Erst CDU-Mann, jetzt im Alleingang: Hannes Dicke-Wentrup tritt in Werther-Rotingdorf an
„Ohne Wald leidet die Wasserqualität“

Werther (WB). „Ich will der CDU nicht in die Suppe spucken“, sagt Hannes Dicke-Wentrup. Mancher allerdings fragt sich jetzt: Macht er nicht genau das mit seinem veränderten politischen Engagement? Denn der Rotingdorfer Landwirt, bislang CDU-Mitglied, tritt in diesem Jahr als unabhängiger Einzelbewerber im Wertheraner Wahlbezirk 13 an – in dem auch Karl-Hermann Grohnert für die CDU antritt.

Mittwoch, 05.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 05:02 Uhr
Inmitten von Sonnenblumen: Gemeinsam mit seiner Frau Yvonne, einer selbständigen Fahrlehrerin, hat sich Hannes Dicke-Wentrup 2018 entschieden, in den Biolandbau einzusteigen. In der Kommunalpolitik tritt er jetzt als Einzelbewerber an. Foto: Volker Hagemann
Inmitten von Sonnenblumen: Gemeinsam mit seiner Frau Yvonne, einer selbständigen Fahrlehrerin, hat sich Hannes Dicke-Wentrup 2018 entschieden, in den Biolandbau einzusteigen. In der Kommunalpolitik tritt er jetzt als Einzelbewerber an. Foto: Volker Hagemann

Als Direktkandidaten für den Wahlbezirk 13 nominierte die CDU einstimmig Karl-Hermann Grohnert. Auch wenn das Hannes Dicke-Wentrup nicht passt. Der sagt offen, was er denkt: „In die CDU bin ich 2015 eingetreten, weil ich vor allem Kanzlerin Angela Merkel Rückenwind geben wollte. Ihre Flüchtlingspolitik war keine leichte Aufgabe, und sie hat das ganz gut hingekriegt.“ Auf kommunaler Ebene dagegen, in Werther, agiert die CDU seiner Meinung nach in manchen Dingen zu lasch. „Ich habe nichts gegen das Wahlprogramm grundsätzlich. Aber etwa beim Thema Wasser ist noch viel mehr Engagement nötig. Und das sehe ich in meinem Wahlbezirk bei Karl-Hermann Grohnert so nicht.“

Trinkwasser auch aus Bielefeld?

Dicke-Wentrup nennt als Beispiel die Wasserschutzgebiete Werther Egge und am Hapkenberg: „Die zu schützen, ist für mich ein großes Thema, auch im Sinne aller anderen Bürger. Wenn durch den Klimawandel Fichten und weitere Bäume sterben und nicht schnell genug durch andere ersetzt werden, sieht es dort schlecht aus. Wenn da oben eines Tages kein Wald mehr steht, kann auch die Wasserqualität nur schlechter werden.“ Von der Starkregen-Problematik ganz zu schweigen. Der Landwirt, der 2018 auf Bio-Anbau umgestellt hat , befürchtet: „Unterm Strich kann Werther eines Tages ein Trinkwasserproblem kriegen. Daher könnte alternativ zusätzlich die Stadt Bielefeld Wasser liefern.“

Deutliche Kritik übt Hannes Dicke-Wentrup aber nach wie vor an dem Hochwasserschutzbecken oberhalb des Hofes Venghaus. Das mehr als eine Million Euro teure Bauwerk sei „viel zu groß dimensioniert“. Beim Bau sprach manch einer auch von einer „Talsperre“. Kritik kam seinerzeit schon von Landwirt Heinrich-Theodor Venghaus selbst, und auch in der Wertheraner UWG waren Ausmaß und Sinnhaftigkeit dieser Investition kritisch hinterfragt worden.

Dicke-Wentrup will sich auch für den Außenbereich stark machen, für eine bessere Infrastruktur auf den Dörfern einsetzen. Zur gesperrten Diek­straße unweit seines Hofes sagt er: „Ich will keine allgemeine Durchfahrtsstraße, aber wir Anlieger nutzen sie auf dem Weg zur Borgholzhausener Straße lieber, weil wir über den Kreisel sicherer abbiegen können.“ Daher befürwortet der Landwirt auch, sie „etwas auszubauen“, also Straßenschäden zu beheben und sie zumindest für Anlieger freizugeben.

Als Biolandwirt bin ich auch für grüne Wähler interessant.

Hannes Dicke-Wentrup

Mit alldem sieht er sich klar im Vorteil gegenüber seinem CDU-Parteikollegen: „Karl-Hermann Grohnert wohnt gar nicht mehr in seinem Wahlbezirk“, sagt Hannes Dicke-Wentrup. „Ich dagegen kenne hier jeden Baum, jedes Haus, jeden Acker“, behauptet er. „Als ich erfuhr, dass Grohnert hier wieder antritt, habe ich selbst das Engagement ergriffen und die notwendigen Unterschriften für meine eigene Kandidatur besorgt.“ Für seinen Bezirk rechnet sich der 51-Jährige „ganz gute Chancen“ aus: „Als Biolandwirt bin ich auch für grüne Wähler interessant.“ Und als Einzelbewerber favorisiere er keinen bestimmten Bürgermeisterkandidaten. Nur einen lehnt er ab: „Es muss nicht unbedingt ein Rheinländer sein“, spielt er auf Veith Lemmen (SPD) an, der in Viersen geboren wurde – und auf Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU): „Ein Rheinländer reicht mir in der heimischen Politik...“

Der CDU-Sache nicht dienlich

Seine CDU-Ämter, etwa den Beisitz im Vorstand des Wertheraner CDU-Stadtverbands, hat Hannes Dicke-Wentrup vor einigen Wochen niedergelegt. Dass damit nun ein ehemaliges CDU-Vorstandsmitglied zur Kommunalwahl als Einzelbewerber antritt und obendrein gegen CDU-Kandidaten Karl-Hermann Grohnert, sorgt in der Partei nicht gerade für Begeisterung: „Grundsätzlich ist das in einer Demokratie ja legitim“, sagt Werthers CDU-Stadtverbandsvorsitzender Alexander Fillers. „Aber die Kommunikation hätte anders sein dürfen. Zu mehreren Sitzungen zur Wahlvorbereitung erschien Hannes Dicke-Wentrup erst gar nicht. Dabei muss man doch miteinander und nicht gegeneinander agieren.“

Das sieht auch Karl-Hermann Grohnert so. Der 71-jährige pensionierte Polizeibeamte, langjährige Ratsherr und Bürgermeisterin-Vertreter, bleibt zwar optimistisch für seine erneute Kandidatur, sagt aber auch: „Der Sache selbst ist das Gegeneinander nicht dienlich.“

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