Andreas Steffens tritt als parteiloser Bürgermeisterkandidat in Werther an
„Ich bin unverbraucht und unabhängig“

Werther (WB). In Werther arbeitete er bereits mehrere Jahre lang für das Abwasserwerk. Seitdem die Grünen im Februar 2020 nicht ihn, sondern Thorsten Schmolke als Bürgermeisterkandidaten nominierten, blickt Andreas Steffens erst recht nach vorn. Jetzt tritt er als parteiloser Bürgermeisterkandidat in Werther an, unterstützt durch die im Juni gegründete Wählergemeinschaft „Werther – Das geht anders!“. WB-Redakteur Volker Hagemann sprach mit dem 48-Jährigen.

Samstag, 15.08.2020, 11:47 Uhr aktualisiert: 15.08.2020, 12:06 Uhr
Bewusst hat sich Andreas Steffens entschieden, vor der Weco-Industriebrache und nicht etwa in seinem heimischen Staudengarten fotografiert zu werden: „Es geht ja um Werther, und die vernünftige Weco-Nachnutzung liegt mir am Herzen. Foto: Volker Hagemann
Bewusst hat sich Andreas Steffens entschieden, vor der Weco-Industriebrache und nicht etwa in seinem heimischen Staudengarten fotografiert zu werden: „Es geht ja um Werther, und die vernünftige Weco-Nachnutzung liegt mir am Herzen. Foto: Volker Hagemann

 

Herr Steffens, mit 13 zu 6 Stimmen hatten sich die Grünen im Februar für Thorsten Schmolke als Bürgermeister-Kandidaten entschieden, nicht für Sie. Wie fühlten Sie sich?

Andreas Steffens: Nach der Wahl war mir klar, dass nichts, was ich hätte sagen oder tun können, das Ergebnis dieser Wahl geändert hätte. Es wäre besser gewesen, meine Kandidatur zurückzuziehen, als mit Thorsten Schmolke ein interner Bewerber auf den Plan getreten war.

 

Waren Ihre Ansichten und Ziele nicht richtig bei den Grünen angekommen? Wo war der Haupt-Knackpunkt?

Steffens: Inhaltlich gab es nach meiner Meinung keine Knackpunkte, den meisten Grünen fehlte aber offensichtlich der Stallgeruch. Einigen war ich vielleicht auch bei einer früheren Wahlkampfveranstaltung zu forsch gegenüber Britta Hasselbach MdB aufgetreten, während der ich die Grünen unter anderem für ihre verbraucherfeindliche Haltung während des VW-Dieselskandals kritisiert habe.

 

Anpassung an Klimawandel liegt ihm am Herzen

Zur Person

Andreas Steffens wurde 1971 in Gütersloh geboren und wuchs in Verl auf. Nach der Allgemeinen Fachoberschulreife absolvierte er bei der Gemeinde Verl eine Ausbildung zum Ver- und Entsorger/Fachrichtung Abwasser – denn ein Herzenswunsch war und ist, sein Leben in den Dienst des Umweltschutzes zu stellen. Er studierte Bauingenieurwesen in Minden.

Für die britischen Streitkräfte in Gütersloh war Andreas Steffens Rettungsschwimmer und später für deren Bauunterhaltung tätig. Von 2015 bis 2017 arbeitete er bei der Stadt Werther als Projektmanager für die Erweiterung der Kläranlage am Schwarzbach zur Zentralkläranlage und war technischer Leiter des Wasserwerks. Weil man seine Hinweise zum schlechten Zustand des Wasserwerkes und seine Verbesserungsvorschläge ignorierte, wechselte er 2018 zum Klärbetrieb des Umweltbetriebs der Stadt Bielefeld. Als Teamleiter ist er dort zuständig für drei Kläranlagen.

Andreas Steffens lebt mit seiner langjährigen Partnerin in Friedrichsdorf. Er bezeichnet sich als politischen Quereinsteiger – politisch unverbraucht und unabhängig. In seiner Freizeit betreibt er unter anderem Kampfsport, liebt seinen Garten und wandert gerne.

...

Wie kam es zur Entscheidung, doch noch als weiterer Bürgermeisterkandidat anzutreten und obendrein eine neue Wählergemeinschaft zu gründen? Wie gewinnt man da überhaupt ausreichend Mitstreiter?

