Ulrich Maaß stellt neuen Kalender für 2021 vor: „Ereignisse in Werther“
Die Jahre vergehen wie im Flug

Werther (WB). Bei Sport Strunk in der Ravensberger Straße reitet „Carlo“ als Nikolaus vorbei, begleitet von Pauke und Tuba? Nicht ganz: Wer genau hinsieht und die Bilderklärung liest, merkt: Das Foto ist 1957 entstanden, vor dem Geschäft Massmann. Hinter dem Nikolausbart muss sich also jemand anderes verborgen haben. Und schon kommen die Betrachter ins Erinnern und Plaudern – wie bei all den nostalgischen Bildern im neuen Kalender „Werther 2021“ von Ulrich Maaß.

Mittwoch, 21.10.2020, 02:29 Uhr
Nach ein paar rasanten Runden im Kettenflieger geht’s ins Bierzelt: Auf diesem Kalenderfoto aus dem August 1956 haben sich die Besucher des Schützenfests am Teutoburger-Wald-Weg richtig in Schale geworfen. Foto: W. Siebert
Nach ein paar rasanten Runden im Kettenflieger geht’s ins Bierzelt: Auf diesem Kalenderfoto aus dem August 1956 haben sich die Besucher des Schützenfests am Teutoburger-Wald-Weg richtig in Schale geworfen. Foto: W. Siebert

Aus seiner umfangreichen Sammlung aus mittlerweile 1200 Fotos stellt Maaß seit 2008 jedes Jahr eine Reihe an Motiven aus seiner Heimatstadt in einem Kalender zusammen – eine Leidenschaft des Wertheraner Architekten. „In manchen Kalendern habe ich ja einen Schwerpunkt auf Gebäude und Straßen gelegt, oft im Vergleich damals zu heute“, sagt er. Für den neuen Kalender 2021 wählte er nun einen anderen thematischen Schwerpunkt: „Ereignisse in Werther“. Die Motive verschiedener Fotografen – diesmal sind keine eigenen Fotos dabei – stammen aus den 1920er bis 60er Jahren und zeigen Eindrücke von Festen, Einweihungen und anderen Veranstaltungen.

Als das Freibad gerade erst neu war

Vor allem sind diese Bilder eine wahre Entdeckungsreise; jede Monatsansicht lädt ein zu einem ausgiebigen Schwelgen in Erinnerungen: „Ach ja, weißt Du noch...?“ Etwa an die Einweihung des Freibades im Juli 1963: Die Pflänzchen im Beet lugten erst wenige Zentimeter aus der Erde, und die Bademode der Besucher fiel längst nicht so knapp aus wie heute.

Überhaupt, die Mode damals: Zum Ausgehen und zum Bummel über das legendäre Blotenbergfest sowie zu Festumzügen trug man noch Anzug beziehungsweise Kleid. Ein Riesenrad war schon Anfang der 50er ein Besuchermagnet auf der Kirmes, ebenso das Kinderkarussell, das sich damals wie heute am Alten Markt vor der Fleischerei Paul drehte. Lange her ist inzwischen die Varieté-Schau samt Menschenpyramide auf dem Marktplatz: Das Foto entstand 1930 zwischen dem Kotten des Hofes Evering und der Zigarrenfabrik Klockenbring & ­Otte. Ulrich Maaß’ Lieblingsmotiv des neuen Kalenders wählte er als Titelbild: das Blotenbergfest, aufgenommen im Jahr 1952. Warum gerade dieses Bild? „Lange Zeit war dieses Fest der Veranstaltungshöhepunkt des Jahres. Wertheraner Vereine haben das auf die Beine gestellt und reihum ausgerichtet“, erinnert er sich. In Zeiten, in denen man über die Art eines Erdbeer- oder Bierfestes nachdenkt und der Christkindlmarkt auf der Kippe steht, klingt das schon regelrecht wehmütig.

Wer entdeckt sich auf den Fotos wieder?

Seit 30 Jahren beschäftigt sich Ulrich Maaß mit Werthers Stadtgeschichte, initiierte 2019 das Online-Geschichtsportal. Oft bekommt er weitere Fotos für seine Sammlung, etwa wenn jemand umzieht. Kalender stellte er auch schon für Bremen, Rinteln, Paderborn, Detmold und Minden zusammen. Das neue Exemplar 2021 für Werther gibt es für 15 Euro in der Buchhandlung „Lesezeichen“ und im Antiquariat Bremer. Und Maaß lädt noch mehr zum Stöbern im Werther-Kalender 2021 ein: „Die ersten zehn, die sich auf einem der Fotos wiedererkennen, erhalten einen weiteren Kalender kostenlos“, verspricht er. Erreichbar ist er unter 0 52 03/90 29 19.

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