Hergen Bruns (57) ist neuer Leiter des St. Jacobistifts in Werther
Kennenlernen beim Frühstück

Werther (WB). Schon die erste fröhliche Zusammenkunft mit 20 Bewohnern im großen Saal, als es um Erinnerungen an die Kartoffelferien ging, zeigte: Hergen Bruns ist gut angekommen an seinem neuen Arbeitsplatz. Seit Anfang Oktober ist er Leiter des Wertheraner St. Jacobistifts.

Freitag, 30.10.2020, 04:00 Uhr
In der familiären Größe des Wertheraner St. Jacobistifts fühlt sich Hergen Bruns ausgesprochen wohl. Der 57-Jährige hat Anfang Oktober von Silke Becker die Leitung des Altenzentrums an der Mühlenstraße übernommen. Foto: Volker Hagemann
In der familiären Größe des Wertheraner St. Jacobistifts fühlt sich Hergen Bruns ausgesprochen wohl. Der 57-Jährige hat Anfang Oktober von Silke Becker die Leitung des Altenzentrums an der Mühlenstraße übernommen. Foto: Volker Hagemann

Bruns betont, dass er hier „genau richtig“ sei, schließlich gehe es in dem Altenheim an der Mühlenstraße sehr familiär zu: „Hier leben 57 Bewohner, deutlich weniger als in anderen Einrichtungen. Das ermöglicht einen intensiven Kontakt zu den Menschen“, freut sich der 57-Jährige, der die Nachfolge von Silke Becker angetreten hat. Und so hat er seine ersten Wochen schon genau dafür genutzt: die Bewohner – und die gut 60 Mitarbeiter – kennenzulernen. „Ich versuche, möglichst jeden Morgen zur Frühstückszeit eine Runde durch die Wohnbereiche zu drehen“, berichtet Bruns. „Man braucht Ruhe dazu, das Zwischenmenschliche wachsen zu lassen.“

Was löst bei den Bewohnern Zufriedenheit aus?

„Ich möchte wissen: Was hat die Menschen in ihrem bisherigen Leben angetrieben? In welcher Form kann ich das hier wieder aufleben lassen? Was löst bei den Bewohnern Zufriedenheit aus?“, sagt Bruns. Und lobt das „tolle Team im Haus“: „Silke Becker hinterlässt große Fußstapfen. Aber die Mitarbeiter versuchen, mir den Start so leicht wie möglich zu machen.“

Hergen Bruns stammt aus dem niedersächsischen Oldenburg und lebt mit seiner Frau in Rheda-Wiedenbrück. In Bethel absolvierte er die diakonische Ausbildung: „Das hat mich geprägt“, erinnert er sich gerne. In Bielefeld studierte er Soziale Arbeit, arbeitete in der Schuldnerberatung. Eine Weiterbildung absolvierte Bruns in BWL, übernahm Leitungsfunktionen in der Diakonie, bei der AWO und im Paritätischen Wohlfahrtsverband Kreis Gütersloh. Zuletzt war er im Vorstand des Sozialpädagogischen Instituts in Gütersloh tätig.

Der Mensch, der mir gegenüber steht – ist der zufrieden mit mir und dem, was ich tue?

Hergen Bruns

Als die Leitungsstelle für das St. Jacobistift ausgeschrieben wurde, nutzte er seine Chance: „Ich wollte schon länger in die stationäre Altenarbeit. Denn bei meinen bisherigen beruflichen Stationen hat mich immer eines begleitet: Wie leben Menschen auch im Alter? Der Mensch, der mir gegenüber steht – ist der zufrieden mit mir und dem, was ich tue?“, beschreibt der 57-Jährige seine Zielsetzung, sein Denken und Handeln regelmäßig zu hinterfragen.

Deswegen will Hergen Bruns an seiner neuen Wirkungsstätte auch auf Bewohner und Mitarbeiter zugehen. Hat der neue Leiter bestimmte Veränderungsideen im Hinterkopf? Bruns hält die Bälle flach: „So, wie es hier läuft, ist es gut. Und ich will erst einmal die ersten 100 Tage ‚im Amt‘ hinter mich gebracht haben, um das Haus besser zu kennen.“ Wenn, dann wolle er Veränderungen nur in Absprache mit dem Kollegium – und der Geschäftsleitung in Berlin-Lichterfelde – angehen. Das könnten kleine Dinge sein: „Welcher Bewohner, welcher Mitarbeiter hat welches Potenzial? Kann vielleicht ein Musikinstrument spielen oder will eine Zusatzschulung nutzen? Ich mag es, wenn Menschen nach ihren Möglichkeiten aktiv bleiben. So etwas bereichert das Leben im Haus.“

Spagat zwischen Aktivitäten und Einschränkungen

Aktuell müsse man vor allem die Corona-Entwicklung im Auge behalten. „Wir schauen jeden Tag: Gibt es Veränderungen, neue Verordnungen?“ Indes: Die derzeitige Strategie der Einrichtung funktioniere, sagt Hergen Bruns: „Es gelten Verhaltensregeln wie Handdesinfektion, die Mitarbeiter tragen dauerhaft Mund-Nase-Schutz, Besucher müssen sich registrieren und einem Kurz-Screening mit Temperaturkontrolle unterziehen.“ Schließlich gehe es um den Gesundheitsschutz auch hochbetagter Menschen. Mit Unbehagen denkt er über manche strenge Maßnahme des vergangenen Frühjahrs nach: „Natürlich kann man Corona-Maßnahmen diskutieren: Muss jemand allein im Zimmer bleiben, oder muss ein ganzer Wohnbereich unter sich bleiben? Doch einzelne Menschen zu isolieren, das ist psychosozial nicht vertretbar“, sagt der Einrichtungsleiter.

Und was macht Hergen Bruns in seiner verbleibenden Freizeit? „Körper und Geist auf mehrfache Weise entspannen, etwa beim Qi Gong. Und dann ist da noch der Garten in Rheda-Wiedenbrück, der derzeit umgestaltet wird...“

Bewohner erinnern sich an „Kartoffelferien“

Das Eis war schnell gebrochen zwischen dem neuen Einrichtungsleiter Hergen Bruns und den Bewohnern im St. Jacobistift: Unter dem Motto „Herbstferien, was nun?“ kamen 20 Senioren zur Wohnbereichsfeier im großen Saal zusammen und plauderten. Etwa über die „Kartoffelferien“, an die sich ein Bewohner erinnerte: „Das waren eigentlich gar keine Ferien. Landkinder bekamen schulfrei, weil sie bei der Kartoffelernte helfen mussten.“ Ähnlich hat das der 86-jährige Friedrich Wilhelm Gies erlebt. Der Vorsitzende des Heimbeirates schreibt derzeit seine Lebensgeschichte auf. „Auf dem Acker waren die Knollen auch bei Regen und Kälte zu ernten.“

Mit historischen Fotos regte Beschäftigungstherapeutin Gaby Hornberg den Austausch über die eigenen Herbstferien an. In fröhlicher Runde probierten die Teilnehmer sich im Kartoffeldruck und füllten Taschen mit duftendem Lavendel.

 

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