Steffens: An der Gründung der Wählergemeinschaft war ich nicht beteiligt. Vielmehr war das Thema, Bürgermeisterkandidat in Werther zu werden, eigentlich für mich gelaufen – bis mich Wolfgang Böhm, den ich von den Grünen kannte, anrief und von der Gründung der „Freien Wählergemeinschaft (FWG) Werther – Das geht anders!“ berichtete. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, mit Unterstützung der FWG in den Wahlkampf zu ziehen – ich sagte kurzentschlossen zu.

 

Welches Thema liegt Ihnen am meisten am Herzen?

Steffens: Neben der dringend notwendigen Sanierung der maroden Infrastruktur – Wasserleitung, Abwasserkanäle und Straßen – liegen mir der Klimaschutz und die Anpassung an den sich immer schneller vollziehenden Klimawandel sehr am Herzen. Zum Glück gibt es viele Anknüpfungspunkte und Synergien zwischen diesen Themenbereichen.

 

Welche „Baustelle“ in Werther möchten Sie als Erstes angehen?

Steffens: 1. Die Kläranlage bauen sowie das Wassernetz und das Wasserwerk sanieren. 2. Den sozialen städtischen Wohnungsbau wiederbeleben. 3. Eine Bürgerenergiegenossenschaft gründen. 4. Naturschutzflächen schaffen. 5. Endlich die abwasserführenden Kanäle und Leitungen im Wasserschutzgebiet einschließlich der maroden Straßen und alten Wasserleitungen etc. erneuern.

 

„Den Zustand der Wasserleitungsnetze hat man sich über mindestens 25 Jahre redlich erarbeitet.“

Als Diplom-Bauingenieur (FH) für Tiefbau, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik-Ingenieur für Wassertechnik müsste die heiß diskutierte Situation der Wertheraner Trinkwasserqualität und der maroden Leitungen für Sie doch ein Heimspiel sein, oder?

Steffens: Die Wasserversorgung war ein Themenbereich des Studiums. Schwerpunktmäßig habe ich im Hochbau und in der Abwassertechnik gearbeitet. Dennoch habe ich klare Vorstellungen für das Wasserwerk und das Netz. Schon vor mehr als drei Jahren habe ich vorgeschlagen, einen neuen leistungsfähigen Brunnen auf der Schanze zu bohren, um mit dem dort geförderten weichen Wasser die Härte und damit den Kalkgehalt des Trinkwasser herabzusetzen. Diese Maßnahme ist auf dem Weg, weitere müssen folgen.

 

Hat die Stadtverwaltung beim Thema Wasser eine falsche Strategie?

Steffens: Den Zustand der Wasserleitungsnetze hat man sich über mindestens 25 Jahre redlich erarbeitet. Das gleiche gilt für Kanäle und Straßen. Ab 1995 war in Folge der Wiedervereinigung kein Geld mehr da, und als ab 2010, nach dem Ende der Finanzkrise, wieder Geld zur Verfügung stand, haben die meisten Kommunen, so auch Werther, es schlicht versäumt, Personal einzustellen, um die Rückstände aufzuholen. Die Tiefbauabteilung besteht seit damals immer noch im Wesentlichen aus einer Person; das reicht natürlich hinten und vorne nicht. Um die Wasserwerke und das Leitungsnetz kümmerte sich auf der Planungsseite lange Zeit ein Ingenieur in „Teilzeit“. Er hatte zusätzlich zwei andere Aufgabengebiete zu betreuen.    Insbesondere die Sanierung der Leitungen wird Werther noch viele Jahre beschäftigen. Was über mehr als zwei Jahrzehnte versäumt wurde, ist nicht in wenigen Jahren aufzuholen. Daher ist es umso wichtiger, das Problem entschlossen anzugehen, bevor es vollends eskaliert.

 

Andere Strategie bei Schaffung von neuem Wohnraum angehen

Thema Wohnraum: Sie fordern die Rückabwicklung der Blotenberg-Planungen. Ist das überhaupt noch mit vertretbarem Aufwand umsetzbar?

