Er packt zu, damit andere bequem Platz nehmen können: Polsterer Tim Robertson (20) aus Werther ist landesbester Auszubildender
Auch die „MS Europa“ mit ausgestattet

Werther-Langenheide -

Gemütliches Sitzen ist eine Kunst für sich. Einer, der nicht die Beine hochlegt, sondern lieber fachmännisch zupackt, damit andere bequem Platz nehmen können, ist Tim Robertson aus Langenheide. Der 20-jährige Polsterer hat gerade eine Ehrung als landesbester Azubi erhalten.

Sonntag, 17.01.2021, 19:38 Uhr
Nur noch wenige junge Leute erlernen heute das Polster-Handwerk. Tim Robertson (20) hat die Ausbildung mit Bravour gemeistert.
Nur noch wenige junge Leute erlernen heute das Polster-Handwerk. Tim Robertson (20) hat die Ausbildung mit Bravour gemeistert. Foto: WB

 

Nach dem Realschulabschluss ging es ihm nicht anders als vielen jungen Leuten auch: „So richtig wusste ich nicht, was ich machen sollte.“ Doch ein Bekannter, in dessen Polster-Werkstatt Tim Robertson gelegentlich in den Ferien jobbte, erkannte das Talent, das ganz offenbar in ihm schlummerte. „So habe ich dann meine Ausbildung bei COR Sitzmöbel Helmut Lübke in Rheda-Wiedenbrück begonnen“, blickt der junge Mann zurück.

Hier lernte er das Handwerk von der Pieke auf. Das mittelständische Unternehmen fertigt hochwertige Sessel, Sitzgarnituren und Stühle, die nicht nur in privaten Wohnzimmern oder Essecken ihren Platz finden, sondern auch im Objektbau gefragt sind.

Auch für Stadthallen und Flughäfen im Einsatz

Tim Robertson hat also auch geholfen, Stadthallen oder Flughafen-Lobbys mit auszustatten. Sogar auf die „MS Europa“ führte ihn seine Lehre: „Das war zwar keine Dienstreise auf einem, aber immerhin zu einem Kreuzfahrtschiff“, erinnert er sich an den besonderen Einsatz im Hamburger Hafen.

Der Azubi bekam schnell gutes Feedback in der Firma. Und nicht nur dort: „Mein Berufsschullehrer brachte mich auf den Gedanken, die Lehrzeit von den üblichen drei auf zweieinhalb Jahre zu verkürzen“, erzählt Tim Robertson. Diese Herausforderung nahm er gerne an – und überzeugte, wie die Endnote „Sehr gut“ und die Ehrung auf Landesebene zeigt.

Statt Borussia-Park nun Postversand

Eigentlich hätte sich Tim Robertson die dazugehörige Urkunde im Dezember gemeinsam mit 25 weiteren jungen Erwachsenen aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) bei einem Festakt im Borussia-Park in Mönchengladbach abholen sollen. Doch der fiel wegen Corona natürlich aus. Also gab es Post mit kleinen (Fußball-)Geschenken und lobenden Worten: „Die Bilanz der jungen Leute ist beeindruckend. Sie haben mit ihrem sehr guten Abschneiden eine perfekte Basis für ihren Start ins Berufsleben geschaffen. Die guten Ergebnisse zeigen auch, wie wichtig unseren Unternehmen der qualifizierte Fachkräftenachwuchs aus den eigenen Reihen ist“, sagt etwa IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke.

Auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, die bei der ursprünglich geplanten großen Feier die Ehrungen mit vornehmen sollte, gratulierte den besten Auszubildenden aus Nordrhein-Westfalen: „Jeder und jede von Ihnen trägt zur Stärke unseres Berufsbildungssystems bei. Mit Ihrem Abschluss haben Sie hervorragende Berufsperspektiven“, meint sie.

Das hört Tim Robertson mit gemischten Gefühlen. Denn er steht seit Anfang Januar erst einmal ohne Job da. „Mein Vertrag wurde leider nicht verlängert“, sagt er und hofft, dass die Ministerin am Ende doch recht behält.

Also bleibt im Moment doch etwas mehr Zeit zum Sitzen – zum Beispiel in seinem Gesellenstück, einem Ohrensessel mit Rautenheftung in einer Kombination aus Leder und Stoff. Von der Planung bis zum letzten Nadelstich alles selbst erdacht und ausgeführt und natürlich auch mit Funktion zum Füßehochlegen. Nur wenn der Feuerwehrmelder an seinem Gürtel piept, hält ihn nichts mehr auf den vier Buchstaben. Tim Robertson engagiert sich – wie schon Vater und Opa – bei der Freiwilligen Feuerwehr in Langenheide und rennt, wenn‘s brennt.

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