Cornelia und Dirk Wulfmeier vom „Bergfrieden“ in Werther blicken zuversichtlich nach vorn
Wie treue Gäste für Gänsehaut sorgen

Werther -

Über die sieben Monteure, die jetzt einige Tage beruflich im Hotel und Restaurant „Bergfrieden“ verbringen, freuen sich Cornelia und Dirk Wulfmeier besonders: „Wir werden sie auch fragen, was wir ihnen abends Schönes auftischen dürfen“, sagt das Betreiber-Ehepaar des Wertheraner Traditionshauses im Teutoburger Wald.

Donnerstag, 14.01.2021, 18:07 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 18:10 Uhr
Tische und Tresen bleiben leer: Cornelia und Dirk Wulfmeier kämpfen sich in ihrem Hotel-Restaurant „Bergfrieden“ durch den Lockdown.
Tische und Tresen bleiben leer: Cornelia und Dirk Wulfmeier kämpfen sich in ihrem Hotel-Restaurant „Bergfrieden“ durch den Lockdown. Foto: Volker Hagemann

 

Die Männer sind die ersten Gäste seit vier Wochen. Die Wulfmeiers hoffen, die Corona-Durststrecke – deren Ende völlig offen ist – irgendwie weiter zu überstehen. Denn trotz der katastrophalen wirtschaftlichen Lage des Gastgewerbes erzählen die beiden Wertheraner von ganz besonderen Lichtblicken, die ihnen immer wieder Mut machen.

Was das Gastronomen-Paar berichtet, sorgt bei ihnen für ein Hin und Her der Gefühle, zwischen Rückschlägen und Hoffnung: Klar leiden auch sie erheblich unter dem Lockdown, seit Anfang November sind Hotel und Restaurant dicht, lediglich berufliche Übernachtungen einschließlich der dazugehörigen Bewirtung sind laut Coronaschutzverordnung erlaubt, und selbstverständlich müssen dafür strengste Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Doch wenn Geschäfte schließen, Unternehmen ihre Leute ins Home-Office schicken, schlimmstenfalls Leute entlassen, wenn weder Messen noch Präsenz-Fortbildungen stattfinden, dann kommen auch beruflich kaum noch Übernachtungsgäste.

Zwar liegt der „Bergfrieden“ landschaftlich in Toplage im Teuto nahe dem Hermannsweg, aber eben auch weitab jeder Laufkundschaft, daher gibt es keinen regelmäßigen Außer-Haus-Verkauf von Speisen. „Dennoch könnte man bei uns Essen bestellen, zu den Weihnachtsfeiertagen nutzten das auch viele Gäste; wir bereiteten das mit richtigem Geschirr zu, hatten uns gegen Einwegverpackungen entschieden“, berichtet Cornelia Wulfmeier. Doch im Zuge von Kontaktbeschränkungen geht auch der Partyservice gegen Null. Küchenmeister Dirk Wulfmeier hat sein Reich derzeit zwangsläufig für sich allein; die sonst zehn Beschäftigten im Restaurant- und Hotelbereich sind in Kurzarbeit oder haben ohnehin Minijobs.

Nur wenige Monate zwischen den Lockdowns durfte der „Bergfrieden“ im vergangenen Jahr öffnen. „Schön war, dass wenigstens mehr Wanderer, mehr Deutschlandurlauber, als sonst zu uns kamen. Der August und der September waren ganz gut; wir erinnern uns gut unter anderem an die Radfahrer, die vom Schwarzwald bis nach Bremen radelten – und zwar ohne E-Bikes!“, freut sich die Chefin über die netten Gäste. Und schwärmt von einer Goldenen Hochzeit, die Gäste im September mit 75 Personen bei ihr feierten. „Ein immenser Aufwand allein durch die vorgeschriebene detaillierte Gästeliste. Aber es ist super gelaufen, wir hatten im Haus bislang keine uns bekannte Infektion!“

Doch das seien letztlich eben nur zwei von zwölf Monaten, „und die Kosten für Strom, Heizung, Steuern und Versicherung laufen ja weiter, auch wenn keine Einnahmen kommen“, stellt die Gastwirtin klar. Eigentlich hatte das Haus für die vergangenen und bereits für die kommenden Monate einiges an weiteren Reservierungen für Geburtstagsgruppen und Vereine, Hochzeiten, Weihnachtsfeiern und Konfirmationen. „Aber wegen Corona gab es reihenweise Stornierungen. Und Ostern werden wir wohl auch dieses Jahr abschreiben können“, fürchtet sie. „Wir hoffen jetzt auf eine früh beginnende Saison unserer Außengastronomie.“ Denn dass der harte Lockdown nötig ist, das sehen auch die Wulfmeiers so: „Die Infektionszahlen müssen ja deutlich runter.“

Indes: Ehemann Dirk, der im Dezember 60 Jahre alt geworden ist, spricht von etwa 50 Prozent Umsatzausfall im vergangenen Jahr. Und die finanziellen Corona-Hilfen des Bundes? „Die angekündigten 75 Prozent, bezogen auf den Vorjahres-November, sind grundsätzlich gar nicht so schlecht. Allerdings ist von der Novemberhilfe jetzt – Mitte Januar – erst die Hälfte überwiesen worden“, berichtet Dirk Wulfmeier. Seit 1993 betreibt das Inhaber-Paar den „Bergfrieden“, führt den über 100 Jahre alten Familienbetrieb in vierter Generation. „Aber vergleichbare finanzielle Schwierigkeiten wie durch die Corona-Krise haben wir hier seit dem Krieg nicht mehr gehabt.“

Umso glücklicher und zuversichtlich wird das Gastronomen-Paar immer wieder angesichts treuer Gäste, die manches Mal für ganz besondere Unterstützung sorgen: „Im April 2020 wollte ein Gast seinen 90. Geburtstag im Saal feiern. Als die Feier abgesagt werden musste, ließ er unserem Team 500 Euro da, für die er keinerlei Gegenleistung will – damit wolle er uns Mut machen“, berichtet Cornelia Wulfmeier gerührt. Und erinnert sich an eine Wertheranerin, deren Tochter aus dem Ruhrgebiet drei- bis viermal im Jahr jeweils mehrere Tage im „Bergfrieden“ einkehrte, um die Familie zu besuchen. „Seit die alte Dame verstorben ist, kommt die Tochter weiterhin, um Familie und Friedhof zu besuchen. Weil das wegen Corona nicht ging, ließ sie einen dreistelligen Betrag bei uns – ebenfalls als Unterstützung für unser Haus“, freut sich Cornelia Wulfmeier über solch persönliche Verbundenheit. Die Frau aus dem Ruhrgebiet schrieb einen Gruß dazu: „Für einen virtuellen Besuch im ‚Bergfrieden‘. Mir geht es besser mit dem Gedanken, dass das Geld hier bleibt.“

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