen Tagen und Wochen besonders gefordert. Foto: Stefan Küppers

Werther (WB). Die letzten sechs Monate ihrer Amtszeit in Werther hat sich Bürgermeisterin Marion Weike wohl auch anders vorgestellt. Der Umgang mit der Corona-Krise ist ein Kraftakt mit Aufgaben, die sich noch vor wenigen Wochen niemand hat vorstellen können. Mit Marion Weike sprach WB-Redakteurin Margit Brand.

 

In welchem Moment ist Ihnen die Zuspitzung der Lage, die inzwischen eine Reihe drastischer Maßnahmen nach sich gezogen hat, bewusst geworden?

Marion Weike: Das war an dem Freitag, als die Schließung der Kitas und Schulen am darauffolgenden Montag bekannt wurde. Wir hatten plötzlich die Weisung des Landes NRW auf dem Tisch und mussten das Betretungsverbot durchsetzen. Da fing der Stress hier an, zumal auch immer wieder „Nachjustierungen“ der Weisungen reinkamen – meist dann, wenn wir gerade fertig zu sein glaubten.

Was ist für Sie in Ihrer Funktion als Bürgermeisterin die größte Herausforderung im Umgang mit der Krise?

Weike: Wir als Verwaltung stehen vor der Herausforderungen, die vielen neuen Vorgaben schnell, umsichtig und effektiv umzusetzen. Was mich sehr beschäftigt, sind die Konsequenzen, die für die Betroffenen daraus erwachsen. Bei vielen machen sich Existenzängste breit – das betrifft Firmeninhaber genauso wie Mitarbeiter. Es muss dem Staat gelingen, die harten Auswirkungen der Maßnahmen so gut es eben geht abzufedern. Wir müssen als Verwaltung schnell Informationen über wirtschaftliche Hilfen weitergeben, sobald sie uns vorliegen. Auch die psychischen Belastungen, die aus der Kontaktsperre erwachsen, sollten wir nicht unterschätzen. Ob es wirklich alle über Wochen schaffen, sich an die strengen Auflagen zu halten?

Gibt es auch in Werther einen Krisenstab und wie arbeitet er?

Weike: Unser Krisenstab ist sehr überschaubar: Den bilden mein Stellvertreter Guido Neugebauer, Jürgen Pilgrim vom Fachbereich Ordnung- und Sozialwesen und ich. Je nach Thema ziehen wir weitere Kollegen hinzu. Aber auch in diesem kleinen Kreis treffen wir uns im großen Sitzungssaal – auch wir beherzigen die Abstandsregeln. Homeoffice ist in der Stadtverwaltung so ohne weiteres nicht möglich, weil uns im Augenblick technische Möglichkeiten fehlen.

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„Es muss dem Staat gelingen, die harten Auswirkungen der Maßnahmen so gut es eben geht abzufedern.“

Marion Weike

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Welche Reaktionen aus der Bevölkerung erreichen das Rathaus?

Weike: Ich freue mich, dass die meisten Menschen die Vorgaben akzeptieren. Nur noch vereinzelt haben wir Menschen auf Spiel- und Bolzplätzen angetroffen, und die waren einsichtig, als wir auf das Betretungsverbot hingewiesen haben. Auch in den Geschäften werden die Maßnahmen meist gut umgesetzt. Das Rathaus ist für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Kontaktaufnahme per Telefon oder per Mail funktioniert gut. Wir möchten natürlich auch jetzt für die Menschen in Werther da sein.

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„Ich hoffe sehr, dass diejenigen, die die Corona-Party in der Sporthalle veranstaltet haben, aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen werden.

Marion Weike

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Wie sehr haben Sie sich über die Corona-Party in der Gesamtschul-Turnhalle geärgert?

Weike: Ich kann dieses Verhalten überhaupt nicht nachvollziehen. Wer sich in diesen Zeiten trifft und dabei auch noch die Turnhalle verwüstet, handelt rücksichts- und verantwortungslos. Ich hoffe sehr, dass diejenigen, die das in der Sporthalle an der Gesamtschule veranstaltet haben, aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen werden.

Was sind die drei für Sie einschneidensten Dinge, die sich in Ihrem persönlichen Alltag geändert haben?

Weike: Ich hatte es geschafft, seit Anfang des Jahres zweimal pro Woche zum Sport zu gehen, und war darauf ziemlich stolz. Jetzt ist das Fitness-Studio geschlossen. Ob ich nach der Krise wieder die Energie aufbringe?

Ich bedaure, dass ich zurzeit meine 79-jährige Mutter nicht besuchen kann, und auch die Repräsentationsbesuche bei Alters- und Ehejubiläen fehlen mir. Das mache ich immer sehr gerne.

Angst und Panik sind falsche Ratgeber. Was bereitet Ihnen dennoch aktuell Sorge?

Weike: Das sind die wirtschaftlichen Folgen, die das Ganze noch lange nach sich ziehen wird. Ich hoffe da auf Hilfe von Bund und Land, um das so gut es geht abzufedern. Die Hilfen müssen schnell ausgezahlt werden, um den Menschen die Existenzangst zu nehmen. Und wie gesagt: Auch die psychischen Folgen dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.

Und was macht Ihnen umgekehrt Mut?

Weike: Es ist wunderbar zu sehen, wie hilfsbereit so viele Menschen sind. Ich brauche mich im Rathaus nur umzusehen: Die Kollegen unterstützen einander und mich, so gut sie können. Jetzt können die „sozialen Medien“ mal zeigen, dass sie wirklich „sozial“ sind. Wenigstens auf digitalem Weg Kontakt halten zu können, ist toll.

 

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