Steffens: Zumindest einer meiner Mitbewerber hat erkannt, dass der Blotenberg ein Rohrkrepierer ist. Die Stadt muss aufhören, schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen. Neubaugebiete auf der grünen Wiese sind nicht nur im Zeitalter des Klimawandels ökologisch ungemein fragwürdig, vielmehr sind sie oft auch unwirtschaftlich, da der Flächenverbrauch für die erforderliche Erschließung im Trennsystem die Erschließungskosten und damit die Grundstückspreise in die Höhe treibt. Am Ende bleiben nur Investoren als Kaufinteressenten übrig, die Häuser und Wohnungen zu Höchstpreisen an Menschen verkaufen oder vermieten, die verzweifelt nach Wohnraum suchen. Kleine Neubaugebiete, bereits durch eine Straße erschlossen, in der bereits Wasserleitungen und Abwasserkanäle liegen, kommen da viel besser weg. Langfristig werden viele Neubauten im Bestand entstehen, indem alte Häuser abgerissen werden und flächenverdichtet neu gebaut wird – auch so kann eine Stadt wachsen.

 

Wo und wie müsste denn sonst weiterer Wohnraum geschaffen werden? Neubaugebiete kontra Flächenfraß...

Steffens: Es gibt in Werther Flächen für etwa 100 potenzielle Neubaugrundstücke. Diese jetzt schon zu benennen, wäre taktisch unklug und unangemessen gegenüber den Eigentümern.

 

Zu Weco: „Nicht zu handeln, ist keine Option mehr.“

Thema Weco-Areal: Ehemalige Grünen-Mitglieder wie Wolfgang Böhm und Prof. Hans-Dieter Kübler haben in Ausschuss-Sitzungen immer wieder für ihre Vorstellungen vom Urbanen Wohnen mit Mietwohnungen und integriertem Kleingewerbe plädiert. Wie kann oder sollte die seit zehn Jahren währende Weco-Debatte zu einem vernünftigen Ende kommen?

Steffens: Nicht zu handeln, ist keine Option mehr. Eine Industriebrache und Altlast, die Boden und Grundwasser gefährdet und das in der Mitte der Stadt, das darf nicht so weitergehen – daher kaufen, abreißen und sanieren. Bei der Nachnutzung des Geländes sprechen jedoch viele übergeordnete Behörden mit. Derzeit handelt es beim Weco-Gelände um ein Gewerbegebiet, die auch von mir präferierte Umnutzung in ein Mischgebiet (Stichwort: Urbanes Wohnen und Arbeiten) muss an höherer Stelle genehmigt werden. Daher wäre auch eine gewerbliche Nachnutzung durch Dienstleistungsgewerbe grundsätzlich denkbar.

 

Zwischen Bürgermeisterin Marion Weike und Weco-Eigentümer Gerhard Wehmeyer waren die Fronten zuletzt verhärtet. Kann ein Bürgermeister Steffens das wieder kitten?

Steffens: Davon gehe ich aus. Ich hoffe, Herr Wehmeyer ist grundsätzlich gesprächsbereit, so wie ich es auch wäre.

 

Sie leben in Friedrichsdorf. Wäre ein Umzug nach Werther eine Option?

Steffens: Ich bin erst vor knapp vier Jahren nach Friedrichsdorf gezogen. Meine Lebensgefährtin arbeitet in Paderborn, ich derzeit in Bielefeld. Friedrichsdorf liegt am Autobahnkreuz A2/A33 und damit für uns beide ungeschlagen verkehrsgünstig. Außerdem fühlen wir uns sehr wohl in unserer Nachbarschaft. Daher steht ein Umzug nach Werther nicht an.

 

Bei fünf Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters ist eine Stichwahl entscheidend. Wen sehen Sie am Ende vorn?

Steffens: Diesbezüglich wage ich keine Prognose. Kein Bewerber verfügt über den oft entscheidenden Amtsbonus. Es würde mich natürlich freuen, wenn ich einer der Kandidaten wäre, der in die Stichwahl kommt, weil, wie Herr Eckelmann sinngemäß gesagt hat: „Werther braucht jetzt einen Ingenieur.“ Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass er am Besten auch noch über Verwaltungs- und Führungserfahrung verfügen sollte. All diese Kriterien erfülle ich.

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