Harald Kießlich verzückt Jacobistift-Bewohner mit einem Innenhof-Konzert
Musikalischer Ostergruß auf Abstand

Werther (WB). Wie macht man Pflegeheim-Bewohnern in der Corona-Krise eine Freude? Mit Musik auf Abstand zum Beispiel.

Dienstag, 14.04.2020, 07:30 Uhr
Harald Kießlich erfreute neben den Jacobistift-Bewohnern auch die Initiatoren Hanns Lindemann und Erika Sahrhage sowie Einrichtungsleiterin Silke Becker (v.l.).    Foto: Malte Krammenschneider
Harald Kießlich erfreute neben den Jacobistift-Bewohnern auch die Initiatoren Hanns Lindemann und Erika Sahrhage sowie Einrichtungsleiterin Silke Becker (v.l.).    Foto: Malte Krammenschneider

Denn mit einem strengen Besuchsverbot wird versucht, das Virus unter allen Umständen fern von den Einrichtungen zu halten, deren Bewohner hochbetagt sind und vielfach unter Vorerkrankungen leiden. „Sie gehören damit zur Hochrisikogruppe. Eine Ansteckung hätte fatale Folgen. Zum Glück gibt es hier aktuell keine Corona-Fälle“, erklärt die Leiterin des Wertheraner Jacobistiftes, Silke Becker.

Bei strahlendem Sonnenschein zeigt sie sich am Ostersonntag besorgt und zugleich voller Vorfreude, denn Berufsmusiker Harald Kießlich hat sich für ein kleines, aber feines Konzert angekündigt – nicht wie gewohnt im großen Saal und nah an den Zuhörern, sondern im Innenhof mit ausreichendem Abstand. „Wir machen alle Fenster auf, sodass möglichst viele lauschen können“, sagt Silke Becker. Der musikalische Auftritt sei für die 57 Bewohner eine willkommene Abwechslung, sagte sie: Schließlich hätten sie schon seit Wochen keinen persönlichen Kontakt mehr zu ihren Angehörigen. Und auch die täglichen Gruppenangebote finden nicht mehr statt.

Auch die Ehrenamtlichen fallen derzeit weg

„Für die Bewohner ist der Tag so gefühlt länger als sonst. Es macht etwas mit ihnen. Hinzu kommt, dass demenziell erkrankte Personen die Schutzmaßnahmen nicht verstehen oder nachvollziehen können. Es sind schwierige Zeiten“, so Silke Becker, die in diesen Tagen zudem nicht auf das fleißige Team von Ehrenamtlichen zurückgreifen kann, denn auch sie dürfen die Einrichtung nicht betreten.

Umso schöner, dass Werthers Ratsfraktionen auf Initiative des SPD-Ortsverbandes nun Harald Kießlich für einen Auftritt gewinnen konnten, denn auch der übliche Besuch von Kindern und Enkeln an Ostern fällt in diesem Jahr aus. „Es ist ein Ostergruß der Fraktionen und soll ein Zeichen sein, dass wir an die Bewohner denken und sie im Blick haben“, erklärt SPD-Mann Hanns Lindemann, der den Kießlich-Auftritt interessiert verfolgt.

Klassische Frühlingslieder lassen Herzen höherschlagen

Für den 64-Jährigen Wertheraner Musiker übrigens eine ungewohnte Situation, die er jedoch mit seiner mitreißenden und fröhlichen Art meistert. Im Gepäck hat er an diesem Sonntagmorgen klassische Frühlings- und Liebeslieder wie „Will der Lenz uns grüßen“, „Alle Vögel sind schon da“ oder „Wenn alle Brünnlein fließen“, welche bei den betagten Zuhörern natürlich hervorragend ankommen. Es wird zwischenzeitlich sogar fleißig mitgesungen, und auf den Gesichtern der Bewohnern ist ein Lächeln zu erkennen – ganz so, wie es sich die Organisatoren vorgestellt hatten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7368048?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516078%2F
Das nächste 0:3
Für Uwe Neuhaus und den DSC Arminia war in Dortmund nichts zu holen.
Nachrichten-Ticker