Bei »Winkler-Filtertechnik« werden Alltagsmasken aus Polyester-Vlies hergestellt
Mundschutz made in Werther

Werther (WB). Jetzt hat sich auch die NRW-Landesregierung dafür entschieden, den Bürgerinnen und Bürgern ab Montag, 27. April, im ÖPNV und Einzelhandel sogenannte Mund-Nasen-Bedeckungen verpflichtend vorzuschreiben. Auch wenn Chemiker Dr. Dirk Schröer als Geschäftsführer des Wertheraner Unternehmens Winkler-Filtertechnologie betont, dass »die rund 170 Nanometer kleinen Viren alles passieren außer FFP3-Masken«, hat ihn das nicht davon abgehalten, in seinem Betrieb eigene Masken herstellen zu lassen.

Donnerstag, 23.04.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 05:00 Uhr
Selbstversuch - WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiter Johannes Gerhards testet einen der von Winkler-Filtertechnologie hergestelltem Mundschutz aus Polyester-Vlies. Foto: Gerhards
Selbstversuch - WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiter Johannes Gerhards testet einen der von Winkler-Filtertechnologie hergestelltem Mundschutz aus Polyester-Vlies. Foto: Gerhards

Aus dem Freundeskreis ermuntert worden

Weil hochwertige, Träger und Umgebung relativ zuverlässig schützende, Atemschutzmasken derzeit kaum verfügbar sind und dem medizinischen Fachpersonal vorbehalten sein sollten, wird das Interesse an den »Masken made in Werther« wohl weiter zunehmen. Nach wiederholten Ermunterungen aus dem Freundeskreis sind die Mitarbeiter des Unternehmens an der Schloßstraße tätig geworden und haben sich wie viele Privatleute an die Nähmaschinen gesetzt.

»Anfragen bei unseren Lieferanten nach zertifizierten Materialien erbrachten, dass der Weltmarkt derzeit ausverkauft ist«, berichtet Dirk Schröer, der gemeinsam mit seiner Frau Christiane, einer diplomierten Textilingenieurin, den Betrieb mit acht Beschäftigten leitet. Gutes Filtermaterial soll einerseits Partikel fernhalten, andererseits das Atmen nicht zu sehr beeinträchtigen. Baumwolle scheidet da nach seiner Ansicht schon mal aus, auch weil der Stoff durch die Atemluft schnell durchfeuchtet, und so schlimmstenfalls sogar das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erzielt werden kann.

Masken werden unter anderem über den Dorfladen Häger vertrieben

Die in seinem Betrieb in Handarbeit gefertigten Masken bestehen dagegen aus Polyester­vlies, sind atmungsaktiv, schnelltrocknend und mehrfach verwendbar. Zudem verfügen sie über herausnehmbare Nasenbügel. Auf dem Beipackzettel steht neben der Pflegeanweisung der deutliche Hinweis, dass es sich hier nicht um ein zertifiziertes medizinisches Produkt handelt. Ein Eigenversuch bestätigt allerdings höheren Tragekomfort als die in Heimarbeit hergestellte Baumwollmaske.

Dirk Schröer legt Wert darauf, dass es nicht zu seinem Geschäftsmodell gehört, künftig auf dem derzeit überkochenden Markt für Schutzmasken mitzumischen. »200 Stück pro Tag sind kein Problem, aber wir können nicht alle 11.000 Bürger von Werther versorgen, geschweige denn die ganze Weltbevölkerung«, stellt er klar. Vertrieben werden die Masken aktuell über den Dorfladen Häger und die Sonnenapotheke. Der Stückpreis von 6,99 Euro ist vergleichsweise moderat und liegt deutlich unter dem Angebot eines renommierten deutschen Wäscheunternehmens.

Niemand kann derzeit die Entwicklung absehen. Während sich in Asien jeder erkältete Busfahrer nur mit Schutzmaske ans Steuer setzt, ist für Europäer das Tragen ungewohnt und mag wohl auch etwas unbequem sein. Nach der Entscheidung der Landesregierung wird sich ein allgemeines Umdenken nicht vermeiden lassen. Derzeit verkaufen die Apotheken-Mitarbeiter die Masken zwar, tragen sie selber aber (noch?) nicht und vertrauen mehr auf die schützende Wirkung einer Plexiglasscheibe im Kassenbereich.

Möglicherweise finden sich demnächst auch massenhaft Einwegmasken im Straßengraben, vergleichbar den vom Autofenster gefallenen Deutschlandfähnchen während einer Fußball-WM. Der Ansatz von Winkler-Filtertechnik steht da mehr für Nachhaltigkeit, ganz im Sinne des Eisvogels als Firmensymbol. Mit diesem im Volksmund als fliegenden Edelstein bezeichnetem Wappentier verbindet das Unternehmen unter anderem die Flexibilität, auf unvorhergesehene Situationen angemessen zu reagieren.

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